Bundeskanzler Stocker: "Wettbewerbsfähigkeit als Basis für den Erfolg des europäischen Projekts"

Gemeinsames Treffen mit den Premierministern der Slowakei und der Tschechischen Republik im Rahmen des Slavkov-3-Formats in Bratislava

Bundeskanzler Christian Stocker traf im Rahmen des Slavkov-3-Formats in Bratislava mit dem slowakischen Premierminister Robert Fico sowie dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš zusammen. Das Slavkov-Format (S3), auch Austerlitz-Format genannt, ist eine trilaterale Kooperation zwischen Österreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Im Zentrum der Gespräche standen Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise und die industrielle Transformation.

Bundeskanzler Christian Stocker und der Ministerpräsident der Slowakei Robert Fico bei einem Arbeitsgespräch

Wettbewerbsfähigkeit und Energiepreise als zentrale Priorität

Stocker stellte dabei klar, dass die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit derzeit zu den wichtigsten strategischen Fragen Europas zählt:

"Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist die Basis für den Erfolg des europäischen Projekts."
Bundeskanzler Christian Stocker

Gerade als wirtschaftlich eng verflochtene Nachbarstaaten könnten Österreich, die Slowakei und Tschechien ihre Interessen auf EU-Ebene gemeinsam wirkungsvoller vertreten als einzeln.

Besonders dringlich sei aus österreichischer Sicht die Senkung der Energiepreise. Diese seien strukturell höher als in wichtigen globalen Wettbewerbsregionen und belasteten Unternehmen massiv. "Energie ist in Europa strukturell teurer als noch vor wenigen Jahren – damit schnüren wir unseren Unternehmen die Luft zum Atmen ab", so der Kanzler. Daher müsse man es entweder schaffen, den Gaspreis nachhaltig zu senken – in Richtung Vor-Krisenniveau –, oder aber es brauche strukturelle Reformen bei der Preisgestaltung.

Klimapolitik, Industrie und technologischer Fortschritt

Der Bundeskanzler unterstrich das klare Bekenntnis Österreichs zu Klimaschutz und industrieller Transformation, warnte jedoch vor einem Ungleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit:

"Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit müssen Hand in Hand gehen. Es kann nicht unser Ziel sein, grüner zu werden, indem wir ärmer werden."
Bundeskanzler Christian Stocker

Insbesondere für Schlüsselindustrien wie den Automobilsektor brauche es technologieoffene Rahmenbedingungen. Verbote allein seien kein Erfolgsmodell. "Wir müssen offen für technologische Neuerungen sein, anstatt uns selbst ideologische Verbote aufzuerlegen", betonte der österreichische Regierungschef. Innovation und Wettbewerbsfähigkeit müssten im Mittelpunkt stehen, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Europa zu sichern.

Bundeskanzler Christian Stocker schüttelt dem Ministerpräsidenten von Tschechien Andrej Babiš die Hand

Weniger Bürokratie, stärkerer Binnenmarkt und "Europe First"

Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen in Bratislava lag auf Deregulierung und Bürokratieabbau, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Hier forderte Bundeskanzler Christian Stocker nicht nur Vereinfachung, sondern echte Deregulierung:

"Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich wieder mehr darauf konzentrieren können, Innovationen zu schaffen und Wachstum zu erzeugen als Berichtspflichten zu erfüllen."
Bundeskanzler Christian Stocker

Zugleich sprach sich Stocker für eine konsequente Weiterentwicklung des Binnenmarkts aus. Mit rund 450 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten verfüge die EU über ein enormes Potenzial, das durch den Abbau von Handelsbarrieren noch besser genutzt werden könne. Nach außen brauche Europa zudem eine klare strategische Ausrichtung. "Ein Bekenntnis zu 'Europe First' bedeutet nicht Protektionismus, sondern die Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit und unseres Wohlstands", so Stocker. Gleichzeitig müsse Europa seine Märkte besser gegen unfaire Praktiken schützen.

Klare Linie gegen ungerechtfertigte Preisunterschiede in Europa

Der Bundeskanzler sprach auch die Problematik territorialer Lieferbeschränkungen an, die zu höheren Preisen für Konsumentinnen und Konsumenten in kleineren EU-Ländern führen würden: "Es ist absolut inakzeptabel, dass kleinere Länder gegenüber großen Nachbarn schlechter gestellt werden." Österreich werde sich weiterhin für die Abschaffung solcher Praktiken auf europäischer Ebene einsetzen.

Abschließend unterstrich Stocker die Bedeutung des gemeinsamen Auftretens der 3 Staaten für die kommenden EU-Verhandlungen:

"Es braucht jetzt maximale Anstrengung und Tempo, um die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union sicherzustellen und das volle wirtschaftliche Potenzial freizuschalten."
Bundeskanzler Christian Stocker

Im Zuge des Treffens wurde eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die unter folgendem Link aufrufbar ist:

Bilder von diesem Termin sind über das Fotoservice des Bundeskanzleramts kostenfrei abrufbar.