„EU muss bei Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit vom Reden ins Tun kommen“

Förderung der Wettbewerbsfähigkeit im Fokus

Informeller Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs

Im belgischen Schloss Alden Biesen nahm Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker am Donnerstag an einer informellen Klausurtagung der Staats- und Regierungschefs der EU teil, das sich ausschließlich dem Thema Wettbewerbsfähigkeit widmet.

Vor dem Treffen erläuterte der Bundeskanzler seine Erwartungen und wesentliche Forderungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der EU. Zunächst müsse die EU bei den Energiepreisen ansetzen, wenn es ihr mit der Wettbewerbsfähigkeit ernst sei, etwa mit einer Entkopplung von Gas- und Strompreisen.

„Das zweite ist die Verlängerung der Gratiszertifikate. Für unsere Industrie ist das ein enorm wichtiger Punkt.“
Bundeskanzler Christian Stocker

Zu einem fairen Handel und einem gut funktionierenden Binnenmarkt ohne Hürden gehöre auch, dass der völlig ungerechtfertigte und unfaire Österreich-Aufschlag endlich der Vergangenheit angehört. Die Europäische Kommission sei dringend gefordert, konkrete Maßnahmen auf den Tisch zu legen, damit dieses Problem endlich behoben werde und die Menschen in Österreich nicht mehr für Lebensmittel zahlen müssen, als die Menschen in anderen Ländern.

"Als EU müssen wir uns breiter aufstellen, wir brauchen neue Handelsabkommen, beispielsweise mit Indien, den ASEAN-Staaten oder mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wir müssen vom Reden ins Tun kommen und für den formellen Rat im März konkrete Beschlüsse vorbereiten", so der Bundeskanzler.

Zum Emissionshandel hielt der Kanzler fest: "Ich stehe diesem Emissionshandel sehr kritisch gegenüber. Mir ist wichtig, dass wir die Gratiszertifikate für die Industrie verlängern. Ich sage nicht, dass Wirtschaft und Klima gegeneinander ausgespielt werden sollen. Das wäre der falsche Weg. Aber ohne eine gesunde Wirtschaft werden wir die Transformation nicht schaffen. Wir brauchen die wirtschaftliche Kraft, damit wir diese Ziele auch erreichen können."

Wichtig sei es, Maßnahmen zu beschließen, die auch wirken, hielt Christian Stocker fest. "Die Priorisierung ist für mich klar: Die Energiekosten müssen sinken. Das ist eine entscheidende Frage. Die Gratiszertifikate sind genauso eine entscheidende Frage. Gleichzeitig geht es natürlich wie immer auch um Bürokratieabbau. Es gibt den Plan, 25 Prozent der Regulatorien zu reduzieren. Es wäre jetzt an der Zeit, dass man das auch tatsächlich macht", hielt der österreichische Regierungschef fest.

EU-Beitritt: Gleiche Bedingungen für alle Länder

Bezüglich der Diskussionen um eine "EU-Mitgliedschaft light" der Ukraine, nach der die Ukraine schneller beitrittsreif gemacht werden soll, ohne sofort alle Rechte und Pflichten erfüllen zu müssen, betonte Bundeskanzler Stocker: "Die Entscheidung über einen Beitritt zur Europäischen Union treffen die Mitgliedstaaten. Ich bin der Meinung, dass es für alle Kandidaten die gleichen Bedingungen geben soll." Er verwies dabei auf die Westbalkan-Länder, die schon seit über 20 Jahren auf der "Wartebank der EU" sitzen. Auch für diese würden die Bedingungen gelten. Über eine "graduelle Integration" könne man auch für die Ukraine reden, so Stocker weiter. Durch eine "graduelle Integration" können die Länder noch vor einem Beitritt an EU-Programmen teilnehmen. Er sehe für die Ukraine "keine andere Vorgehensweise, die ich präferieren würde", so Stocker.

Hinsichtlich einer Friedenslösung für die Ukraine sprach sich der österreichische Regierungschef dafür aus, die Gesprächskanäle mit Russland offenzuhalten: "Wenn wir zu einer Friedenslösung kommen wollen, wird es nicht ohne Gespräche gehen. Es liegt an Putin, diese Gesprächsbereitschaft zu zeigen. Bis jetzt vermisse ich diese." Wenn Europa bei der Beendigung des Krieges eine Rolle spielen wolle, müsse man mit Putin reden.

"Wir sind derzeit in einer weltpolitischen Situation, wo wir auch wirtschaftlich unter Druck stehen. Das bedeutet, dass wir ins Handeln kommen müssen. Ich sehe eine große Bereitschaft der Mitgliedstaaten, das auch umzusetzen", erklärte der Kanzler abschließend.

Bilder aus Belgien sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.