Bundesregierung beschließt Industriestrompaket und Energiepreiskrisenmechanismus

Österreich wieder zu einem der Top-10-Industrieländer dieser Welt machen

Die Bundesregierung hat im Ministerrat vom 27. Mai das Industriestrompaket und den Energiepreiskrisenmechanismus beschlossen. Beim Pressefoyer nach der Sitzung informierten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Staatssekretärin Michaela Schmidt und Staatssekretär Sepp Schellhorn über die Details.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hielt in seinem Statement fest: "Österreich ist ein Land der Arbeit, ein Land der Wirtschaft und ein Land der Industrie. Es ist unsere oberste Aufgabe, sicherzustellen, dass das auch so bleibt." Es sei wichtig, dass die Produktion in Österreich abgesichert werde, die Wertschöpfung in Österreich garantiert werden könne und die vielen Arbeitsplätze in Österreich erhalten bleiben.

"Wir haben als Bundesregierung daher eine ganz klare Ambition, die auch in unserer Industriestrategie abgebildet ist: Wir wollen Österreich wieder zu einem der Top-10-Industrieländer dieser Welt machen."
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Wettbewerbsfähigkeit und Wettbewerbsbereitschaft des Standorts erhöhen, Arbeitsplätze sichern

Gleichzeitig wolle man sicherstellen, dass der Anteil der Industrie am BIP von derzeit rund 16 bis 17 Prozent wieder auf 20 Prozent steige. Daher sei es notwendig, die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Wettbewerbsbereitschaft des Standortes zu erhöhen. Das tue man etwa im Rahmen der derzeitigen Budgetverhandlungen durch die Senkung der Lohnnebenkosten sowie durch die Einführung eines neuen Steuermodells für das Arbeiten über das Pensionsantrittsalter hinaus. Auch das heute in diesem Ministerrat verabschiedete sehr umfassende Energiepaket trage dazu bei, so der Minister.

"Die Frage der Energiepolitik und der Energiepreise ist eine der entscheidenden Fragen für jeden Haushalt, aber auch für jeden Betrieb, wenn es darum geht, wo Investitionen stattfinden und Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden sollen."
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Hattmannsdorfer verwies darauf, dass Österreich dabei in einem internationalen Wettbewerb stehe – nicht nur in Europa, sondern auch global mit den USA, China und Asien insgesamt. "Wir haben den klaren Anspruch, dass wir keine Debatte über die Deindustrialisierung führen wollen, sondern gemeinsam eine neue Industrialisierung Österreichs schaffen wollen. Deswegen ist es ein zentraler Verhandlungserfolg für den Wirtschaftsstandort Österreich, dass im kommenden Doppelbudget 750 Millionen Euro für ein eigenes Industriestrompreismodell sichergestellt werden und darüber hinaus ein Energiepreiskrisenmechanismus geschaffen wird, der sowohl für Haushalte als auch für unsere Betriebe gilt."

Dieser stelle sicher, sollte eine Energiekrise kommen, dass die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze in Österreich möglichst gesichert werden. Die entscheidende Frage sei jene des Wirtschaftswachstums. Hier stehe Europa in Summe vor großen Herausforderungen, führte der Wirtschaftsminister aus. "Wir haben daher heute im Ministerrat 3 Maßnahmen beschlossen: Erstens wird das Stromkostenausgleichsgesetz für die energieintensive Industrie für die Jahre 2027, 2028 und 2029 verlängert und die Anzahl der anspruchsberechtigten Betriebe verdoppelt." Derzeit seien rund 60 Betriebe im Bereich Stahl, Aluminium und Papier anspruchsberechtigt. Nun werde diese Liste um Branchen wie zum Beispiel Kunststoffe, Glas, aber auch die Bereiche Batterien, Akkus, Energieerzeugung auf zirka 120 Unternehmen erweitert.

Industriestrompreis soll energieintensive Industrieunternehmen entlasten

"Zweitens werden wir einen Industriestrompreis als gezielte Entlastung für die energieintensiven Industrieunternehmen einführen. Hier geht es um rund 400 Betriebe, die anspruchsberechtigt sein werden. Auch dabei geht es um eine Ausweitung auf Branchen wie Pharma, Chemie, Steine und Erde, Maschinenbau, Lebensmittel, Weberei, Schmiedeteile sowie elektrische Bauelemente", erklärte Wolfgang Hattmannsdorfer. Wenn diese Unternehmen einen Jahresstromverbrauch von mindestens einer Gigawattstunde hätten, dann werde man 50 Prozent des Jahresstromverbrauchs mit 50 Prozent der Großhandelspreise entsprechend fördern. Damit leiste man einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die energieintensive Industrie auch in Österreich bleiben könne. Bei dieser Förderung bestehe jedoch die Verpflichtung, dass Teile dieser Mittel in die Dekarbonisierung, in die Energieeffizienz und in die Elektrifizierung reinvestiert werden müssen.

"Wir haben, drittens, heute im Ministerrat den Energiepreiskrisenmechanismus als eine Art Schutzschirm für Haushalte und Unternehmen beschlossen. Wenn eine Krise vorliegt, gibt es klare Parameter."
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Hattmannsdorfer erklärte abschließend, dass alle 3 Maßnahmen einer ganz klaren Linie folgen: Mit dem Industriestrompreis entlaste man die heimische Wirtschaft und sichere Arbeitsplätze, mit dem Energiepreiskrisenmechanismus schütze man die Haushalte sowie die kleinen und mittleren Betriebe.

"Unsere Linie ist klar: Österreich muss ein starker Wirtschaftsstandort bleiben."
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Schmidt: Zeit der Übergewinne auf Kosten der Allgemeinheit ist vorbei

Staatssekretärin Michaela Schmidt verwies in ihrem Statement auf die Maßnahmen der Bundesregierung, die in den vergangenen Monaten für sinkende Energiepreise gesorgt hätten. Doch während man im Inland für Entlastung sorge, hätten sich international die Risiken dramatisch verschärft, daher müsse die Politik langfristig vorsorgen:

"Wenn internationale Krisen ungebremst auf die Energiemärkte durchschlagen, dann zahlen am Ende die Haushalte und die Wirtschaft den Preis dafür. Die Zeit von Übergewinnen auf Kosten der Bevölkerung und der Unternehmen ist jedoch vorbei."
Staatssekretärin Michaela Schmidt

Daher greife die Bundesregierung regulierend ein und deckle den Strompreis. Konkret werde daher bei einer Steigung des durchschnittlichen Endkundenpreises für Strom auf mehr als 16,5 Cent der Preis automatisch auf 10 Cent pro Kilowattstunde festgesetzt. Finanziert werde dieser Preis durch einen Beitrag der Stromproduzenten, deren Gewinne in Krisenzeiten logischerweise massiv ansteigen würden, weil durch den hohen Anteil an erneuerbaren Energien in Österreich weiterhin zu annähernd gleichen Kosten produziert werden könne. Unverändert bliebe der Sozialtarif von 6 Cent für ärmere Haushalte.

Energie zentral für Wohlstand und Wirtschaftswachstum

Mit der 10-Cent-Garantie würde aber nicht nur die Bevölkerung vor extremen Preissprüngen geschützt, man verhindere auch, dass durch höhere Energiepreise eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale entstehe, mit all den negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Österreich.

"Energie ist und bleibt ein Lebenselixier unserer Wirtschaft. Genau deswegen ist leistbare Energie keine Nebensache, sondern zentral für unseren Wohlstand und unser Wirtschaftswachstum. Mit der heute präsentierten 10-Cent-Garantie schaffen wir einen Schutzmechanismus für mögliche kommende Krisen und bereiten Österreich jetzt schon darauf vor, dass Energie leistbar und damit unsere Wirtschaft stabil bleibt."
Staatssekretärin Michaela Schmidt

Schellhorn: Planbarkeit entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit

Staatssekretär Sepp Schellhorn betonte beim Pressefoyer die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen angesichts geopolitischer Krisen und volatiler Energiepreise. Gerade Klein- und Mittelbetriebe, Industrie und private Haushalte bräuchten "Planbarkeit bei den Kostenstrukturen", insbesondere bei Energie- und Personalkosten. Mit dem heute beschlossenen Mechanismus schaffe die Bundesregierung genau diese Planbarkeit bei den Stromkosten, "ohne das Budget weiter zu belasten". Denn man wisse inzwischen, dass der Eingriff per Gießkannenprinzip nicht funktioniere. Mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen werde man im Gegenteil gleichzeitig die Inflation dämpfen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken.

"Mit dem heute beschlossenen Mechanismus schaffen wir diese Planbarkeit der Stromkosten und dämpfen gleichzeitig die Inflation, ohne das Budget weiter zu belasten. Wettbewerbsfähigkeit bedeutet am Ende ganz konkret: Wie hoch sind unsere Kosten im Vergleich zu anderen Ländern? Hier müssen wir schneller und günstiger werden. Genau das ist unser Ansinnen."
Staatssekretär Sepp Schellhorn

Schellhorn hob zudem hervor, dass er als Staatssekretär für Entbürokratisierung und Deregulierung bei den Maßnahmen bewusst auf möglichst unbürokratische Lösungen und den Verzicht auf "Goldplating" geachtet habe. Die Regierung zeige hier rasch und effektiv Handlungsfähigkeit mit dem Ziel, Unternehmen zu entlasten sowie Planungssicherheit für den Standort zu schaffen: "Wenn es um Standortsicherheit geht, dann geht es auch um Planungssicherheit. Dieses Gesetz garantiert, dass wir die Kosten im Griff haben und Unternehmen damit rechnen können", so der Staatssekretär abschließend.

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.

Pressefoyer nach dem Ministerrat am 27. Mai 2026