Integrationsministerin Bauer: Lehrkräfte benötigen Unterstützung und Rückendeckung

Round-Table-Gespräch zu den Themen Ehrkultur und bessere Integration an Österreichs Schulen

"Diskussionen über Werte, Religion und auch über Geschlechterrollen sind nicht nur aktuelle, gesellschaftspolitische Debatten, sondern diese finden auch inmitten unserer Klassenzimmer in Österreich statt", sagte Integrationsministerin Claudia Bauer nach einem Austausch mit Pädagoginnen und Pädagogen sowie Direktorinnen und Direktoren im Bundeskanzleramt. Es habe sich im Gespräch am Runden Tisch gezeigt, dass Lehrkräfte sich oft nicht mehr auf das Wesentliche, nämlich das Unterrichten, konzentrieren könnten, so die Ministerin beim Doorstep nach dem Round Table. Stattdessen müssten fehlende Sprachkenntnisse oder kulturelle Alltagskonflikte ausgeglichen werden.

"Daher möchte ich so kurz vor dem Schulstart auch ausdrücklich Dankeschön sagen an die vielen Lehrkräfte in Österreich, die diese Probleme im Schulalltag bestmöglich zu bewältigen versuchen, um damit die Chancen der Kinder zu wahren. Wir dürfen aber die Lehrerinnen und Lehrer mit dieser Verantwortung nicht alleine lassen."
Integrationsministerin Claudia Bauer

Lehrkräfte würden klare Handlungsmöglichkeiten und Rückendeckung benötigen, "wenn es um kulturellen Druck, problematische Geschlechterbilder oder religiös begründete Konflikte geht", so die Bundesministerin weiter. Pädagoginnen und Pädagogen sollen sich auf die Wissensvermittlung und die Begleitung der Kinder auf ihrem Bildungsweg konzentrieren können, "und sie sollen keinesfalls zu Polizisten im Klassenzimmer werden".

Unterstützung für Lehrkräfte durch neue Workshops und Seminare

Daher werde der Österreichische Integrationsfonds gemeinsam mit Integrationsexpertin Emina Saric, weiteren Expertinnen und Experten sowie mit Lehrkräften aus der Praxis beauftragt, eigene Workshops und Seminare zu entwickeln, die sich diesen Themen widmen. Die Weitbildung soll sowohl online als auch als Präsenzveranstaltung angeboten werden, um alle Regionen Österreichs gut zu erreichen. "Es soll darum gehen, wie problematische Entwicklungen erkannt und angesprochen werden können, wo Lehrkräfte und Schulleitungen Unterstützung bekommen und was ihre Aufgabe dabei ist", erläuterte Bauer.

"Die heutige Diskussion hat aber für mich auch ganz klar gezeigt, dass wir früher beginnen müssen, unser Verständnis eines erfolgreichen, demokratischen und gleichberechtigten Zusammenlebens in Österreich und Europa zu thematisieren. Wir dürfen nicht erst dann über Werte und Regeln sprechen, wenn es zu spät ist und bereits Konflikte entstanden sind. Kinder müssen von Anfang an lernen, was unser Zusammenleben ausmacht."
Integrationsministerin Claudia Bauer

Freiheit bedeute immer auch, die Freiheit des anderen zu respektieren. "Und unsere gemeinsamen Regeln gelten für alle", so Bauer weiter. Diese Inhalte seien ein zentraler Baustein für die Wertevermittlung. Die Orientierungsklassen würden dafür einen "guten und wichtigen Rahmen" bieten.

Rückendeckung für Lehrkräfte und Schulleitungen beim Kopftuchverbot

"Beim Kopftuchverbot für Kinder ist für mich klar, dass die Schulleitungen genauso wie die Lehrkräfte auch eine gesicherte Rückendeckung der Bildungsdirektionen brauchen", sagte Bauer. Schulleitungen sollten sich sicher sein können, dass die Fälle, die sie melden, auch "konsequent abgearbeitet und Strafen auch tatsächlich verhängt werden". Die Integrations- und Jugendministerin betonte abschließend, dass sie aus dem heutigen, praktischen Austausch viele wichtige Anregungen für die kommende politische Arbeit mitnehme und in ihrem Zuständigkeitsbereich als Ministerin das "bestmögliche" für eine Verbesserung der Situation an den Schulen unternehmen werde.

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.