Bundesregierung: Einführung eines mittleren Managements soll Schulleitungen entlasten – neue Fachkräftestrategie

Pressefoyer nach dem Ministerrat

Pressefoyer-Ministerrat mit Bundesministerin Korinna Schumann, Bundesminister Christoph Wiederkehr und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl

"Bildung ist eine zentrale Zukunftsinvestition. Jeder Euro, den wir heute in unser Bildungssystem investieren, stärkt die Gesellschaft, unseren Wirtschaftsstandort und die Innovationskraft unseres Landes. Deshalb setzen wir auf strukturelle Entlastung durch die Einführung eines mittleren Managements an Schulen und auf moderne Lehrpläne", sagte Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl heute im Pressefoyer nach dem Ministerrat, das sie zusammen mit Sozialministerin Korinna Schumann und Bildungsminister Christoph Wiederkehr bestritt.

Eibinger-Miedl: Organisatorische Herausforderungen in den Schulen gestiegen

Österreichs Schulen stehen heute vor immer komplexeren Herausforderungen: Die organisatorischen Anforderungen steigen, die Heterogenität in den Klassenzimmern wächst, gleichzeitig bleibt der Anspruch, allen Kindern und Jugendlichen bestmögliche Bildung zu bieten, bestehen. Damit Schulleitungen und Lehrpersonen diesen Aufgaben gerecht werden können und der Fokus auf gelingendem Unterricht sowie individueller Förderung liegt, brauche es starke Teams und gezielte Entlastungen, so Eibinger-Miedl.

Mit der Einführung eines mittleren Managements sollen daher Schulleitungen künftig entlastet werden. "Sie gewinnen damit mehr Kapazitäten für strategische und pädagogische Führungsaufgaben", erläuterte die Staatssekretärin. Gleichzeitig ermögliche diese Struktur eine intensivere Begleitung und Förderung der Lehrkräfte während die Unterrichtsqualität gestärkt werde.
 

"Es geht darum, die Pädagoginnen und Pädagogen, insbesondere auch die Schulleitungen, zu entlasten, damit die Lehrenden mehr Zeit dafür haben, was ihnen ein Herzensanliegen ist, nämlich die Schülerinnen und Schüler entsprechend zu unterrichten und auf das Leben vorzubereiten."
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl

Ausbau der Finanzbildung

Mit der Verankerung von Finanzbildung an Schulen will die Bundesregierung zudem diese Kompetenz der Schülerinnen und Schüler stärken. „Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das junge Menschen praxisnah auf die Zukunft vorbereitet. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine Schlüsselkompetenz fürs Leben. Wir wissen aus vielen Befragungen, dass sich die Schülerinnen und Schüler selbst mehr Finanzbildung in den Schulen wünschen. Daher bin ich sehr froh, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dieses Thema noch stärker in den Schulen, insbesondere auch in den Lehrplänen, zu verankern“, zeigte sich Eibinger-Miedl erfreut.

Neue Fachkräftestrategie

Trotz langsamer konjunktureller Erholung steigen die Arbeitslosenzahlen weiterhin, gleichzeitig fehlen in vielen Bereichen Fachkräfte. Österreichweit wurden Ende 2025 insgesamt 51 Engpassberufe identifiziert, besonders im technischen und im Gesundheitsbereich. In den nächsten zehn Jahren werden rund 17 Prozent der Beschäftigten in Pension gehen.


"Die Fachkräfte in unserem Land und gerade die jungen Talente sind das wichtigste Zukunftskapital, das wir haben. Trotz budgetärer Herausforderungen gerade für den Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung, aber auch für das Thema Fachkräftequalifizierung, haben wir entsprechende Gelder zur Verfügung gestellt. Ich begrüße es daher ausdrücklich, dass wir diesen Weg nun auch mit einer eigenen Strategie für die nächsten Jahre entsprechend weitergehen werden."
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl

Arbeitskräfte besser qualifizieren und integrieren

Sozialministerin Korinna Schumann wies auf die Bedeutung der Qualifizierung in einer immer digitaler werdenden Arbeitswelt hin. Das sehe man auch daran, dass auf der einen Seite die Arbeitslosigkeit steigt und auf der anderen Seite in vielen Bereichen Fachkräfte fehlen würden. Vor allem ältere Beschäftigte stünden im Fokus. „Wir reagieren mit der Aktion 55 plus, die mit 50 Millionen Euro jährlich dotiert ist und bis zu 6.000 neue Arbeitsplätze für Menschen ab 55 fördern soll sowie 100 Millionen Euro zusätzlich für ältere Beschäftigte ab 2027 vorsieht“, betonte Schumann. Die Zahlen bei den Jugendlichen und am Lehrstellenmarkt würden ebenso einen dringenden Handlungsbedarf ergeben.

"Lehrlinge sind die Fachkräfte der Zukunft. Hier müssen wir gemeinsam stärker werden."
Bundesministerin Korinna Schumann
 

Bis 2029 drohe eine Fachkräftelücke von rund 51.000 Personen bei mittleren Qualifikationen. "Das zeigt deutlich: Ohne Investitionen in Qualifizierung werden wir den Arbeitskräftebedarf nicht decken können. Wir müssen auch die Ängste nehmen, die mit der Frage einer Weiterqualifizierung einhergehen", so die Sozialministerin. Die Fachkräftestrategie, die mit März gestartet und erarbeitet werde, sei von der Bedeutung her gleichwertig zu sehen mit der Industriestrategie. Sie basiere auf drei Säulen: einer Qualifizierungsoffensive mit Fokus auf mittlere Qualifikationen und Höherqualifizierung bis zum Lehrabschluss, einer Stärkung der Qualität von Lehre und Berufsausbildung inklusive Weiterentwicklung der überbetrieblichen Ausbildung als Auffangnetz sowie internationalen Fachkräfte als in manchen Bereichen notwendige Ergänzung. "Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um vorhandene Arbeitskräfte besser zu qualifizieren und zu integrieren", so Korinna Schumann.

Investitionen in die Potenziale und Kompetenzen von Menschen

Im Zentrum stehe der Ausbau der Qualifizierungsmaßnahmen. Das AMS werde bewährte Programme fortführen und weiterentwickeln. Gleichzeitig vereinfache man ab dem kommenden Jahr den Schulungszuschlag, damit längere Fachkräfteausbildungen finanziell besser abgesichert seien.

"Wir bekennen uns zu Investitionen in die Potenziale und Kompetenzen von Menschen, um den Fachkräftebedarf abzudecken. Dazu werde ich mich im Rahmen der Budgeterstellung für zusätzliche Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik ganz vehement einsetzen. Wir mobilisieren Ressourcen, um Qualifizierung auszubauen."
Sozialministerin Korinna Schumann

Wiederkehr: Fachkräftestrategie für eine Arbeitswelt im Wandel

Bildungsminister Christoph Wiederkehr nahm zur neuen Fachkräftestrategie der Bundesregierung Stellung. Ziel sei es, Menschen in Österreich gezielt weiterzubilden und zu qualifizieren, um sie auf die rasanten Veränderungen am Arbeitsmarkt vorzubereiten. "Wir haben uns als Bundesregierung auf eine entsprechende Fachkräftestrategie verständigt", erklärte der Minister und betonte:

"Die Arbeitswelt ist im starken Wandel – durch Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz."
Bildungsminister Christoph Wiederkehr

Ein Schwerpunkt liege auf der Stärkung der Lehre als bewährte Säule des österreichischen Bildungssystems. Gleichzeitig brauche es in einzelnen Bereichen qualifizierte Zuwanderung. Die Rot-Weiß-Rot-Karte solle daher vereinfacht und beschleunigt werden. "Wir wollen in jenen Bereichen, in denen Fachkräftemangel herrscht, qualifizierte Zuwanderung ermöglichen", so Wiederkehr.

Mittleres Management stärkt Schulen

Zur Bewältigung wachsender Herausforderungen an den Schulen werde ab dem kommenden Schuljahr ein mittleres Management eingeführt. Außerdem werde man, so Wiederkehr, mehr Geld investieren:
 

"Wir investieren hier 20 Millionen Euro pro Jahr, um die Schulleitungen gezielt zu unterstützen."
Bildungsminister Christoph Wiederkehr

Mit den jährlich 20 Millionen Euro sollen Schulleitungen zusätzliche Ressourcen erhalten, um organisatorische und pädagogische Aufgaben besser zu verteilen.

Je nach Größe des Standorts können Lehrkräfte für zusätzliche Verantwortungsbereiche freigestellt werden – etwa für Schulentwicklung oder Elternarbeit. Besonders profitieren sollen allgemeine Pflichtschulen. Auch höhere Schulen und Berufsschulen erhalten flexiblere und erweiterte Unterstützungsmöglichkeiten.

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.