Zivildienstministerin Bauer: "Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen"

Rekord bei Zivildiensterklärungen – Reform soll Zivildienst stärken: bessere Ausbildung, mehr Flexibilität und Krisenfestigkeit

"Der Zivildienst ist eine tragende Säule unseres Sozial- und Gesundheitssystems. Ob im Rettungswagen, im Pflegeheim oder im Sozialbereich: Unsere Zivildiener sind da, wenn andere sie brauchen. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie groß das Interesse am Zivildienst ist", sagte Bundesministerin Claudia Bauer bei der Pressekonferenz zur Präsentation der aktuellen Zivildienstzahlen für das 3. Quartal 2026 im Bundeskanzleramt.

Mit Stichtag 1. Oktober waren österreichweit 10.760 Zivildiener im Einsatz. "Allein in den ersten 9 Monaten dieses Jahres haben 10.051 junge Männer erstmals ihren Zivildienst angetreten. Rund 1.500 Einrichtungen mit über 3.000 Einsatzstellen in ganz Österreich setzen auf die Unterstützung unserer Zivildiener", informierte die Zivildienstministerin. Der gemeldete Bedarf sei mit 11.406 Plätzen annähernd auf dem Niveau des Vorjahres gelegen. "88,1 Prozent dieses Bedarfs konnten gedeckt werden. Das ist knapp ein Prozentpunkt mehr als im selben Zeitraum des letzten Jahres", erläuterte Bauer. Bis Jahresende werde mit einer landesweiten Bedarfsdeckung von über 90 Prozent gerechnet.

"Noch nie haben sich so viele junge Männer für den Zivildienst entschieden"

Bauer verwies auf den aktuellen Anstieg bei den Zivildiensterklärungen: "Alleine im August haben sich um knapp 52 Prozent mehr junge Männer für den Zivildienst entschieden als im August des Vorjahres." Seit Jahresbeginn seien insgesamt 12.901 Erklärungen abgegeben worden, das sind um 6 Prozent mehr als letztes Jahr im selben Zeitraum. "Noch nie haben sich in den ersten 9 Monaten eines Jahres so viele für den Zivildienst entschieden wie heuer", betonte die Ministerin.

"Das größte Einsatzgebiet ist und bleibt das Rettungswesen, wo 4 von 10 Zivildienern eingesetzt werden", so Claudia Bauer. An zweiter Stelle liege der Einsatz in der Sozial- und Behindertenhilfe, gefolgt von der Altenbetreuung und den Krankenanstalten.

"Ob im Rettungswagen, im Pflegeheim oder im Sozialbereich: Zivildiener sind österreichweit da, wenn andere sie brauchen."
Zivildienstministerin Claudia Bauer

Mit Reform den Zivildienst für die Zukunft aufstellen

Auch wenn sich aus den aktuellen Zahlen ein großes Interesse am Zivildienst ablesen lasse, so ergebe sich aufgrund der demografischen Entwicklung und des steigenden Bedarfs eine zunehmende Lücke: "Wir wissen schon heute, dass ab 2040 jährlich rund 4.000 Zivildiener fehlen werden, wenn wir nichts ändern", betonte die Ministerin. Daher habe sich die Regierung nach intensiven Verhandlungen auf ein Gesetzespaket geeinigt, um sowohl den Wehrdienst als auch den Zivildienst zu reformieren und "fit für die Zukunft" zu machen. Die "Reform der beiden Dienste für Österreich" wurde diese Woche in Begutachtung geschickt.

"Für mich war dabei immer klar: Eine Reform darf nicht einfach nur Monate dranhängen. Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen. Deshalb stärken wir die Ausbildung, schaffen mehr Flexibilität und machen den Zivildienst krisenfester."
Zivildienstministerin Claudia Bauer

Das Reformpaket sieht vor, dass man den Zivildienst ab dem nächsten Jahr freiwillig von 9 auf 11 Monate verlängern kann. "Sobald der vereinbarte Verlängerungsmechanismus greift, wird der Zivildienst verpflichtend und dauerhaft für alle auf 11 Monate verlängert", erläuterte Bauer. Dann gebe es 3 Varianten für die Ableistung des Dienstes zur Auswahl: Erstens 11 Monate am Stück oder zweitens 9 Monate und die zusätzlichen 2 Monate zu einem späteren Zeitpunkt in derselben Einrichtung. Drittens soll es zudem möglich sein, nach den 9 Monaten Zivildienst anschließend 400 Stunden ehrenamtliche Ersatzleistung innerhalb von 5 Jahren zu erbringen.

Fähigkeiten erhalten, Ausbildung und Flexibilität stärken

"Gerade die dritte Variante möchte ich hervorheben: Bereits heute bleibt rund jeder dritte Zivildiener danach beruflich oder ehrenamtlich in diesem Bereich tätig. Das wollen wir weiter unterstützen", betonte die Ministerin. Wer nach 9 Monaten weiter ehrenamtlich in seiner Einrichtung mithelfe, könne sich diese Tätigkeit auf die restliche Zivildienstzeit anrechnen lassen. "Aus 2 zusätzlichen Monaten können so 5 Jahre Ehrenamt werden." Gleichzeit würden dadurch die Fähigkeiten, die jemand im Zivildienst erworben hat, erhalten bleiben "und zwar genau dort, wo sie gebraucht werden".

"Wir stärken mit der Verlängerung auch die Ausbildung im Zivildienst. Künftig erhält jeder Zivildiener eine Ausbildung, die auf seinen Einsatzbereich abgestimmt ist. Damit nehmen die Zivildiener künftig nicht nur Lebenserfahrung mit, sondern auch konkrete, nachweisbare Qualifikationen."
Zivildienstministerin Claudia Bauer

Auch der außerordentliche Zivildienst werde neu aufgestellt, so Bauer weiter. Dies betreffe etwa Einsätze bei Katastrophen wie zum Beispiel Hochwasser. Bisher sei hier der organisatorische Aufwand groß gewesen und die Mobilisierung habe zu lange gedauert. "Das wollen wir ändern. Künftig sollen zusätzliche Helfer innerhalb von 2 Werktagen einsatzbereit sein. Deshalb bereiten wir die Zivildiener schon während ihres regulären Dienstes auf solche Einsätze vor." Bis zu 2 Jahre nach ihrem Dienst könnten sie im Ernstfall für maximal 2 Monate wieder eingesetzt werden. Zudem soll es jedes Jahr eine gemeinsame Großübung von aktiven Zivildienern gemeinsam mit dem Bundesheer, den Blaulichtorganisationen und dem Zivilschutz geben.

Klare Grenzen bei anrechenbaren Freiwilligendiensten

Bei den anrechenbaren Freiwilligendiensten habe es in den vergangenen Jahren einen "Wildwuchs" gegeben: "Vor 10 Jahren gab es gerade einmal 42 Anerkennungen als Ersatz für den Zivildienst. Im vergangenen Jahr waren es bereits 663", informierte Bauer. Daher sollen jetzt "klare Grenzen" gezogen werden: "Künftig können maximal 1 Prozent der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs einen Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst anrechnen lassen. Gleichzeitig schaffen wir klare Regeln, etwa bei den Wochenstunden. Wer einen Freiwilligendienst anstatt des Zivildienstes leistet, soll auch einen vergleichbaren Stundenumfang absolvieren", erläuterte die Ministerin. Künftig sollen Kontingente für die Freiwilligendienste festgelegt werden. Die einzige Ausnahme sei dabei der Gedenkdienst im Ausland: "Aufgrund seiner besonderen historischen Bedeutung gilt für ihn keine Kontingentierung."

Verschärft werden sollen im Zivildienstbereich auch die Strafen, um eine Angleichung an den Wehrdienst herzustellen. "Wer seinen Zivildienst nicht antritt oder länger unerlaubt fernbleibt, muss künftig mit deutlich höheren Strafen rechnen", so die Zivildienstministerin. Schließlich soll auch das Sonderwaffenverbot für Zivildiener verschärft werden, indem es künftig 20 statt 15 Jahre gelten soll und auf Schusswaffen der Kategorie C ausgeweitet wird. Dagegen soll es für den Alltag mehr Flexibilität für die Zivildiener geben, indem sie künftig ihre freien Tage auch halbtags in Anspruch nehmen können.

"Die aktuellen Zahlen zeigen, wie wichtig der Zivildienst für Österreich ist. Gleichzeitig wissen wir, dass uns die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellt. Deshalb müssen wir den Zivildienst jetzt für die Zukunft aufstellen", betonte Bundesministerin Bauer abschließend.

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.