"Neues Europäisches Bauhaus" – eine ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Initiative

Mit dem Neuen Europäischen Bauhaus soll eine Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Kreativität und Inklusion geschaffen werden – Österreichischer Beitrag unter den 10 preisgekrönten Ideen bei den "New European Bauhaus Awards"

Neues Europäisches Bauhaus

Am 15. September 2021 hat die EU-Kommission eine Mitteilung angenommen, in welcher das Konzept des "Neuen Europäischen Bauhauses" und damit verbundene politische Maßnahmen und Finanzierungsmöglichkeiten vorgestellt werden. Ziel der Initiative ist es, den Wandel in verschiedenen Wirtschaftszweigen wie dem Baugewerbe und der Textilindustrie zu beschleunigen und dabei Nachhaltigkeit und Stil miteinander zu verbinden. In diesem Sinne ergänzt das Neue Europäische Bauhaus den "Green Deal" um eine kulturelle und kreative Dimension. Allen Bürgerinnen und Bürgern soll der Zugang zu kreislauforientierten und weniger CO2-intensiven Gütern ermöglicht werden.

Das Neue Europäische Bauhaus war von Präsidentin von der Leyen bereits 2020 in ihrer "Rede zur Lage der Union" (SOTEU) angekündigt worden und ist der Ausdruck des Bestrebens der EU, schöne, nachhaltige und inklusive Orte, Produkte und Formen des Zusammenlebens zu schaffen.

Neues Europäisches Bauhaus ergänzt den europäischen "Green Deal"

Mit dem Neuen Europäischen Bauhaus verbunden ist ein Aufruf an alle, gemeinsam Vorstellungen von einer nachhaltigen, inklusiven, intellektuell und emotional ansprechenden Zukunft zu entwickeln und zu realisieren. Diese Ergänzung des europäischen "Green Deal" um eine kulturelle und kreative Dimension soll zeigen, wie nachhaltige Innovationen greifbare und positive Erfahrungen in unserem Alltag ermöglichen können.

"Das Neue Europäische Bauhaus verbindet die große Vision des europäischen 'Green Deal' mit konkreten Veränderungen vor Ort – Veränderungen, die unser tägliches Leben verbessern und die die Menschen konkret erfahren können – in Gebäuden, im öffentlichen Raum, aber auch in Form von Mode oder Möbeln. Mit dem Neuen Europäischen Bauhaus soll ein neuer Lebensstil geschaffen werden, der Nachhaltigkeit mit gutem Design in Einklang bringt, weniger Kohlenstoff benötigt und inklusiv und erschwinglich für alle ist", erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

"Durch die Verknüpfung von Wissenschaft und Innovation mit Kunst und Kultur und durch einen ganzheitlichen Ansatz wird das Neue Europäische Bauhaus Lösungen finden, die nicht nur nachhaltig und innovativ, sondern auch für uns alle zugänglich, erschwinglich und lebensbereichernd sind", unterstrich die EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Mariya Gabriel.

Finanzierung des Neuen Europäischen Bauhauses

Rund 85 Millionen Euro werden für Projektvorhaben des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB) aus EU-Programmen im Zeitraum 2021-2022 bereitgestellt. Das NEB findet auch Eingang in viele andere EU-Programme ohne Festlegung auf ein zuvor bestimmtes eigenes Budget. Die Mittelbereitstellung erfolgt aus unterschiedlichen EU-Programmen: aus dem Programm "Horizon Europe"  für Forschung und Innovation, dem LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Mitgliedstaaten sollen die zentralen Werte des NEB in ihren Strategien für die territoriale und sozioökonomische Entwicklung anwenden sowie auch die Bereiche ihrer Aufbau- und Resilienzpläne und kohäsionspolitischen Programme in diesem Sinne nutzen.

Einrichtung eines "Think-and-Do-Tanks"

Die EU-Kommission ist bestrebt, ein "Labor des Neuen Europäischen Bauhauses" zur Entwicklung kreativer interdisziplinärer Ideen einzurichten, eine "Ideenschmiede des Denkens und Handelns". Inhaltlich haben sich für die Umsetzung 4 "thematische Achsen" herauskristallisiert, welche weiterbearbeitet werden sollen:

  • Rückbesinnung auf die Natur,
  • Wiedererlangung des Zugehörigkeitsgefühls,
  • Vorrang für die Bereiche mit dem dringendsten Bedarf und
  • langfristiger Lebenszyklusansatz.

Wie können sich Interessierte am Prozess beteiligen?

Wer sich aktiv engagieren möchte, kann sich an der wachsenden Gemeinschaft der offiziellen Partner der Initiative Neues Europäisches Bauhaus beteiligen und seine/ihre Ideen mit Einrichtungen teilen, die Aktivitäten in einem bestimmten Bereich durchführen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, offizieller Partner zu werden, sich vor Ort einzubringen und Kontakt zu Basisorganisationen herzustellen, um Projektvorschläge im Rahmen des Neuen Europäischen Bauhauses auf der Grundlage der Kernwerte der Nachhaltigkeit, Attraktivität und Inklusion zu erarbeiten.

Die Kommission veröffentlicht regelmäßig einen Newsletter auf der offiziellen Website, auch in Bezug auf die einschlägigen Finanzierungsmöglichkeiten.

Österreichischer Preisträger unter den Gewinnern der "New European Bauhaus Awards"

Die Europäische Kommission hat 2021 erstmals Preise zum Neuen Europäischen Bauhaus ausgeschrieben, welche die Werte des Neuen Europäischen Bauhauses – Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion – verdeutlichen sollen.

Aus 60 Projekten, die aus insgesamt 2.000 Einreichungen in die engere Wahl für die "New European Bauhaus Awards" kamen, wurden die Preisträger in 10 Kategorien ausgewählt und am 16. September 2021 in Brüssel gekürt. Die Gewinner der jeweiligen Kategorie erhalten ein Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro. 10 Preise für die "New European Bauhaus Rising Stars" in Höhe von je 15.000 Euro wurden für Konzepte und Ideen von jungen Talenten unter 30 Jahren ausgelobt. In der Kategorie "Techniken, Werkstoffe und Verfahren für Bau und Gestaltung" darf sich Österreich mit dem Projekt "ERDEN PURE Wände" über eine Auszeichnung freuen.

ERDEN PURE Wände sind vorgefertigte Bauelemente aus unstabilisiertem Stampflehm, die aus 100 Prozent Naturerde hergestellt werden, vollständig recycelbar sind und somit den Kriterien nachhaltiger Baugrundsätze entsprechen. Das Verfahren zur Herstellung der Bauelemente wurde von Martin Rauch und seinem Unternehmen "Lehm Ton Erde" (Schlins, Vorarlberg) erfunden.

Youtube-Video "ERDEN PURE Walls"

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte die zukunftsweisende Ausrichtung der zahlreichen eingereichten Konzepte: "Ich bin hoch erfreut zu sehen, dass das Interesse an der Initiative 'Neues Europäisches Bauhaus' wächst und so viele Beiträge, Talente und Fertigkeiten mobilisiert und die Innovation und Vielfalt in ganz Europa fördert. Das neue Europäische Bauhaus schlägt eine Brücke von der großen Vision des europäischen 'Green Deal' zu konkreten Veränderungen vor Ort, die unser tägliches Leben verbessern. Diese Projekte machen viel Hoffnung bei der Bekämpfung des Klimawandels."

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