Europäische Kommission legt Aktionsplan für Elektrifizierung und Reform des Emissionshandelssystems vor

Ziel: Mehr Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und weniger fossile Energieimporte – Investitionen sollen die Dekarbonisierung der Industrie und den Ausbau sauberer Technologien beschleunigen

Photovoltaikanlagen und Windräder vor einem stimmungsvollen Sonnenuntergang

Der Ausbau der Elektrifizierung soll Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken: Die Europäische Kommission hat am 17. Juli 2026 einen Aktionsplan zur Elektrifizierung sowie Vorschläge zur Überarbeitung des EU-Emissionshandelssystems (kurz: EHS) vorgestellt. Ziel ist es, Europa auf dem Weg zum ersten elektrifizierten Kontinent voranzubringen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken und die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu verringern.

Kommissionspräsidentin von der Leyen: "Abhängigkeit Europas von fossilen Energieträgern verringern"

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte dazu:

"Der beste Weg, die Abhängigkeit Europas von fossilen Energieträgern zu verringern, besteht darin, unsere Wirtschaft mit Strom aus sauberen, heimischen Quellen zu versorgen. Heute schlagen wir vor, Europa zum ersten elektrobetriebenen Kontinent der Welt zu machen. Von der Senkung der Strompreise bis hin zur Anpassung unseres CO2-Marktes an die sich verändernden globalen Gegebenheiten ist dies auch ein Investitions- und Unabhängigkeitsplan. Um den sauberen Übergang auf Kurs zu halten, unsere Industrie zu entlasten und die Dekarbonisierung zu unterstützen."

Weniger fossile Energieimporte und mehr Versorgungssicherheit

Im Rahmen des künftigen Energiepakets nach 2030 will die Europäische Kommission ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 prüfen. Dieses könnte die jährlichen Ausgaben der EU für den Import fossiler Brennstoffe bis 2040 um rund 260 Milliarden Euro senken. Nach Angaben der EU-Kommission würde eine stärkere Elektrifizierung nicht nur die Energieversorgung sicherer und widerstandsfähiger machen, sondern auch niedrigere Energiepreise sowie bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen.

Strom attraktiver machen

Nach Angaben der Europäischen-Kommission stammen bereits rund 70 Prozent des Stroms in der EU aus sauberen, in Europa erzeugten Energiequellen. Gleichzeitig sei die Elektrifizierungsrate des Energiebedarfs in den vergangenen 10 Jahren um 23 Prozent gesunken. Vor allem in den Bereichen Industrie, Verkehr und Gebäude soll die Elektrifizierung deshalb deutlich beschleunigt werden.

Mit dem Elektrifizierungsaktionsplan plant die EU-Kommission, bestehende Hemmnisse beim Umstieg auf elektrische Technologien abzubauen. Obwohl batterieelektrische Fahrzeuge im Betrieb deutlich günstiger sein können als Fahrzeuge mit fossilen Kraftstoffen und Wärmepumpen die Heizkosten erheblich senken können, sei Strom häufig deutlich teurer als Gas, so die EU-Kommission. Hinzu kämen lange Wartezeiten bei Netzanschlüssen sowie erschwerte Marktbedingungen für innovative Technologien. Vor diesem Hintergrund sollen unter anderem Netzentgelte für bestimmte Verbraucherinnen- beziehungsweise Verbrauchergruppen gesenkt, steuerliche Entlastungen für energieintensive Unternehmen ermöglicht und intelligente Stromzähler schneller eingeführt werden. Zudem soll sichergestellt werden, dass Strom steuerlich nicht stärker belastet wird als Gas.

Ausbau der Stromnetze und Förderung neuer Technologien

Die Europäische Kommission schlägt außerdem Maßnahmen vor, um die Investitionskosten für Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und weitere elektrische Technologien zu senken. Dazu sollen unter anderem Sozialleasingmodelle, Mittel aus dem Klima-Sozialfonds sowie Finanzierungsinstrumente der geplanten Bank für industrielle Dekarbonisierung genutzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der europäischen Stromnetze. Zwar verfügten diese bereits über eine hohe Zuverlässigkeit, so die EU-Kommission – lange Wartezeiten für Netzanschlüsse und unzureichend genutzte Kapazitäten bremsten jedoch den Fortschritt. Die EU-Kommission wirbt daher für eine rasche Verabschiedung des bereits vorgeschlagenen Netzpakets. Darüber hinaus soll die gesamte Wertschöpfungskette der Elektrifizierung gestärkt werden – von Investitionen in innovative Technologien über den Ausbau der Produktionskapazitäten bis hin zur Qualifizierung von Fachkräften. Nach Einschätzung der EU-Kommission bietet die Elektrifizierung das Potenzial, europaweit Hunderttausende hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.

Modernisierung des EU-Emissionshandelssystems soll Investitionen in Innovation fördern

Parallel zum schlägt die EU-Kommission eine Modernisierung des EU-Emissionshandelssystems (EHS) vor. Das seit 2005 bestehende EHS habe bis dato mehr als 270 Milliarden Euro für Investitionen in Innovationen, die Dekarbonisierung der Industrie und die Modernisierung des Energiesystems bereitgestellt, so die Kommission. Gleichzeitig seien die Emissionen in den erfassten Sektoren um rund 50 Prozent gesunken. Mit der Reform soll das Emissionshandelssystem an die EU-Klimaziele für 2040 angepasst und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt werden. Vorgesehen sind unter anderem angepasste Reduktionspfade für Emissionen von Industrieanlagen sowie die Möglichkeit, in begrenztem Umfang hochwertige internationale Emissionsgutschriften anzurechnen.

Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die geplante "Bank für industrielle Dekarbonisierung", die für Investitionen in klimafreundliche Industrieprojekte bereitstehen soll. Bereits vor 2030 soll ein "Investitionsbooster" mit 100 Milliarden Euro als erste Ausbaustufe verfügbar sein und Unternehmen gezielt unterstützen, wobei ein bestimmter Anteil aus Solidaritätsaspekten für einkommensschwache Mitgliedstaaten reserviert ist . Ergänzend sollen mit dem Innovationsfonds des Emissionshandels sowie dem Modernisierungsfonds bestehende Instrumente weitergeführt werden. Zudem sollen die EU-Mitgliedstaaten künftig die Hälfte ihrer nationalen Einnahmen aus dem Emissionshandel wieder in die Dekarbonisierung der vom EHS erfassten Sektoren investieren.

Die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten für Unternehmen soll über das Jahr 2030 hinaus fortgeführt und stärker an Investitionen in klimafreundliche Technologien geknüpft werden. Das Prinzip: Die Beiträge der Industrie sollten an die Industrie zurückfließen. Dieser Ansatz fördert und belohnt diejenigen, die in den sauberen Übergang investieren – und schafft laut EU-Kommission Anreize für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, aufzuholen.

Außerdem sollen dauerhafte CO2-Entnahmen in das EHS integriert werden. Weitere Vorschläge betreffen die Reform der Marktstabilitätsreserve sowie eine Ausweitung des EHS auf die Abfallverbrennung. Auch für den Luft- und Seeverkehr sind Anpassungen vorgesehen.

Hintergrund: Stärkung der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft

Mit dem Elektrifizierungsaktionsplan und der Reform des EU-Emissionshandelssystems verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, die europäische Wirtschaft klimafreundlicher, wettbewerbsfähiger und unabhängiger von fossilen Energieimporten zu machen. Beide Initiativen sind Teil der Weiterentwicklung der Energieunion nach 2030 sowie des "Clean Industrial Deals" und sollen die Erreichung der EU-Klimaziele bis 2040 unterstützen.

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