Integrationsministerin Bauer: "Wir brauchen dringend stärkere Verbindlichkeit durch das Integrationspflichtengesetz"
Präsentation des Statistischen Jahrbuchs zu "Migration und Integration 2026"
"Wenn wir über das Thema Integration in Österreich reden, dann geht es am Ende um eine ganz einfache Frage: Wie sehr gelingt das Zusammenleben bei uns? Das ist nicht nur eine Frage für das Heute, sondern auch ein entscheidender Faktor dafür, wie in Zukunft das Zusammenleben in Österreich aussieht und funktioniert", sagte Integrationsministerin Claudia Bauer einleitend bei der Präsentation des "Statistischen Jahrbuchs – Migration und Integration 2026" im Bundeskanzleramt. Gemeinsam mit Stephan Marik-Lebeck, Bereichsleiter Demographie und Gesundheit der Statistik Austria, ging die Bundesministerin auf zentrale Ergebnisse der jüngsten Erhebung ein.
Die Zahlen und Fakten des Jahrbuchs seien eine zentrale Grundlage für die Einschätzung des Status quo und um daraus abzuleiten, was es für eine gelingende Integration noch braucht, so Bauer.
Migration spielt entscheidende Rolle für Bevölkerungsentwicklung Österreichs
Marik-Lebeck hob in seiner Präsentation hervor, dass Migration eine entscheidende Rolle in der Bevölkerungsentwicklung Österreichs spiele. Der Einfluss der Migration spiegle sich auch in der Zusammensetzung der Bevölkerung wider: Im Jahr 2025 wiesen 28 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund auf, im Jahr 2010 waren es nur 18 Prozent.
Betrachte man die Herkunftsländer der Zugewanderten, so seien im Jahr 2026 die größte Gruppe deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, gefolgt von Rumäninnen und Rumänen. Auf Platz 3 und 4 der Herkunftsstaaten folgen die Türkei und Serbien, danach Ungarn und Syrien. Die Bedeutung der Migration aus anderen EU-Staaten zeige sich auch bei den Qualifikationen, die Zugezogene mitbringen. "Hier gibt es nämlich eine klare Veränderung seit 2010 in der Richtung, dass der Anteil der Hochgebildeten stärker zunimmt", so Marik-Lebeck. Gleichzeitig zeige sich aber auch, dass der Anteil der Personen mit nur einem Pflichtschulabschluss in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund wesentlich höher ist als in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Unterschiede zeigen sich auch in der Erwerbsquote von Frauen: Aber auch hier müsse man zwischen Zugewanderten aus EU-Staaten und solchen aus Drittländern differenzieren: "Die niedrigen Frauenerwerbsquoten sind vor allem bei letzterer Gruppe ausgeprägt, insbesondere bei Personen aus Fluchtstaaten", erläuterte der Bereichsleiter der Statistik Austria.
Deutschkenntnisse und Bildung wichtig für gelingende Integration
Integrationsministerin Bauer hob hervor, dass die "meisten Herausforderungen insbesondere in der Integration jener Menschen liegen, die ohne Deutschkenntnisse zu uns gekommen sind". Dies betreffe besonders häufig den Familiennachzug der letzten Jahre. Zudem sei ein großer Anteil dieser Menschen auch in der eigenen Muttersprache nicht alphabetisiert. "Insgesamt haben 2025 noch immer 4 von 10 asyl- oder subsidiär Schutzberechtigten einen Alphabetisierungsbedarf und davon circa die Hälfte, nämlich 46 Prozent, auch in der eigenen Muttersprache", so Bauer. Besonders betroffen seien davon Menschen aus Syrien, gefolgt von Afghaninnen und Afghanen sowie Zugewanderten aus Somalia. Gerade jene Gruppen würden häufig auch über mangelnde Bildungsabschlüsse verfügen.
"Hier gibt es nichts zu beschönigen, ganz im Gegenteil: Wir brauchen dringend die Verbindlichkeit, um beim Erlernen der gemeinsamen Sprache voranzukommen. Denn sie ist ein ganz wichtiges Fundament für eine gelingende Integration."
Integrationsministerin Claudia Bauer
Bessere Chancen für Frauen durch stärkere Verbindlichkeit
Wie wichtig diese stärkere Verbindlichkeit sei, das würden auch "ganz deutlich die Zahlen zur Erwerbstätigkeit von Frauen" zeigen, so Bauer. Bei Zugewanderten aus Afghanistan, Syrien und dem Irak sind gemäß Studie 65 Prozent der Männer erwerbstätig. Bei den Frauen aus diesen Ländern "sind es gerade einmal 29 Prozent und damit viel zu wenige".
"Deswegen sehe ich gerade in der stärkeren Verbindlichkeit im Integrationspflichtengesetz eine ganz große Chance, vor allem für Frauen. Denn Deutsch, Arbeit und Werte bedeuten für Frauen vor allem eines, nämlich mehr Selbstbestimmung. Wer Deutsch spricht, kann sich verständigen, kann sich informieren, kann sich Hilfe holen. Wer arbeitet, lernt Menschen kennen und lernt auch, die Sprache anzuwenden, sorgt für ein eigenes Einkommen und kann damit auf eigenen Beinen stehen."
Integrationsministerin Claudia Bauer
Wer seine Rechte in Österreich kenne, der wisse auch, dass Frauen in Österreich die gleichen Rechte und Freiheiten haben wie Männer. Gerade Frauen in abgeschotteten Strukturen würden von freiwilligen Angeboten viel zu selten erreicht. "Wenn Integration freiwillig bleibt, so lassen wir genau diese Frauen zurück. Und dieses Problem überträgt sich dann auch auf die nächste Generation", so die Ministerin weiter. "Deswegen sehe ich im Integrationspflichtengesetz die wichtigste frauenpolitische Maßnahme in der Integration. Wenn wir die Frauen erreichen, erreichen wir damit auch ihre Kinder."
Integration bedeutet, Teil unserer Gesellschaft zu werden
Die Integrationsministerin betonte auch die Bedeutung von Interaktion und Zusammenleben im Alltag: "Für mich ist hier das Gesamtbild entscheidend. Wir sehen, dass Integration dort viel besser funktioniert, wo Menschen einander begegnen, wo es Interaktion gibt, wo gemeinsam gearbeitet wird und man nach gemeinsamen Regeln zusammenlebt." Das Integrationsbarometer vom vergangenen Herbst habe gezeigt, dass 56 Prozent das Zusammenleben am Arbeitsplatz als sehr oder eher gut bewerten. "Das zeigt, dass Arbeit nicht nur Eigenständigkeit, sondern auch Begegnung und auch Zugehörigkeit schafft", so Bauer.
"Integration bedeutet, Teil unserer Gesellschaft zu werden, sei es in der Schule, in der Arbeit oder im alltäglichen Leben. Deswegen leite ich daraus auch ab, wie dringend die Umsetzung des Integrationspflichtengesetzes ist. Es braucht dieses Gesetz ab 1. Jänner 2027 gemeinsam mit der Sozialhilfe neu."
Integrationsministerin Claudia Bauer
Der Entwurf für das Integrationspflichtengesetz liege von ihrer Seite bereits vor und sie appelliere dafür, nun das Gesamtpaket der Sozialhilfereform rasch zu finalisieren. Bis Oktober müssten die beiden Materien vorliegen, um sie zeitgerecht mit Jahresbeginn in Kraft setzen zu können, erklärte Bauer. Sie verwies zudem auf die "knapp 13.000 unentschuldigten Kursabbrüche im Vorjahr", die eindeutig zeigen würden, wie dringend die Verbindlichkeit gestärkt werden müsse.
"Integration muss vom Angebot zur Verpflichtung werden. Wer bei uns leben will, wer bei uns eine Zukunft inmitten unserer Gesellschaft haben möchte, der muss eben auch Teil der Gesellschaft werden. Das ist gleichzeitig eine riesengroße Chance", so Integrationsministerin Bauer abschließend.
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