Eurobarometer-Sonderumfrage: Den ökologischen Wandel gerecht gestalten

9 von 10 Befragten meinen, dass die "grüne" Transformation niemanden zurücklassen solle – 77 Prozent sehen eine "persönliche Verantwortung", einen Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels zu leisten – 93 Prozent halten das aktuelle Niveau der Energiepreise für ein "ernstes Problem" – 89 Prozent treten für Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur ein

Mobilität

"A green transition that leaves no one behind": Fast 9 von 10 Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten – nämlich 88 Prozent – stimmen dieser Aussage zu und geben an, dass der ökologische Wandel niemanden zurücklassen dürfe. In Österreich vertreten 84 Prozent der Bevölkerung diese Meinung. 46 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise 51 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher äußern sich zuversichtlich, dass bis 2050 nachhaltige Energie, Produkte und Dienstleistungen tatsächlich für alle erschwinglich sein werden, auch für einkommensschwächere Menschen. Das sind 2 zentrale Ergebnisse aus einer Eurobarometer-Sonderumfrage im Auftrag der Europäischen Kommission zum Thema "Fairness perceptions of the green transition", welche am 10. Oktober 2022 veröffentlicht worden ist. Eine gerechte, solidarische Transformation ist eines der Kernprinzipien des europäischen "Green Deals".

Große Bereitschaft, persönlich einen Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels zu leisten

77 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise 74 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sehen eine "persönliche Verantwortung", etwas zur Begrenzung des Klimawandels beizutragen, während 21 Prozent im EU-Durchschnitt beziehungsweise 24 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sich dazu nicht verpflichtet fühlen. 

"Angst" vor dem Klimawandel haben im EU-Schnitt 70 Prozent (in Österreich 57 Prozent), während 29 Prozent (in Österreich 42 Prozent) keine diesbezüglichen Sorgen äußern. Im EU-Schnitt geben etwas mehr Frauen (74 Prozent) als Männer (66 Prozent) an, sich vor dem Klimawandel zu fürchten.

Steigende Energiepreise stimmen die EU-Bürgerinnen und EU-Bürger besorgt

Die Kosten der ökologischen Transformation bereiten vielen Befragten Sorgen, insbesondere die hohen Energiepreise: 93 Prozent der Europäerinnen und Europäer beziehungsweise 92 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher meinen, dass das aktuelle Preisniveau in ihrem jeweiligen Land ein "ernstes Problem" für die Bürgerinnen und Bürger darstellt. 

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger geben an, dass sie weniger Energie verbrauchen könnten, als sie dies aktuell tun; in Österreich beträgt dieser Prozentsatz 55 Prozent der Bevölkerung.

Als Motivation, warum die Befragten ihren persönlichen Energieverbrauch reduzieren würden, geben im EU-Schnitt 62 Prozent der Befragten (in Österreich 59 Prozent) wirtschaftliche Gründe und 36 Prozent (in Österreich 40 Prozent) Umweltgründe an. Vor allem für Bevölkerungsgruppen mit höherem Einkommen wie auch für jüngere Menschen (im Alter von 15 bis 24 Jahren) sind für die Bemühungen um das Energiesparen tendenziell Umweltgründe wichtiger als wirtschaftliche Argumente.

Chancen auf neue, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze durch die ökologische Transformation

Knapp 6 von 10 Befragten, nämlich 57 Prozent in den 27 EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 54 Prozent in Österreich, glauben, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels mehr neue Arbeitsplätze schaffen als beseitigen würden. 61 Prozent der befragten EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise der Österreicherinnen und Österreicher erwarten, dass diese neu entstehenden Jobs von guter Qualität sein werden. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Europäerinnen und Europäer (54 Prozent) beziehungsweise 6 von 10 Österreicherinnen und Österreichern meinen, dass ihre aktuellen Kompetenzen ausreichend sind, um selbst einen Beitrag zum ökologischen Wandel leisten zu können. 

Öffentliche Verkehrsmittel – Nutzung und Zufriedenheit

An einem "typischen Tag" wird als Verkehrsmittel von den meisten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern beziehungsweise Österreicherinnen und Österreichern ein Auto genutzt (47 Prozent beziehungsweise 52 Prozent). 21 Prozent der Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 10 Prozent in Österreich geben an, zu Fuß zu gehen, während 16 Prozent der Europäerinnen und Europäer beziehungsweise 18 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Ein privates Fahrrad oder ein Scooter ist für 8 Prozent der Befragten in den 27 EU-Ländern beziehungsweise für 10 Prozent der österreichischen Bevölkerung das Verkehrsmittel ihrer Wahl. Tendenziell nutzen Männer im EU-Schnitt häufiger ein Auto als tägliches Verkehrsmittel als Frauen (51 Prozent versus 41 Prozent). Frauen gehen hingegen laut Umfrage häufiger zu Fuß als Männer (25 Prozent versus 16 Prozent) und wählen häufiger öffentliche Verkehrsmittel (18 Prozent versus 13 Prozent).

Befragt wurden die EU-Bürgerinnen und EU-Bürger auch nach ihrer Zufriedenheit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im EU-Schnitt zeigen sich 60 Prozent mit der Qualität, 55 Prozent mit der Erreichbarkeit und 54 Prozent mit der Leistbarkeit zufrieden. In Österreich sind die Werte diesbezüglich höher: 72 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher äußern Zufriedenheit mit der Qualität, 59 Prozent mit der Erreichbarkeit und 69 Prozent mit der Leistbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel. Das Level an Zufriedenheit steigt, je größer der Ort ist, an dem die Befragten leben: So liegt etwa die EU-weit durchschnittliche Zufriedenheit mit der Erreichbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel in einem "ländlichen Dorf" bei 35 Prozent, in einer "großen Stadt" hingegen bei 75 Prozent. Als Hauptgründe, um auf ein nachhaltigeres Transportmittel umzusteigen, führen 36 Prozent der Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten eine "höhere Frequenz" und 29 Prozent "bessere Leistbarkeit" an.

Einstellung zu einzelnen Maßnahmen zur Stärkung einer gerechten ökologischen Transformation

Die Eurobarometer-Sonderumfrage erhob zudem die Einstellung der Bevölkerung zu politischen Optionen, welche dazu beitragen könnten, einen fairen "grünen" Übergang zu fördern: 

  • 89 Prozent der Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 82 Prozent der Befragten in Österreich würden befürworten, wenn ihr jeweiliges Land mehr Mittel in die öffentliche Verkehrsinfrastruktur (etwa Züge, Busse) investieren würde. 
  • 89 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise 82 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind für die gezielte Subventionierung/finanzielle Unterstützung von Personen, die ihre Wohnungen oder Häuser energieeffizienter gestalten möchten, insbesondere von einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen. 
  • 87 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise 78 Prozent der österreichischen Bevölkerung treten für Maßnahmen (Vorgaben oder Anreize auf freiwilliger Basis) für private Unternehmen (etwa raschere Emissionsreduktion, energieeffizientere Produktionsmethoden, Erarbeitung zirkulärer oder nachhaltiger Unternehmensprozesse) ein. 
  • 71 Prozent der Europäerinnen und Europäer beziehungsweise 63 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher meinen, dass Produkte und Dienstleistungen, welche zu großen Teilen zum Klimawandel beitragen, besteuert und die Erlöse an einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen verteilt werden sollten. 
  • 62 Prozent der Befragten in den 27 EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise 56 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher treten für eine Zuweisung/Aliquotierung von spezifischen Energie-Anteilen an jede Bürgerin, jeden Bürger ein.

50 Prozent der Befragten meint, dass die EU in einem ausreichenden Maß für einen gerechten "grünen" Übergang sorgt

Die Hälfte der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise der Österreicherinnen und Österreicher (50 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass die EU genug unternimmt, um für einen gerechten "grünen" Übergang zu sorgen. 50 Prozent der Europäerinnen und Europäer beziehungsweise 54 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sehen dies auch bei den regionalen, städtischen und lokalen Behörden gegeben. 47 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger beziehungsweise 56 Prozent der österreichischen Bevölkerung finden, dass die jeweilige nationale Regierung genügend für eine gerechte ökologische Transformation tut, und 43 Prozent (in EU-Schnitt) beziehungsweise 46 Prozent (in Österreich) sehen dies auch im Unternehmenssektor.

Hintergrund: "Special Eurobarometer" 527 der Europäischen Kommission

Die Eurobarometer-Sonderumfrage ("Special Eurobarometer" 527) zum Thema "Fairness perceptions of the green transition" wurde zwischen 30. Mai und 28. Juni 2022 durchgeführt. Zu diesem Zweck fanden in allen 27 EU-Mitgliedstaaten im Auftrag der Europäischen Kommission "Face-to-Face"-sowie Online-Interviews mit insgesamt 26.395 Bürgerinnen und Bürgern (darunter 1.011 Personen aus Österreich) statt.

Weitere Informationen

Fairness perceptions of the green transition, Eurobarometer-Website (auf Englisch)