Ministerin Raab zu Integrationsbarometer: "Trotz Corona macht sich jeder Zweite Sorgen über die Integration"

Stärkung der Frauen sowie Maßnahmen gegen Parallelgesellschaften und den politischen Islam intensivieren

"Die Corona-Pandemie hat große Auswirkungen auf die Integration, die ganz klar vom persönlichen Kontakt zwischen Einheimischen und Zuwanderinnen und Zuwanderern lebt. Seit rund einem Jahr fehlen diese Begegnungen aufgrund der notwendigen Einschränkungen. Die Folge davon ist vielfach der Rückzug in die Communitys und in die Familien aus den Herkunftsländern. Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten wird vonseiten der Regierung alles getan, damit integrationsfördernde Maßnahmen weiterhin so gut wie möglich online beziehungsweise mit strengen Schutzmaßnahmen stattfinden können und die Menschen daran auch teilnehmen", hielt Integrationsministerin Susanne Raab bei der Präsentation des "Integrationsbarometers 2021" gemeinsam mit Meinungsforscher Peter Hajek fest. Der Integrationsmonitor im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖOF) basiert auf Online- und telefonischen Befragungen im Februar 2021. Befragt wurden 1.000 Personen ab 16 Jahren.

Etablierung des Ehrenamts als vierte Säule der Integration

Sobald es die Corona-Situation wieder erlaube, sollten Zuwanderinnen und Zuwanderer ihre Integration wieder aktiv in die Hand nehmen und die bestehenden Angebote nutzen. Die umfassenden Kursmaßnahmen und Programme würden so bald wie möglich wieder hochgefahren, die Integrationsmaßnahmen zudem weiter ausgebaut, so die Integrationsministerin. So werde die Dauer der für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtenden Werte- und Orientierungskurse zumindest verdoppelt, von bisher 8 Stunden auf mindestens 16 Stunden. Weiters wird neben der gesellschaftlichen und sprachlichen Integration sowie der Integration auf dem Arbeitsmarkt ehrenamtliches Engagement von Zuwanderinnen und Zuwanderern als vierte Säule der Integration etabliert.

Stärkung von Frauen und Mädchen als Schwerpunkt in der Integrationsarbeit

Probleme im Zusammenleben werden laut Integrationsbarometer vor allem in der Einstellung gegenüber Frauen wahrgenommen: 53 Prozent der Befragten nehmen veraltete, patriarchal geprägte Rollenbilder wahr. Dazu kommen kulturbedingte Gewaltformen wie weibliche Genitalverstümmelung (FGM) und Zwangsheirat bis hin zu "Ehrenmorden", von denen überwiegend Frauen mit Migrationshintergrund betroffen sind. "Ein Schwerpunkt in der Integrationsarbeit wird daher auf der Stärkung von Frauen und Mädchen liegen, damit sie selbstbestimmt und wirtschaftlich unabhängig leben können", so die Bundesministerin. Ergänzt werde das durch zahlreiche präventive Maßnahmen im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen sowie durch Aufklärungsarbeit zu kulturell bedingten Gewaltformen.

Intensivierung des Kampfs gegen Parallelgesellschaften und den politischen Islam

Laut Integrationsbarometer hat sich das Sicherheitsgefühl gegenüber dem Vorjahr signifikant verschlechtert. Zurückzuführen sei dies unter anderem auf den islamistisch motivierten Terrorakt im November 2020 in Wien sowie auf die Randale von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Silvesternacht. Mehr als jeder vierte Befragte hat Sorge vor der Verbreitung des politischen Islam (27 Prozent "sehr oft", 26 Prozent "öfter"), fast jeder Zweite (45 Prozent) nennt den politischen Islam und die Radikalisierung als größte Sorge im Zusammenleben mit Zuwanderinnen und Zuwanderern sowie Flüchtlingen. Der Kampf gegen diese gefährlichen Tendenzen muss daher konsequent weitergeführt werden: mit der Arbeit der Dokumentationsstelle politischer Islam, dem Anti-Terror-Paket oder auch mit Schulungsangeboten.

"Das Integrationsbarometer ist ein spannender Seismograf, der unter anderem aufzeigt, wie wichtig unser Kampf gegen den politischen Islam und religiös motivierten Extremismus ist. Wir werden hier auch weiterhin wachsam bleiben und neben dem bereits bestehenden vielfältigen Maßnahmenbündel auch weitere setzen", so Integrationsministerin Susanne Raab abschließend.

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.