HERA: Neue EU-Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen

Ziel ist die Unterstützung gezielter medizinischer Gegenmaßnahmen vor und während einer Notlage – Gemeinsames Ressourcen- und Einsatzkontrollzentrum soll Gesundheitssicherheit während Krisen besser koordinieren – Zusammenarbeit mit globalen Partnern wird gestärkt

Forscherin mit Impfampulle

Die Europäische Kommission hat am 16. September 2021 eine neue EU-Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen, kurz HERA (Englisch: "Health Emergency Preparedness and Response Authority"), vorgestellt. Die Behörde ist ein zentrales Element der EU-Gesundheitsunion, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihrer Rede zur Lage der Union (SOTEU) angekündigt hat, und soll die Lücke bei der Krisenvorsorge und -reaktion schließen. Mit HERA soll in Zukunft schneller und gezielter auf potenzielle Notlagen im Gesundheitsbereich durch Informationsgewinnung und den Aufbau erforderlicher Reaktionskapazitäten reagiert werden. Vor allem eine rasche Entwicklung, Herstellung und Verteilung von Arzneimitteln, Impfstoffen und anderen medizinischen Maßnahmen soll bei Eintreten einer Notlage sichergestellt werden. Dabei agiert die HERA als ein gemeinsames Ressourcen- und Einsatzkontrollzentrum für die EU-Mitgliedstaaten und die EU-Organe, mit dem die EU durch eine engere Zusammenarbeit besser auf künftige Pandemien und grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren vorbereitet sein möchte.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: "HERA ist zentrales Element unserer Krisenvorsorge"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte dazu: "HERA ist ein weiterer Baustein einer stärkeren Gesundheitsunion und ein zentrales Element unserer Krisenvorsorge. Mit HERA werden wir sicherstellen, dass wir die medizinische Ausrüstung haben, die wir brauchen, um unsere Bürgerinnen und Bürger vor künftigen Gesundheitsgefahren zu schützen. HERA wird außerdem in der Lage sein, schnelle Entscheidungen zur Sicherung der Versorgung zu treffen. Das hatte ich 2020 versprochen, und dieses Versprechen lösen wir nun ein."

Der Vizepräsident und für die Förderung unserer europäischen Lebensweise zuständige Kommissar, Margaritis Schinas, ergänzte: "HERA hat einen klaren Auftrag: die Verfügbarkeit, den Zugang und die Verteilung von medizinischen Gegenmaßnahmen in der Union sicherzustellen. HERA ist die Antwort der EU auf die Frage, wie künftige Notlagen antizipiert und bewältigt werden können. Sie wird das Gewicht und die finanziellen Mittel haben, um mit der Industrie, medizinischen Fachkräften, Forscherinnen und Forschern sowie unseren globalen Partnern zusammenzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass notwendige Ausrüstungen, Arzneimittel und Impfstoffe im Notfall rasch zur Verfügung stehen. Heute wissen wir: Zusammenarbeit ist der einzige Weg, um die Covid-19-Pandemie und künftige Krisen im Gesundheitsbereich zu bekämpfen."

Wie arbeitet HERA?

HERA unterteilt ihre Zuständigkeiten in 2 Arbeitsphasen, nämlich die Vorsorge- und die Notstandsphase:

  1. Vorsorgephase: In der Vorsorgephase, also vor dem Eintreten einer gesundheitlichen Notlage, umfassen die Maßnahmen der Behörde eine gemeinsame Erkenntnisgewinnung und Bewertung von potentiellen Gefahren mit den EU-Mitgliedstaaten. Dazu zählen die Förderung von Forschung und Innovation mit Blick auf die Entwicklung wirksamer, sicherer und erschwinglicher Gegenmaßnahmen, die Ermittlung von kritischen Produktionsstandorten, um die Produktion in Notlagen zu steigern und sicherzustellen, sowie die Bereitstellung medizinischer Gegenmaßnahmen durch eine verstärkte Bevorratung und Beschaffung durch die EU-Mitgliedstaaten.
  2. Notstandsphase: Die Notstandsphase – sobald eine gesundheitliche Notlage eingetreten ist – umfasst das Monitoring medizinischer Gegenmaßnahmen, die Tätigkeit von HERA als zentrale Beschaffungsstelle sowie die Aktivierung von Sofortmaßnahmen für Forschung und EU-FAB-Produktionskapazitäten (EU-FAB ist ein europaweites Netz von Produktionskapazitäten für Impfstoffe und Arzneimittel) zur Herstellung von Impfstoffen. Im Falle einer Notlage im Bereich der öffentlichen Gesundheit kann der Rat unverzüglich die Notstandsphase aktivieren, wenn dies der Wirtschaftslage angemessen ist.

 HERA fördert zudem die Zusammenarbeit mit globalen Partnern. Dabei stehen unter anderem der Ausbau von weltweiten Produktionskapazitäten und die Bekämpfung von internationalen Lieferengpässen im Mittelpunkt. Des Weiteren sollen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen beim Aufbau von Fachwissen und bei der Entwicklung von Produktions- und Vertriebskapazitäten unterstützt werden.

Finanziert wird die EU-Behörde mit 6 Milliarden Euro aus dem mehrjährigen Finanzrahmen der EU und dem Wiederaufbauprogramm "Next Generation EU"; zusätzliche 24 Milliarden Euro stammen aus anderen EU-Programmen. Damit stehen bis zu 30 Milliarden für die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme und Vorsorge zu Verfügung.

Nächste Schritte: Volle Funktionsfähigkeit bis Jahresbeginn 2022

Anfang 2022 soll HERA ihre volle Funktionsfähigkeit erreicht haben. Bis 2025 wird die Funktionsweise der Behörde jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Hintergrund: Entwicklung von HERA

In Folge der Covid-19-Pandemie haben im Oktober 2020 eine Gruppe leitender wissenschaftlicher Beraterinnen und Berater der EU-Kommission, die Europäische Gruppe für Ethik und Naturwissenschaften und Neuen Technologien (EGE) und der Sonderberater von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen empfohlen, gezielte Gegenmaßnahmen sowie Forschung und Entwicklung während einer Pandemie zu koordinieren. Im Februar 2021 hat die Kommission den HERA-Inkubator zur Erkennung neuer Virusvarianten und angepassten Impfstoffentwicklung eingeführt sowie Zulassungsverfahren für angepasste Covid-19-Impstoffe beschleunigt, neue Forschungsprojekte finanziert und enger mit der Industrie zusammengearbeitet, um die Produktion von Impfstoffen zu steigern. Mit der neuen EU-Behörde HERA möchte die EU-Kommission die künftige Gesundheitssicherheit in der EU vor und während Krisen besser koordinieren und die globale Krisenreaktionsarchitektur im Gesundheitswesen stärken.

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