Bauer: Zivildienst ist die tragende Säule des Gesundheits- und Sozialwesens in Österreich

Präsentation der Zivildienstzahlen in der Blutspendezentrale in Wien

"Der Zivildienst ist die tragende Säule des Gesundheits- und Sozialwesens bei uns in Österreich. Zudem ist der Zivildienst der beste Headhunter für den hauptberuflichen und auch ehrenamtlichen Bereich. Denn bis zu 70 Prozent der Zivildiener bleiben schon jetzt ehrenamtlich oder eben dann auch später hauptberuflich ihren Einrichtungen, ihren Zivildienstorganisationen erhalten", sagte Bundesministerin Claudia Bauer bei einer Pressekonferenz in der Rot-Kreuz-Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland im 4. Wiener Gemeindebezirk. Gemeinsam mit Peter Kaiser, dem stellvertretenden Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, präsentierte sie die neuesten Zahlen und aktuellen Entwicklungen im Zivildienst.

Stabile Bedarfszahlen – erhöhte Zivildiensterklärungen

Demnach waren mit Stichtag 1. Juli 7.935 junge Männer im Dienst, davon wurden 5.244 in der ersten Jahreshälfte 2026 zugewiesen. Der gemeldete Bedarf lag in der ersten Jahreshälfte 2026 fast genau gleich hoch wie im vergangenen Jahr, die aktuelle Bedarfsdeckung liegt mit 87,4 Prozent allerdings etwas niedriger als im Vorjahr, berichtete Bauer, die jedoch damit rechnet, dass diese in der zweiten Jahreshälfte für das Jahr 2026 mit 89,7 Prozent ungefähr auf dem Vorjahresniveau sein wird. Damit sei man zahlenmäßig im Zivildienst sehr stabil unterwegs, auch was die Zahl der Zivildiensteinrichtungen mit knapp 1.500 und doppelt so vielen über Österreich verteilten Einsatzstellen betreffe. Weiter steigen würden die Zivildiensterklärungen, die sich um 8 Prozent oder 663 Erklärungen erhöht hätten. Angesichts der Debatte, die in den letzten Monaten über die Reform des Grundwehrdienstes und des Zivildienstes geführt wurde, betonte Bauer, dass beides benötigt werde:

"Wir brauchen einen starken Grundwehrdienst, wir brauchen genauso einen starken Zivildienst in Österreich. Wenn uns die helfenden Hände in der Pflege, in der Behindertenbetreuung, im Kindergarten, im Rettungswesen und in vielen, vielen Bereichen mehr ausgehen, dann haben wir ein riesiges gesellschaftliches, zusätzliches Problem in Österreich."
Bundesministerin Claudia Bauer

Laut Geburtenzahlen stünden die Stellungspflichtigen bereits fest und man könne davon ausgehen, dass 2040 jährlich 4.000 Zivildiener fehlen würden, wenn der Zivildienst nicht verlängert werde. "Der Zivildienst gehört nicht verlängert, damit mehr junge Männer zum Grundwehrdienst gehen. Der Zivildienst gehört verlängert, weil wir Zivildiener ganz einfach brauchen, weil sie die tragende Säule im Sozial- und Rettungswesen sind und weil sie genau in Einsatzbereichen tätig sind, wo wir schon jetzt Fachkräfte händeringend suchen und brauchen", hielt die für den Zivildienst zuständige Kanzleramtsministerin fest.

Wien und der Rettungsdienst am beliebtesten

Von der Aufteilung der Zivildiener her liege Wien mit 1.187 bzw. 22,6 Prozent aller Zuweisungen wieder an der Spitze der Statistik, gefolgt von Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark, wobei dazu zu sagen sei, dass einige Zivildiener aus den Bundesländern ihren Dienst auf eigenen Wunsch in Wien leisten.

Die höchste Bedarfsdeckung gebe es wie in den Vorjahren in den bevölkerungsstarken Bundesländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich mit über 90 Prozent, Steiermark und Vorarlberg lägen mit rund 87 Prozent im Mittelfeld, gefolgt von Burgenland, Salzburg und Tirol bei unter 80 Prozent, das Schlusslicht bilde Kärnten mit 66 Prozent Bedarfsdeckung. Das seien allesamt gute Werte für die erste Jahreshälfte, so Bauer.

Von den Bereichen her sei das größte und beliebteste Einsatzgebiet nach wie vor das Rettungswesen. Rund 41 Prozent der Zivildiener werden und wurden im ersten Halbjahr ganz konkret im Rettungswesen zugewiesen, 25 Prozent in der Sozial- und Behindertenhilfe, 13 Prozent bei der Altenbetreuung und rund 10 Prozent in Krankenanstalten. Ein weiteres beliebtes Einsatzfeld seien die Kindergärten, da die meisten Kindergärten aber erst mit September bzw. Oktober ihre Dienstantrittstermine hätten, werde erst die Jahresstatistik aussagekräftig.

Sinnhaftigkeit des Zivildienstes als Hauptgrund für Entscheidung

"Der Zivildienst ist und bleibt damit die tragende Säule im Sozial- und Gesundheitssystem. Mir ist es dabei auch extrem wichtig, dass die jungen Männer nicht nur 9 Monate absitzen, sondern hier auch etwas Sinnvolles fürs Leben mitnehmen können."
Bundesministerin Claudia Bauer

Bauer verwies auf die Zivildienststudie aus dem Jahr 2024, wonach sich 9 von 10 Zivildiener wieder für den Zivildienst entscheiden würden und 3 von 4 Zivildiener die Sinnhaftigkeit des Zivildienstes als Hauptgrund genannt haben, sich dafür zu entscheiden. Für jeden vierten Zivildiener spiele die Erfahrung auch eine entscheidende Rolle bei der späteren Berufswahl. Gerade der Rettungsdienst schaffe es am besten, Zivildiener haupt- und ehrenamtlich zu behalten, wohl weil während der Zeit des Zivildienstes im Rettungswesen eine Art Ausbildung angeboten werde, die einen qualifizierter Einsatz ermöglicht. "Diese Möglichkeiten müssen und werden wir auch weiter ausbauen in Form von Ausbildungen, die im Rahmen des Zivildienstes absolviert werden können. Das sorgt für eine Entlastung der Fachkräfte, aber es soll auch für die jungen Männer etwas sein, das ihnen bleibt", so Bauer.

Appell: Blutspenden rettet Leben

Abschließend bedankte sich die Bundesministerin beim Roten Kreuz für die gute Zusammenarbeit und wandte sich mit einem Appell an die Anwesenden: "Wir sind heute in der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes. Es ist Sommer und die Blutreserven sind knapp. Ich darf Sie ganz herzlich einladen, auch Blut zu spenden. Es liegt meistens gar nicht daran, dass man nicht Blutspenden will, sondern dass man schon lange nicht mehr daran gedacht hat. Deswegen ist es wichtig, die Möglichkeit des Blutspendens regelmäßig in Erinnerung zu rufen: Man kann damit Leben retten."

Bilder von dieser Pressekonferenz sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.