Kommission veröffentlicht Leitlinien zur Bekämpfung von Desinformation an Schulen

Praxisbezogene Leitlinien für Lehr- und Erziehungskräfte an Primar- und Sekundarschulen sollen digitale Kompetenzen junger Menschen fördern – Aufbau und Bewertung digitaler Kompetenzen sowie Bekämpfung von Desinformation im Fokus – Kommissarin Gabriel: "Informationen und Instrumente, damit sich Jugendliche in der digitalen Welt zurechtfinden"

Opening of the EU Code Week 2017 Exhibition

Am 11. Oktober 2022 hat die Europäische Kommission Leitlinien im Rahmen des "Aktionsplans für digitale Bildung 2021-2027" für Lehr- und Erziehungskräfte an Primar- und Sekundarschulen zur Bekämpfung von Desinformation und zur Förderung digitaler Kompetenzen im Unterricht veröffentlicht. Sie sollen der praktischen Unterstützung von Lehr- und Erziehungskräften dienen und beinhalten Definitionen technischer Konzepte, Unterrichtsmaterial und Anweisungen zur Förderung eines gesunden Verhaltens im Internet. 
"Diese Leitlinien sind eine praxisbezogene Handreichung für Lehr- und Erziehungskräfte. Mithilfe der darin enthaltenen Informationen und Instrumente können sie unseren Jugendlichen vermitteln, wie sie sich in der digitalen Welt zurechtfinden. Selbst Lehrkräfte ohne oder mit nur geringen Erfahrungen mit digitaler Bildung sind dadurch in der Lage, ihren Schülerinnen und Schülern einleuchtend zu erklären, wie sie Desinformation erkennen können. Ich bin davon überzeugt, dass diese Leitlinien vielen eine große Hilfe sein werden", erklärte dazu Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend.

Weiterentwicklung und Bewertung digitaler Kompetenzen im Fokus

In einer 2018 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage hatten 37 Prozent der Europäerinnen und Europäer angegeben, dass sie täglich mit Nachrichten konfrontiert worden seien, die ihrer Meinung nach die Realität falsch darstellten oder falsch seien. Tests zufolge verfügt derzeit ein Drittel der 13-jährigen Schülerinnen und Schüler nicht über grundlegende digitale Kompetenzen, und laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Englisch: "Organisation for Economic Co-operation and Development Ressort", kurz OECD) hat nur gut die Hälfte der 15-Jährigen in der EU nach eigenen Angaben gelernt, subjektive oder einseitige Informationen zu erkennen. 

Die Europäische Kommission setzt daher auf die Stärkung der Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung. Der Fokus im Unterricht soll auf den folgenden 3 Themenschwerpunkten liegen: 

  • Aufbau digitaler Kompetenzen, 
  • Bekämpfung von Desinformation und 
  • Bewertung digitaler Kompetenzen.

Die vorgestellten Leitlinien waren mit Unterstützung einer Expertinnen- und Expertengruppe der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Desinformation und zur Förderung digitaler Kompetenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung entwickelt worden. Dieser Gruppe gehörten Expertinnen und Experten mit einem hohen Maß an Praxiswissen aus den Bereichen Bildungswesen, Rundfunk, Hochschulen, sozialen Medien und Journalismus an. 

Die Kommission hat zudem am 11. Oktober 2022 einen Bericht veröffentlicht, dem eine Analyse der Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung bei der Bekämpfung von Desinformation und mögliche Lösungen auf EU- und nationaler Ebene zugrunde liegen. Die Kommission plant, weiter in diesen Bereich zu investieren, indem sie für das Arbeitsprogramm 2023 "Erasmus+"-Mittel für groß angelegte, zukunftsweisende Projekte mit dem Schwerpunkt Lehrkräfteausbildung und Entwicklung von Lehrplänen zur Bekämpfung von Desinformation und zur Förderung digitaler Kompetenzen bereitstellt.

Hintergrund: "Aktionsplan für digitale Bildung 2021-2027" und Etablierung eines europäischen Bildungsraums bis 2025

Die Leitlinien sind Teil des "Aktionsplans für digitale Bildung 2021–2027" und werden zur Schaffung eines europäischen Bildungsraums bis 2025 beitragen. Sie sind eine weitere Ergänzung der bereits laufenden Arbeiten der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Desinformation im Rahmen des "Erasmus+"-Programms, des Europäischen Solidaritätskorps und von "eTwinning" ("Community" von Lehrkräften und anderem Schulpersonal an Schulen in ganz Europa).

Weitere Informationen