Pröll in Tallinn: Österreich und Estland vereinbaren Kooperation für einfachere digitale Behördenwege
Tallinn Digital Summit – Schwerpunkte bei Once-Only, grenzüberschreitendem Datenaustausch und digitaler Souveränität – Moderne Verwaltung als Fundament für den Einsatz von KI
Österreich und Estland vertiefen ihre Zusammenarbeit beim sicheren Datenaustausch und bei digitalen Verwaltungsservices. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll hat dazu heute, Freitag, im Rahmen des Tallinn Digital Summit 2026 gemeinsam mit der estnischen Ministerin für Justiz und Digitales, Liisa-Ly Pakosta, ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Die Zusammenarbeit soll Mehrfachmeldungen reduzieren, grenzüberschreitende Behördenwege vereinfachen und europäische digitale Lösungen für Unternehmen voranbringen. Für Pröll ist die Kooperation ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer Verwaltung, die künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll einsetzen kann.
"Österreich steht an einem Kipppunkt. Künstliche Intelligenz wird mitentscheiden, wie leistungsfähig unser Staat und unsere Wirtschaft in Zukunft sind. Aber KI ist nur so gut wie die Daten und Systeme, auf denen sie aufbaut. Eine moderne, vernetzte digitale Verwaltung ist deshalb kein Nebenthema, sondern das Fundament. Estland zeigt seit mehr als 20 Jahren, wie das geht. Wir wollen von den Besten lernen, um selbst an die Spitze zu kommen."
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll.
Einmal melden statt mehrfach nachweisen
Ein Schwerpunkt ist das Once-Only-Prinzip: Daten, die Behörden bereits rechtmäßig vorliegen, sollen – bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen – für weitere Verwaltungsverfahren genutzt werden können. Im Mittelpunkt des Austauschs stehen der österreichische Digital Austria Data Exchange (dadeX) und die estnische Datenaustauschlösung X-tee auf Basis der X-Road-Technologie. Beide ermöglichen den sicheren Informationsaustausch zwischen Verwaltungssystemen. Österreich baut dadeX derzeit zur zentralen Dateninfrastruktur der Verwaltung aus: Register wie Firmenbuch, Grundbuch und Zentrales Melderegister sollen bis Ende 2029 schrittweise angebunden werden.
"Unser Grundsatz ist einfach: Die Daten sollen laufen, nicht die Bürgerinnen und Bürger. Was der Staat einmal weiß, soll er nicht ein zweites Mal verlangen. Diesen Weg gehen wir in Österreich mit dadeX konsequent, und mit Estland machen wir ihn europäisch."
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll.
Digitale Souveränität durch vernetzte europäische Lösungen
Beide Länder setzen beim Datenaustausch auf eigene, staatlich kontrollierte Infrastruktur statt auf Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern. Österreich hat im November 2025 die Europäische Erklärung zur digitalen Souveränität initiiert, die von allen 27 EU-Mitgliedstaaten unterstützt wird. Die Kooperation mit Estland setzt diesen Weg praktisch um.
"Europäische digitale Souveränität entsteht nicht durch nationale Insellösungen, sondern durch sichere, vernetzte Systeme. Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen ihre Daten nicht immer wieder bekanntgeben müssen, nur weil eine andere Behörde zuständig ist. Mit Estland zeigen wir, wie Zusammenarbeit echte Verwaltungsvereinfachung ermöglicht."
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll.
Grenzüberschreitende Verwaltungsservices und Unternehmens-Wallets
Die Absichtserklärung umfasst zudem die Zusammenarbeit beim grenzüberschreitenden Austausch von Nachweisen im Rahmen der EU-Verordnung über das einheitliche digitale Zugangstor (Single Digital Gateway). Ein weiterer Schwerpunkt sind die geplanten europäischen Unternehmens-Wallets. Sie sollen es Betrieben künftig erleichtern, ihre Identität und Vertretungsbefugnisse digital nachzuweisen sowie Dokumente sicher über Landesgrenzen hinweg auszutauschen. Die EU-Kommission rechnet für Unternehmen mit Einsparungen von mindestens 150 Milliarden Euro pro Jahr.
Gemeinsam voneinander lernen, um an der Spitze zu bleiben
Estland nimmt im E-Government seit Langem eine Vorreiterrolle in Europa ein. Österreich liegt im aktuellen eGovernment Benchmark der EU auf Platz 6 und bei der mobilen Nutzbarkeit digitaler Verwaltungsservices auf Platz 1. Erklärtes Ziel ist ein Platz unter den Top 3. Darüber hinaus wollen beide Länder Kooperationen bei GovTech, Cybersicherheit, neuen Technologien, industrieller Digitalisierung und intelligenter Mobilität prüfen. Auch der Austausch zwischen Unternehmen – etwa über Branchenverbände, B2B-Formate und gemeinsame Pilotprojekte – soll gestärkt werden.
Vorbereitung auf die KI-Rede am 19. November
Der Tallinn Digital Summit steht heuer unter dem Motto "How to Thrive in the Agentic Era?". Pröll diskutiert dort am Panel "Case Studies from GovTech AI in Action" über den praktischen Einsatz von KI in der Verwaltung. Die Erfahrungen aus Tallinn fließen in seine Grundsatzrede zur künstlichen Intelligenz am 19. November ein. Darin skizziert der Staatssekretär, wie Österreich den Kipppunkt bei KI gestalten will. Bis Mitte 2027 soll zudem eine neue KI-Strategie vorliegen.
Bilder aus Tallinn sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.