Kommission legt mit Aktionsplan Maßnahmen zur Digitalisierung des Energiesektors vor

Förderung digitaler Energiedienstleistungen, mehr Energieeffizienz im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik sowie Fokus auf Cybersicherheit als Schlüsselkomponenten – Energie-Kommissarin Kadri Simson: "Müssen unser Energiesystem effizienter gestalten und den Anteil erneuerbarer Energiequellen erhöhen"

Valerie Alwasiah/BKA

Um die Abhängigkeit der EU von russischen fossilen Brennstoffen möglichst rasch zu beenden und die Klimakrise zu bewältigen, soll das Energiesystem der EU eine tiefgreifende Transformation durchlaufen, bei der die Digitalisierung eine zentrale Rolle einnehmen soll. Vor diesem Hintergrund stellte die Europäischen Kommission am 18. Oktober 2022 einen Aktionsplan zur Digitalisierung des Energiesektors vor. Denn neue Technologien können und sollen dazu beitragen, die effiziente Nutzung von Energieressourcen zu verbessern, die Einspeisung erneuerbarer Energien ins Netz zu erleichtern und Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Energieunternehmen in der EU zu senken. Des Weiteren erfordern der europäische "Green Deal"und der REPowerEU-Plan eine tiefgreifende Umgestaltung des Energiesystems – es soll interaktiver und intelligenter werden, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Vorteile des ökologischen Wandels nutzen können.

Energie-Kommissarin Kadri Simson: "Mit dem Aktionsplan erschließen wir das Potenzial der Digitalisierung des Energiesektors"

Energie-Kommissarin Kadri Simson erklärte dazu: "Den europäischen 'Green Deal' umzusetzen und Europa fit für das digitale Zeitalter zu machen sind 2 zentrale Prioritäten dieser Kommission und gehen Hand in Hand. Wir müssen unser Energiesystem effizienter gestalten und den Anteil erneuerbarer Energiequellen erhöhen. Dafür brauchen wir verstärkt innovative digitale Lösungen und ein viel intelligenteres und interaktiveres Netz als bisher. Mit dem Aktionsplan erschließen wir das Potenzial der Digitalisierung des Energiesektors und die damit verbundenen erheblichen Energieeinsparungen, was allen Verbraucherinnen und Verbrauchern zugutekommt."

Senkung und stärkere Kontrolle des Energieverbrauchs durch neue digitale Instrumente

Die Kommission beabsichtigt, verschiedene Schritte zu unternehmen, um digitale Energiedienstleistungen zu fördern und gleichzeitig einen energieeffizienten Informations- und Kommunikationstechnik-Sektor (kurz: IKT) zu gewährleisten. Dazu zählen unter anderem:

  • Unterstützung der Verbraucherinnen und Verbraucher, ihren Energieverbrauch und ihre Rechnungen durch neue digitale Instrumente und Dienste besser zu kontrollieren, auch dank eines soliden Governance-Rahmens für einen gemeinsamen europäischen Energiedatenraum;
  • Kontrolle des Energieverbrauchs des IKT-Sektors, unter anderem durch ein System zur Umweltkennzeichnung für Rechenzentren, ein Energielabel für Computer, Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz in Bezug auf den Energieverbrauch von Telekommunikationsdiensten und ein Energieeffizienz-Label für "Blockchains";
  • Stärkung der Cybersicherheit von Energienetzen durch neue Rechtsvorschriften, einschließlich eines Netzkodex für Aspekte der Cybersicherheit bei grenzüberschreitenden Stromflüssen im Rahmen der EU-Elektrizitätsverordnung und Empfehlung des Rates zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen.

Die Kommission gibt an, im Rahmen des Programms "Digitales Europa", des LIFE-Programms, der Kohäsionsfonds und eines Vorzeigeprogramms für die Digitalisierung der Energie im Rahmen von "Horizon Europe" die Forschung und Innovation weiter finanziell zu unterstützen sowie die Einführung digitaler Technologien im Energiesektor voranzutreiben. So sollen in Kooperation mit der "European Green Digital Coalition" auch weiterhin Instrumente und Methoden entwickelt werden, um die Nettoauswirkungen digitaler Grundlagentechnologien im Energiesektor auf Umwelt und Klima zu messen. Die Europäische Grüne Digitale Koalition ist eine Gruppe von Unternehmen, die sich für die Unterstützung der grünen und digitalen Transformation der EU einsetzen.

Hintergrund: Digitalisierung des europäischen Energiesektors

Im Rahmen des europäischen "Green Deals" legte die Kommission am 8. Juli 2020 eine EU-Strategie zur Integration des Energiesystems vor, in der sie sich verpflichtete, einen Aktionsplan für die Digitalisierung des Energiesektors anzunehmen, um einen wettbewerbsorientierten Markt für digitale Energiedienstleistungen zu entwickeln, Datenschutz und -souveränität zu gewährleisten und Investitionen in die digitale Energieinfrastruktur zu unterstützen.

Vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine und der derzeitigen hohen Energiepreise möchte die EU ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland möglichst rasch beenden. Die Digitalisierung des europäischen Energiesystems soll dabei eine entscheidende Rolle einnehmen. Zusätzlich ist eine stärkere Digitalisierung des Energiesystems der EU auch von zentraler Bedeutung, um die Klimaziele der EU für 2030 und 2050 auf kosteneffiziente Weise zu erreichen. 

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