Familienministerin Bauer: Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Berufstätigkeit im Arbeitsalltag fördern

Praxisleitfaden entwickelt – Pflege im Arbeitskontext ein "stilles Thema"

Gemeinsam mit dem Hilfswerk Österreich hat die Familie & Beruf Management GmbH einen Praxisleitfaden erarbeitet, der Unternehmen und Beschäftigte dabei unterstützen soll, die Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Berufstätigkeit im Arbeitsalltag zu fördern. Familienministerin Claudia Bauer stellte diesen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich, Elisabeth Anselm, und Daniela Neureiter vom Partnerbetrieb Konica Minolta Business Solutions Austria GmbH im Presseclub Concordia vor.

Familienministerin Bauer hielt dabei in ihrem Statement fest: 

"Die Pflege ist neben der Kinderbetreuung eines der größten Themen für Familien in Österreich; ein Thema, das tagtäglich tausende Menschen in Österreich innerhalb der eigenen Familie beschäftigt, deren Alltag bestimmt und – neben einem weiteren eigenen Job – in den allermeisten Fällen irgendwann eine untragbare Mehrfachbelastung für die pflegenden Angehörigen wird."
Familienministerin Claudia Bauer

Pflegeleitfaden zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Wenn man von Pflege in der Familie spreche, dann spreche man von Müttern, die Eltern pflegen, von Kindern, die Eltern pflegen und umgekehrt und vielem mehr. Die Konstellationen seien oft vielfältig, aber es bleibe eine Aufgabe, die neben der Berufstätigkeit fordernd bis überfordernd sei. "In Zahlen bedeutet das, dass jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen aus dem Arbeitsalltag aussteigen oder zumindest Stunden reduzieren, um sich auf die Pflege daheim konzentrieren zu können. Die Pflege von Angehörigen ist also auch für Unternehmen längst kein Randthema mehr. Und dennoch ist Pflege im Arbeitskontext ein ‚stilles Thema‘", erklärte die Ministerin.

Viele würden daher aus Sorge, als weniger belastbar zu gelten, oft nicht darüber sprechen. "Gemeinsam mit dem Hilfswerk und der Familie & Beruf Management GmbH – unserer nationalen Koordinierungsstelle für Vereinbarkeit – haben wir deshalb die Neuauflage des Praxisleitfadens zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erarbeitet", so Bauer.

Der neue Leitfaden zeigt konkrete Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben: Dabei geht es etwa um flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Ansprechpersonen bis hin zu Informationsangeboten und einer Führungskultur, die das Thema pflegende Angehörige im Blick hat. Der Pflegeleitfaden basiert auf den Erfahrungen zahlreicher Unternehmen, die im Rahmen der Zertifizierung "berufundfamilie" bereits erfolgreich Vereinbarkeitsmaßnahmen umgesetzt haben. Er bündelt Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis, zeigt bewährte Maßnahmen auf und bietet konkrete Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Unternehmensgrößen. Der Leitfaden richtet sich an Arbeitgeber, pflegende Angehörige sowie an alle, die Pflegesituationen besser verstehen und begleiten möchten. Ziel ist es, Arbeitgeber dabei zu unterstützen, Pflege als Teil der Lebensrealität vieler Beschäftigter anzuerkennen und tragfähige Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege zu entwickeln – zum Nutzen der Mitarbeitenden und der Unternehmen gleichermaßen.

Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerks, betonte: "Der Pflegeleitfaden zeigt gut auf, wie Unternehmen durch Verständnis, flexible Lösungen und klare Strukturen einen entscheidenden Beitrag leisten können, damit Pflege und Erwerbsarbeit vereinbar bleibt."

Daniela Neureiter, Expert Employer Branding bei Konica Minolta Business Solutions Austria GmbH, sagte: "Aus Unternehmenssicht ist das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weit mehr als eine gesellschaftliche Verantwortung – es ist ein wesentlicher mittel- und langfristiger Erfolgsfaktor moderner Personalpolitik. Eine lebensphasenorientierte Unternehmenskultur, die Pflege, Familie und Beruf zusammen denkt, stärkt Motivation, Gesundheit und Loyalität der Mitarbeitenden und damit nachhaltig die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens."

Pflege als Teil der Lebensrealität – Rahmenbedingungen schaffen, die Sicherheit geben

Claudia Bauer führte weiter aus: "Menschen, die Angehörige pflegen, organisieren ihren Beruf, ihr Familienleben und gleichzeitig die Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen." Besonders betroffen sei die sogenannte Sandwich-Generation, also Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, die zugleich Kinder betreuen und ältere Angehörige pflegen. "Pflege betrifft uns – früher oder später – alle. Ob als Tochter oder Sohn älter werdender Eltern, als Partnerin oder Partner oder als Kollegin oder Kollege: Jede und jeder kann in diese Situation kommen. Deshalb ist mein Anliegen klar: Wir dürfen Pflege nicht als privates Problem betrachten. Pflege ist Teil unserer Lebensrealität, Teil der Lebensrealität unserer Familien in Österreich und sie braucht Strukturen, die Halt geben", betonte die Familienministerin.

"Wenn Unternehmen pflegende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen, profitieren alle: Die Beschäftigten fühlen sich ernst genommen und aufgefangen, die Loyalität steigt, Ausfälle sinken und Unternehmen gewinnen an Attraktivität. Das ist ein weiterer Schritt in Richtung eines familienfreundlicheren Österreichs und unseres größeren Ziels: Rahmenbedingungen zu schaffen, die Sicherheit geben – und damit Mut zur Familie ermöglichen", so Bauer abschließend.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.familieundberuf.at/

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.