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Sexuelle Gewalt

Frauen und Mädchen sind besonders häufig von sexueller Gewalt betroffen – dies zeigen nationale und internationale Prävalenzstudien auf:

Der Täter kommt sehr häufig aus dem sozialen Umfeld der betroffenen Frau, besonders häufig handelt es sich um den (Ex-) Partner.

Rechtslage

Strafgesetzbuch (StGB)

Das Strafrecht enthält im 10. Abschnitt (§§ 201ff) des Strafgesetzbuches (StGB) differenzierte Regelungen zu sexueller Gewalt. Abhängig von Gewaltanwendung beziehungsweise Drohung des Täters und Intensität des Eingriffs in die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung kommen insbesondere folgende Delikte zum Tragen: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung, sexueller Missbrauch von unmündig Minderjährigen oder sexuelle Belästigung. Die Gegenwehr des Opfers ist keine Voraussetzung. Es wird auf das Handeln und den Vorsatz des Täters abgestellt.

Datenlage: Delikte gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung, Sicherheitsbericht des Bundesministeriums für Inneres (2018 und Jahresvergleich)

Gleichbehandlungsgesetze

Neben dem Strafgesetzbuch enthalten auch die Gleichbehandlungsgesetze Bestimmungen zum Schutz vor sexueller Belästigung in der Arbeitswelt und beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Kostenlose Beratung und weitere Informationen dazu erteilt die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Im Öffentlichen Dienst Beschäftigte beraten die Gleichbehandlungsbeauftragten beziehungsweise Frauenbeauftragten.

Rechte im Strafverfahren

Alle vom Strafgesetzbuch umfassten Sexualdelikte sind sogenannte Offizialdelikte. Das bedeutet, dass diese Taten von den Strafbehörden verfolgt werden müssen, wenn sie davon Kenntnis erlangen.

Einzige Ausnahme ist der Straftatbestand "sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlung", der nur dann strafrechtlich verfolgt wird, wenn das Opfer die zuständigen Strafbehörden dazu ermächtigt.

Ein Strafverfahren stellt immer eine besondere Belastung dar. Besonders groß ist diese Belastung, wenn es um sexuelle Gewalt geht und vor allem dann, wenn der Täter eine nahestehende Person ist.

Es gibt daher spezielle Opferrechte, um diese emotionale Belastung weitgehend zu vermeiden.

Besonders relevant ist das Recht auf kostenlose juristische und psychosoziale Prozessbegleitung, die von spezialisierten Opferschutzeinrichtungen angeboten wird.

Beweissicherung

Die rasche und richtige Beweissicherung erhöht die Chancen den Täter zu überführen erheblich, auch wenn erst später eine Anzeige erstattet wird. Sie erleichtert die Beweisführung vor Gericht und kann den Betroffenen belastende Befragungen ersparen.

Spuren und Verletzungen am Körper werden durch eine sogenannte klinisch-forensische Untersuchung dokumentiert und gesichert. Um keine Spuren zu verlieren, ist es wichtig, diese Untersuchung so rasch wie möglich durchzuführen und vorher nicht zu duschen. Auch eventuell verabreichte K.O.-Mittel können nur wenige Stunden lang im Blut nachgewiesen werden.

Sonstige Spuren und Sachbeschädigungen sollten ebenfalls dokumentiert werden. Kleidungsstücke und ähnliches können durch Aufbewahrung in einem sauberen Behältnis (zum Beispiel Papiersack) gesichert werden.

Bei einer Anzeige macht die Polizei auf die notwendig erachteten Schritte zur Beweissicherung aufmerksam.

Wenn (noch) keine Anzeige erstattet wird, sollte so rasch wie möglich eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, welche in der Dokumentation von (sexuellen) Verletzungen geschult sind. Die gesicherten Beweise können auch genutzt werden, wenn die Anzeige erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.

Schutz und Hilfe bei Gewalt

Bei unmittelbarer Gefahr soll unbedingt der Polizeinotruf 133 gerufen werden!

Krankenhausambulanzen sind oft die erste Stelle, an die sich Betroffene wenden. Häufig verfügen Krankenhäuser über Ärztinnen und Ärzte, die in der Verletzungsdokumentation geschult sind. In vielen Spitälern gibt es auch spezialisierte Teams, sogenannte Opferschutz- oder Gewaltschutzgruppen, die mit anderen Gewaltschutzeinrichtungen vernetzt sind.

Zahlreiche Beratungsstellen bieten Betroffenen von sexueller Gewalt und auch ihren Bezugspersonen Hilfe und Unterstützung, kostenlos – unabhängig von einer Anzeige – und auf Wunsch auch anonym:

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