EU verabschiedet ersten Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU

Stärkung der Beteiligung, Befähigung und Begegnung junger Menschen als Ziel des Aktionsplans – Umfangreiche Förderungen sollen Initiativen für junge Menschen unterstützen – Josep Borrell: "Es gibt auf der Erde mehr junge Menschen als je zuvor"

outdoors photoshoot with the recycled bags from the Berlaymonts banner for social media team

Am 4. Oktober 2022 legte die Europäische Kommission den "Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU" (Englisch: "Youth Action Plan in EU external action") im Zeitraum 2022-2027 vor. Der Aktionsplan ist der erste politische Rahmen für eine strategische Partnerschaft mit jungen Menschen weltweit für eine resilientere, inklusivere und nachhaltigere Zukunft. Er soll die internationale Dimension der EU-Jugendstrategie stärken, baut auf der EU-Kinderrechtsstrategie auf und soll eine echte Teilhabe und Handlungsfähigkeit junger Menschen im Rahmen des auswärtigen Handelns der EU fördern. Weiters ist der Jugendaktionsplan Teil der Bemühungen der europäischen Institutionen im Rahmen des Europäischen Jahres der Jugend 2022 sowie von dessen internationaler Dimension und soll dabei die wichtige Rolle junger Menschen bei der Gestaltung einer besseren Zukunft verdeutlichen.

Josep Borrell: "Junge Menschen tragen die Hauptlast von Krisen und Instabilität"

Der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell‚ erklärte dazu: "Es gibt auf der Erde mehr junge Menschen als je zuvor. Leider leben rund 600 Millionen junge Menschen in Konflikten oder fragilen Situationen und etwa 264 Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule. Die vergangenen Jahre haben auch gezeigt, dass junge Menschen die Hauptlast von Krisen und Instabilität tragen, die durch bewaffnete Konflikte, zunehmende Ungleichheiten und globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die Umweltzerstörung oder die Covid-19-Pandemie verursacht werden." Daher liege es in der Verantwortung der EU, dafür zu sorgen, dass junge Menschen über die erforderlichen Chancen und Hilfsmittel verfügen, um sich voll entfalten und am Alltagsleben aktiv teilnehmen zu können, so Borrell, der weiter betonte: "Sie sind die Erwachsenen von morgen und wir müssen in ihre Gegenwart und Zukunft investieren."

Die für das Ressort "Demokratie und Demografie" zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Dubravka Šuica, ergänzte: "Die Welt befindet sich in einem demografischen Wandel. Der Jugendaktionsplan wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Solidarität und Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu erreichen. Wir müssen die Rolle von Kindern und Jugendlichen weltweit stärken, dafür sorgen, dass ihnen konkrete Möglichkeiten offenstehen, und die wirksame Teilhabe von jungen Menschen einschließlich Kindern als Recht fördern, um sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Gesellschaften aufzubauen, die mehr Demokratie, Gleichberechtigung und Frieden bieten, und das auch für künftige Generationen."

Die 3 Säulen des Aktionsplans: Beteiligung, Befähigung, Begegnung

Der Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU beruht auf 3 Säulen:

  1. Partnerschaft für die Beteiligung (Englisch: "Partnership to engage": Mehr Mitsprache junger Menschen bei Politikgestaltung und Entscheidungsfindung:

    Dazu zählen die Stärkung der Mitsprache und Führungsrolle junger Menschen, insbesondere von jungen Frauen und Mädchen, Jugendaktivistinnen und -aktivisten sowie von Jugendorganisationen, weltweit auf allen Regierungs- und Verwaltungsebenen, von der Innenpolitik bis hin zu multilateralen Foren und im Rahmen der Politikgestaltung der EU.
  2. Partnerschaft für die Befähigung (Englisch: "Partnership to empower"): Bekämpfung von Ungleichheiten und Ausstattung der jungen Menschen mit den erforderlichen Kompetenzen und Hilfsmitteln für ihre Entfaltung:

    Dies betrifft unter anderem die Stärkung der Bildungssysteme weltweit, nicht zuletzt durch Investitionen im Rahmen von "Global Gateway", einen verbesserten Zugang junger Menschen zu wirtschaftlichen Chancen, eine nachhaltige Entwicklung und den ökologischen und den digitalen Wandel weltweit. Gleichzeitig möchte die EU die Gesundheit, das geistige und körperliche Wohlergehen und die Gewährleistung sexueller und reproduktiver Gesundheit und der damit verbundenen Rechte für junge Menschen, vor allem in Konfliktsituationen, fördern.
  3. Partnerschaft für die Begegnung (Englisch: "Partnership to connect"): Schaffung von Möglichkeiten für junge Menschen zur Netzwerkbildung und zum weltweiten Austausch:

    Hierunter fällt unter anderem die Stärkung von Mobilitäts-, Austausch- und Vernetzungsmaßnahmen für junge Menschen als wesentlichen Aspekt der zwischenmenschlichen Dimension der "Global Gateway"-Strategie.

Neue Initiativen für junge Menschen in der ganzen Welt

Der Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU soll zusätzlich neue wichtige Initiativen für junge Menschen in aller Welt verstärken. Dazu zählen untern anderem:

  • Die Initiative "Jugend und Frauen in der Demokratie" (mit einer Mittelausstattung von über 40 Millionen Euro), mit der die Mitsprache und Führungsrolle junger Menschen, Jugendaktivistinnen und -aktivisten sowie von Jugendorganisationen weltweit gefördert werden sollen, indem ihre Rechte, Handlungsfähigkeit und Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben gestärkt werden.
  • Das neue Pilotprojekt "Youth Empowerment Fund" (mit einer Mittelausstattung von über 10 Millionen Euro), mit dem von jungen Menschen angeführte Initiativen in Partnerländern gezielt finanziell gefördert werden sollen, wobei der Schwerpunkt auf die lokale Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung – insbesondere in den Bereichen Umwelt, Klimawandel und Inklusion vulnerabler und marginalisierter Jugendlicher – gelegt wird.
  • Über die "Jugendakademie Afrika-Europa" sollen Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro für formale und nichtformale Lernmöglichkeiten und Austauschprogramme bereitgestellt werden, welche jungen Menschen zugutekommen sollen, die ihre Führungskompetenzen verbessern und Netzwerke mit "Akteurinnen und Akteuren des Wandels" in Afrika knüpfen möchten.

Hintergrund: Der "Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU"

Der "Jugendaktionsplan für das auswärtige Handeln der EU" (Englisch: "Youth Action Plan in EU external action") im Zeitraum 2022-2027 wurde nach umfassenden Konsultationen mit über 220 Interessenträgerinnen und -trägern aus aller Welt, insbesondere Kinderrechts- und Jugendorganisationen, ausgearbeitet. Er beruht unter anderem auf den Ergebnissen der Konferenz zur Zukunft Europas und spiegelt die Forderung junger Menschen, systematischer in die Politikgestaltung und Beschlussfassung der EU eingebunden zu werden, wider. Dabei stützt er sich auf den EU-Aktionsplan für Menschenrechte und Demokratie, in dem die Notwendigkeit einer gleichberechtigten, umfassenden und echten Teilhabe junger Menschen am öffentlichen und politischen Leben hervorgehoben wird, sowie auf die Europäische Säule sozialer Rechte. Schließlich soll damit der EU-Aktionsplan für die Gleichstellung (GAP) III umgesetzt werden, in dem der Schwerpunkt auf die Stärkung der Rolle von Mädchen und jungen Frauen gelegt wird. Der Jugendaktionsplan soll außerdem zur Umsetzung der "UN-Agenda für Jugend, Frieden und Sicherheit" beitragen und die Rolle junger Menschen bei der Schaffung eines dauerhaften Friedens, der Förderung von Gerechtigkeit und Aussöhnung sowie der Bekämpfung von Gewaltextremismus stärken.

Weitere Informationen