Bundesregierung: Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge wird mehr Wahlmöglichkeiten und geringere Kosten ermöglichen
Pressefoyer nach dem Ministerrat
In der heutigen Sitzung des Ministerrats hat sich die Bundesregierung mit der Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge in Österreich befasst. Basierend auf einem Austausch mit den Sozialpartnern sowie Expertinnen und Experten sollen zentrale Verbesserungen im bestehenden System umgesetzt werden. Ziel dabei ist es, die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule des Pensionssystems für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiver, transparenter und effizienter zu gestalten und dadurch höhere Nettopensionen zu ermöglichen.
Beim Pressefoyer nach dem Ministerrat erläuterten Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann sowie die Staatssekretärin im Finanzministerium, Barbara Eibinger-Miedl, die Details zu den geplanten Reformschritten. Im Mittelpunkt stehen dabei mehr Wahlfreiheit, eine bessere Übersicht sowie eine effizientere Verwaltung im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Außenministerin Meinl-Reisinger: "Echter Paradigmenwechsel in der Altersvorsorge"
"Es geht um nichts weniger als einen echten Paradigmenwechsel in der Altersvorsorge", betonte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger einleitend. Sie verwies auf das bestehende Pensionssystem, bei welchem "die gesamte Last fast allein auf der ersten Säule" liege, also auf dem öffentlich finanzierten Pensionsmodell. Angesichts der demografischen Entwicklung stehe man vor großen Herausforderungen. Die zweite Säule, die betriebliche Pensionsvorsorge, müsse daher gestärkt und das Potenzial des Kapitalmarktes genutzt werden.
"Viel zu lange hat Österreich Wohlstand verschenkt, weil Kapital gebunden statt genutzt wurde. Die Bundesregierung sorgt dafür, dass die 22 Milliarden Euro, die in den Vorsorgekassen schlummern, endlich am Kapitalmarkt für die Menschen arbeiten dürfen – gebündelt, gewinnbringend und ohne einen Cent Steuergeld zu kosten. Wir geben damit allen arbeitenden Menschen die Chance auf eine spürbar höhere Pension, ohne das Budget zu belasten. Wer das neue System konsequent über das gesamte Erwerbsleben nutzt, erhöht die eigene Nettopension um rund 10 Prozent."
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger
Arbeits- und Sozialministerin Schumann: "Mehr Transparenz und bessere Entscheidungen bei der Abfertigung NEU"
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann stellte die Weiterentwicklung der Abfertigung NEU in den Mittelpunkt. Ziel sei es, bestehende Sicherheiten zu erhalten und gleichzeitig mehr Flexibilität für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schaffen. Denn, so Schuhmann: "Künftig können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst entscheiden, ob sie sich ihre Abfertigung auszahlen lassen oder gezielt für ihre Pension veranlagen wollen."
Darüber hinaus werde das System durch strukturelle Maßnahmen übersichtlicher und effizienter gestaltet. So sorge die automatische Kontenzusammenführung für "deutlich mehr Übersicht", während gleichzeitig die Verwaltungskosten bei den Vorsorgekassen gesenkt würden, erklärte Schumann. Insgesamt werde das System "transparenter und moderner – und bringt mehr für die Menschen".
"Mit diesen Reformen machen wir einen wichtigen Schritt hin zu einer moderneren, gerechteren und transparenteren betrieblichen Vorsorge. Ich bin überzeugt: Das ist eine Verbesserung, die bei den Menschen ankommt."
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann
Staatssekretärin Eibinger-Miedl: "Wir nutzen die Chancen, die der Kapitalmarkt bietet"
Österreich sei, so die Staatssekretärin im Finanzministerium, Barbara Eibinger-Miedl, noch immer ein Land der traditionellen Sparerinnen und Sparer. Rund 70 Prozent des Vermögens sei auf sehr konservativen Sparkonten angelegt, nur 30 Prozent auf dem Kapitalmarkt. Mit der Stärkung der zweiten Säule und dem Aufzeigen der Chancen des Kapitalmarkts solle auch das Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher für diese alternativen Veranlagungsmöglichkeiten gesteigert werden. Dies sei vor allem für junge Menschen eine gute Nachricht. Aufgrund der langen Einzahlungsdauer hätten sie die Möglichkeit, eine wirklich ertragreiche Zusatzpension ausbezahlt zu bekommen.
"Wer jahrzehntelang vorsorgt, soll in der Pension auch spürbar davon profitieren. Aus diesem Grund modernisieren wir die betriebliche Vorsorge. In Zukunft kann jeder selbst entscheiden, ob die vom Arbeitgeber eingezahlten Beiträge in ein Vorsorgeprodukt mit höheren Ertragschancen angelegt werden sollen. Mit dem Generalpensionskassenvertrag ermöglichen wir darüber hinaus allen eine Zusatzpension. Bisher war dies nur für die rund 25 Prozent der Beschäftigten möglich, deren Arbeitgeber freiwillig in das Pensionskassensystem eingezahlt haben. So machen wir die Vorsorge attraktiver und stärken das Bewusstsein für Veranlagungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt."
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl
Damit werde ein neues Vorsorgeprodukt im Bereich der Mitarbeitervorsorge geschaffen, mit dem es künftig möglich sein soll, höhere Erträge zu lukrieren. Einerseits gehe es um die Wertsicherung, andererseits um eine mögliche Wertsteigerung, etwa durch die Senkung der Verwaltungskosten. "Wir nutzen die Chancen, die der Kapitalmarkt bietet und schärfen gleichzeitig das Bewusstsein bei der Bevölkerung für den Kapitalmarkt", so die Staatssekretärin.
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