Bundesministerin Bauer: "Jedes Mädchen hat das Recht, frei und selbstbestimmt aufzuwachsen"
Ministerin präsentiert Praxishandbuch zur Stärkung von Mädchen – Schulen als wichtiger Anker gegen Zwang und Gewalt
Claudia Bauer, Bundesministerin für Europa, Integration und Familie, präsentierte gemeinsam mit Integrationsexpertin Emina Sarić, Sonia Koul, Leiterin des Frauenzentrums des Österreichischen Integrationsfonds, und dem Schuldirektor Mario Bugl-Havlis in der Wiener Mittelschule Josef-Enslein-Platz ein neues Praxishandbuch zur Stärkung von Mädchen. Im Mittelpunkt stehen darin Selbstbestimmung und Gleichberechtigung sowie konkrete Unterstützung für Mädchen, die von Zwang und Gewalt betroffen oder bedroht sind. Rund 800.000 Mädchen leben in Österreich, etwa ein Drittel davon hat Migrationshintergrund. "Jedes dieser Mädchen hat das Recht, in Österreich frei und selbstbestimmt aufzuwachsen", betonte Bauer.
Mädchen stärken und Selbstbestimmung ermöglichen
"Jedes Mädchen soll in Österreich selbst bestimmen können, was es einmal werden will, ob und wen es heiraten möchte und was es anzieht", erklärte die Ministerin. Gleichzeitig müsse jedes Mädchen die Sicherheit haben, ohne Gewalt und Zwang aufzuwachsen. In manchen Communitys sei man davon jedoch weit entfernt. Mädchen würden zu vermeintlich "ehrbarem Verhalten" gezwungen und seien teilweise körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt. Neben konsequenten strafrechtlichen Maßnahmen gegen Täter sei es deshalb entscheidend, betroffene Mädchen zu stärken und ihnen das Selbstvertrauen zu geben, "dass sie ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben".
"Mädchen müssen wissen, dass ihre Familien nicht das Recht haben, ihnen ein Leben und eine Rolle aufzuzwingen und dass in Österreich das Recht über der Religion steht und damit bestimmt, was Recht und was Unrecht ist."
Bundesministerin Claudia Bauer
Eine besondere Rolle komme dabei den Schulen zu. Wenn Zwang von der eigenen Familie ausgehe, bräuchten Mädchen einen "Anker außerhalb ihrer Communities", an dem sie sich orientieren und festhalten könnten. Diese Anker seien oftmals Pädagoginnen und Pädagogen, die Schulsozialarbeit, Schulärztinnen und Schulärzte, Eltern von Freundinnen oder auch Klassenkolleginnen und Klassenkollegen. Bauer dankte all jenen, die Mädchen, die von dieser Form der Gewalt betroffen seien, auffangen und unterstützen.
Konkrete Unterstützung für Schulen sowie Pädagoginnen und Pädagogen
Das nun vorgestellte Praxishandbuch sei ein weiterer Baustein des Maßnahmenpakets rund um das Kopftuchverbot für unter 14-jährige Mädchen. Mit konkreten Übungen, Gesprächshilfen und Workshopideen soll es dabei helfen, Mädchen zu stärken und sie auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Insgesamt fließen laut der Integrationsministerin 4,3 Millionen Euro in Projekte für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung sowie weitere rund 4 Millionen Euro in Bildungsprojekte, die ebenfalls zum Empowerment beitragen. Gemeinsam entspreche dies rund 2 Drittel des nationalen Fördervolumens.
"Uns ist wichtig, dass Mädchen lernen, ein eigenes Bild von sich zu entwickeln und die Kraft und das Selbstbewusstsein bekommen, hier in Österreich ein eigenständiges Leben zu führen."
Bundesministerin Claudia Bauer
Das Ziel sei klar: "800.000 Mädchen leben in Österreich. Ich will, dass diese Mädchen frei und selbstbestimmt aufwachsen können – egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund."
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