"Frühjahrs-Eurobarometer"-Umfrage 2022: Unterstützung für die EU wächst

Höchster Wert seit 2007: 65 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger halten die Mitgliedschaft in der Union für eine "gute Sache" – Demokratie und Menschenrechte bei den Befragten prioritäre Themen – Krieg in der Ukraine bestimmt Meinungsbild

Le Parlement européen de Strasbourg

Die Unterstützung der Europäerinnen und Europäer für die Union steigt. Zudem nehmen die meisten EU-Bürgerinnen und -Bürger den Krieg in der Ukraine als "grundlegende Veränderung für ihr persönliches Leben" wahr, so 2 der Ergebnisse einer am 22. Juni 2022 veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Europäischen Parlaments ("Frühjahrs-Eurobarometer").

Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola: "Die Europäerinnen und Europäer fühlen sich bestätigt, Teil der Europäischen Union zu sein"

Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, begrüßte die Ergebnisse der Umfrage mit folgenden Worten: "Während der Krieg auf unseren Kontinent zurückkehrt, fühlen sich die Europäerinnen und Europäer bestätigt, Teil der Europäischen Union zu sein. Die europäischen Bürgerinnen und Bürger fühlen sich der Freiheit zutiefst verbunden. Sie sind bereit, unsere Werte zu verteidigen und erkennen zunehmend, dass die Demokratie nicht mehr selbstverständlich ist."

Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft wächst – vor allem im Baltikum

Den Ergebnissen der Umfrage im Auftrag des Europäischen Parlaments zufolge halten fast zwei Drittel (65 Prozent) der EU-Bürgerinnen und -Bürger die Mitgliedschaft ihres jeweiligen Landes in der Union für eine "gute Sache". Dies ist der höchste gemessene Wert seit 2007, als er bei 58 Prozent gelegen ist. Die höchsten positiven Werte für die EU-Mitgliedschaft werden in Luxemburg (90 Prozent "gute Sache") gemessen, die niedrigsten in Griechenland und der Slowakei (jeweils 41 Prozent "gute Sache"). 8 Prozent der Befragten halten die EU-Mitgliedschaft ihres jeweiligen Landes für eine "schlechte Sache" und 26 Prozent antworten neutral ("weder eine gute noch eine schlechte Sache"). Im Vergleich zu einer Umfrage im Auftrag des Europäischen Parlaments von November-Dezember 2021 sind die Zustimmungsraten in den meisten EU-Mitgliedstaaten deutlich gestiegen – insbesondere in Litauen (plus 20 Prozentpunkte), Malta (plus 12 Prozentpunkte) und Estland (plus 9 Prozentpunkte). Die Österreicherinnen und Österreicher sind zu 46 Prozent davon überzeugt, dass die EU-Mitgliedschaft ihres Landes eine "gute Sache" sei, was einem Anstieg von 5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 17 Prozent der Befragten in Österreich sehen in der EU-Mitgliedschaft eine "schlechte Sache" (minus 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), während 36 Prozent diese neutral bewerten ("weder eine gute noch eine schlechte Sache"). 

Positives Image der EU nimmt zu – auch in Österreich

Insgesamt hat mehr als jede/r zweite der befragten Europäerinnen und Europäer (52 Prozent) ein positives Bild von der EU, 12 Prozent ein negatives und 36 Prozent ein neutrales ("weder positiv noch negativ"). Dies bedeutet bezüglich des positiven Bildes der EU einen Anstieg um 3 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Umfrage im Auftrag des Europäischen Parlaments von November-Dezember 2021 – und gleichzeitig das beste Ergebnis seit 2007. Die positiven Bewertungen der EU in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten reichen von 76 Prozent in Irland, 73 Prozent in Portugal und 65 Prozent in Schweden bis zu 38 Prozent in Österreich, 33 Prozent in der Slowakei und 32 Prozent in Griechenland. In Österreich ist diesbezüglich im Jahresvergleich eine Zunahme unter den Befragten zu verzeichnen, die der EU ein positives Bild zuschreiben: Insgesamt 38 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben ein positives Bild der EU, was einen Anstieg von 3 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Umfrage von November-Dezember2021 bedeutet. 39 Prozent der Befragten in Österreich haben ein neutrales Bild der EU ("weder positiv noch negativ"), während 22 Prozent die EU negativ sehen.

Fast 6 von 10 Europäerinnen und Europäern befürworten raschere Aufnahme neuer Mitglieder in die EU

Die Mehrheit der EU-Bürgerinnen und -Bürger (58 Prozent) sprechen sich dafür aus, angesichts des Kriegs in der Ukraine, die Aufnahme neuer Mitglieder in die EU zu beschleunigen. 36 Prozent sind im EU-Durchschnitt dagegen, während 6 Prozent keine Meinung dazu äußern. In Österreich befürworten 45 Prozent der Befragten eine raschere Aufnahme neuer Länder in die EU, 50 Prozent lehnen diese ab, 5 Prozent äußern sich diesbezüglich mit "Weiß nicht". Im Ländervergleich findet sich die größte Zustimmung für eine raschere EU-Erweiterung in Polen (80 Prozent), Irland (77 Prozent) und Litauen (75 Prozent). In der Slowakei (55 Prozent), den Niederlanden (52 Prozent) und Slowenien (51 Prozent) sind – neben Österreich – die größten Anteile an Bürgerinnen und Bürgern zu finden, welche die raschere Aufnahme neuer Mitglieder in die EU ablehnen.

Ansehen Russlands sinkt – Image-Werte der USA legen zu

Das Bild, welches die EU-Bürgerinnen und -Bürger von anderen internationalen Akteurinnen und Akteuren haben, ist durch den Krieg in der Ukraine geprägt. 10 Prozent der Befragten haben ein positives Bild von Russland. Dies entspricht einem Rückgang um 30 Prozentpunkte im Vergleich zu einer Umfrage aus dem Jahr 2018, als diese Frage zum ersten Mal gestellt worden war. 85 Prozent der Befragten haben ein negatives Bild von Russland. Ein besonders negatives Bild von Russland haben die Befragten in Schweden (97 Prozent), Finnland (96 Prozent) und Dänemark (95 Prozent). Die höchsten Werte unter den Befragten in den EU-Mitgliedstaaten in Bezug auf ein positives Bild von Russland sind in Bulgarien (49 Prozent), Zypern (36 Prozent) und Griechenland (25 Prozent) zu finden. Die Volksrepublik China wird im EU-Schnitt von 22 Prozent der Befragten positiv gesehen (ein Minus von 14 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018) und von 70 Prozent negativ. Insgesamt haben im EU-Durchschnitt 65 Prozent der Befragten ein positives Bild des Vereinigten Königreichs Großbritannien (ein Plus von 1 Prozentpunkt im Vergleich zu 2018) und 27 Prozent ein negatives. 58 Prozent verfügen über einen positiven Eindruck der Vereinigten Staaten von Amerika (USA; ein Plus von 13 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018), 36 Prozent über einen negativen. 

Die Ergebnisse der Umfrage in Österreich orientieren sich diesbezüglich weitgehend am EU-Schnitt: 12 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben ein positives Bild von Russland, 83 Prozent ein negatives. In Bezug auf China haben 18 Prozent der Befragten in Österreich ein positives Bild und 74 Prozent ein negatives. 62 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben von Großbritannien ein positives Bild, 28 Prozent ein negatives. Die Werte in Bezug auf die USA weichen vom EU-Schnitt ab: So schreiben 46 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher den USA ein positives Bild, 46 Prozent ein negatives Bild zu. 

Fast zwei Drittel der Befragten befürchten Auswirkungen des Krieges auf ihre Lebensweise

Auch in Bezug auf die persönliche Lebensweise der Befragten spielt der Krieg in der Ukraine eine weitreichende Rolle: Im EU-Durchschnitt sind 61 Prozent der Befragten nicht zuversichtlich, dass ihr Leben nach Beginn des Krieges unverändert weitergeht. Im Ländervergleich liegen diesbezüglich die höchsten Werte in Tschechien (81 Prozent), Griechenland und der Slowakei (jeweils 86 Prozent). 37 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger sind zuversichtlich, dass ihr Leben durch den Krieg keiner Veränderung ausgesetzt sein wird. Im Vergleich der EU-Mitgliedstaaten liegen hier die höchsten Werte in Dänemark (61 Prozent), Irland (52 Prozent) und Italien (49 Prozent). Auch in Österreich sind lediglich etwas mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) zuversichtlich, dass der Krieg für ihr Leben keine Konsequenzen haben wird. 59 Prozent der Befragten Österreicherinnen und Österreicher sind diesbezüglich nicht zuversichtlich. 
40 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger – und auch 40 Prozent der Befragten in Österreich – geben an, dass sich ihr persönlicher Lebensstandard durch den Krieg in der Ukraine bereits verschlechtert habe. Die höchsten Werte liegen diesbezüglich in Bulgarien (62 Prozent), Zypern und Portugal (jeweils 57 Prozent). 47 Prozent der Befragten in der EU – und 46 Prozent in Österreich – glauben, dass eine Verschlechterung ihres persönlichen Lebensstandards innerhalb des kommenden Jahres eintreten könnte. Im Ländervergleich liegen diesbezüglich die höchsten Werte in Schweden (58 Prozent), Ungarn (56 Prozent) und Finnland (55 Prozent). 11 Prozent der Europäerinnen und Europäer – und 12 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher – vertreten die Meinung, dass der Krieg keinen Einfluss auf ihren Lebensstandard haben werde. Hier liegen die höchsten Werten in Dänemark (30 Prozent), Schweden und den Niederlanden (jeweils 26 Prozent). 

4 von 10 Österreicherinnen und Österreichern sehen Bekämpfung von Armut und Klimaschutz als Prioritäten für das Europäische Parlament

Nach Ansicht der Befragten sollte sich das Europäische Parlament auf die folgenden politischen Prioritäten konzentrieren: 1. Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (38 Prozent), 2. öffentliches Gesundheitswesen (35 Prozent) sowie 3. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (32 Prozent). Das Ranking der als am wichtigsten empfundenen Themen für die Befragten in Österreich sieht folgendermaßen aus: 1. Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (40 Prozent), 2. Maßnahmen gegen den Klimawandel (40 Prozent) sowie 3. die Zukunft Europas (36 Prozent). 

In Bezug auf die Grundwerte der EU-Bürgerinnen und -Bürger, die vorrangig vom Europäischen Parlament verteidigt werden sollten, sind sich die Befragten in den EU-Mitgliedstaaten sowie jene in Österreich weitgehend einig: An erster Stelle steht Demokratie (38 Prozentpunkte bei den Befragten in den EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 33 Prozent bei den Befragten in Österreich), gefolgt zweitens vom Schutz der Menschenrechte in der EU und weltweit (27 Prozent bei den Befragten in den EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 31 Prozent bei den Befragten in Österreich) sowie drittens von Rede- und Meinungsfreiheit (27 Prozent bei den Befragten in den EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 28 Prozent bei den Befragten in Österreich). 

Hintergrund: "Frühjahrs-Eurobarometer"-Umfrage 2022 im Auftrag des Europäischen Parlaments

Die "Frühjahrs-Eurobarometer"-Umfrage 2022 im Auftrag des Europäischen Parlaments ("Parlemeter") wurde zwischen 19. April und 16. Mai 2022 unter 26.578 Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten (darunter 1.005 Personen aus Österreich) persönlich durchgeführt und bei Bedarf durch Online-Interviews ergänzt. Die EU-Ergebnisse wurden entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen EU-Staaten gewichtet. 

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