836 entlassene Arbeitskräfte in Österreich und Belgien erhalten EU-Unterstützung
Europäische Kommission stellt insgesamt 3,7 Millionen Euro für entlassene Arbeitskräfte in Österreich und Belgien bereit – Fonds-Mittel für Unterstützungsmaßnahmen zur Verbesserung von Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit sowie Weiterqualifizierung arbeitssuchender Personen
Aus dem "Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung zugunsten entlassener Arbeitnehmer" (Englisch: "European Globalisation Adjustment Fund for Displaced Workers", kurz: EGF) sollen 3,7 Millionen Euro für die Unterstützung von Arbeitskräften in Österreich und Belgien bereitgestellt werden. Dies hat die Europäische Kommission am 6. Februar 2026 vorgeschlagen. Die Mittel sollen insgesamt 836 Arbeitskräften in beiden Ländern – nach deren Entlassung durch die belgische Einrichtungskette Casa sowie den österreichischen Motorradhersteller KTM – zugutekommen.
Seit 2007 wurden aus dem EGF insgesamt 727 Millionen Euro gewährt. Dank dieser Mittel erhielten 181.000 Arbeitskräfte in 20 EU-Mitgliedstaaten in 186 Fällen Unterstützungsleistungen.
Der EGF-Tätigkeitsbericht von 14. November 2025 verdeutlicht, dass mit 81 Prozent mehr als 8 von 10 entlassenen Arbeitskräften innerhalb von 18 Monaten mit Hilfe des Fonds eine neue Arbeit aufnehmen konnten.
EGF-Gelder für entlassene Arbeitskräfte in Österreich und Belgien
Österreich: 420 entlassene Arbeitskräfte des österreichischen Motorradherstellers KTM sollen Unterstützung durch den EGF erhalten. KTM stellte die Produktion im April 2025 infolge hoher Verluste und Absatzrückgänge ein. Der EGF soll Berufsberatung und Berufsorientierung, Unterstützungsmaßnahmen bei der Arbeitssuche, die Vermittlung neuer Kompetenzen durch Betreuung sowie Coaching und Fortbildungsbeihilfen kofinanzieren.
Die Europäische Kommission unterstützt in diesem Fall Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt mit 1,8 Millionen Euro. 1,2 Millionen Euro sollen seitens der österreichischen öffentliche Arbeitsverwaltung (Arbeitsmarktservice, kurz: AMS) zur Verfügung stehen (angenommene Gesamtkosten: 3 Millionen Euro).
Belgien: Die belgische Einrichtungskette Casa hat im März 2025 Konkurs angemeldet. Die für 416 entlassene Arbeitskräfte bereitgestellten EGF-Mittel sollen dem Erwerb neuer Kompetenzen und der zügigen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt dienen.
Hierbei werden 85 Prozent (1,9 Millionen Euro) von der EU-Kommission und 15 Prozent (338.247 Euro) von der flämischen öffentlichen Arbeitsverwaltung übernommen (angenommene Gesamtkosten: 2,3 Millionen Euro).
Die nächsten Schritte
Der EGF-Vorschlag zur Unterstützung der 836 entlassenen Arbeitskräfte in Belgien und Österreich ist vom Europäischen Parlament und vom Rat der EU zu billigen. Für den Vorschlag sind eine einfache Mehrheit im Europäischen Parlament und eine qualifizierte Mehrheit im Rat erforderlich.
Hintergrund: "Europäischer Fonds für die Anpassung an die Globalisierung"
Der "Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung zugunsten entlassener Arbeitnehmer" (Englisch: "European Globalisation Adjustment Fund for Displaced Workers", kurz: EGF) soll die Rückkehr von Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Der Fonds finanziert Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, Arbeitsuche, Beratungsleistungen sowie Unternehmertum, wenn aufgrund größerer Umstrukturierungsmaßnahmen unerwartet viele Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Darüber hinaus ist er ein Notfonds, der nicht in die Obergrenze des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) fällt.
EGF-Unterstützung wird gewährt, wenn innerhalb eines definierten Zeitraums von 4 Monaten (bei Entlassungen im selben Unternehmen oder in derselben Region) oder innerhalb eines Zeitraums von 6 Monaten in einem Unternehmen oder einer Gruppe von Unternehmen (insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen) im selben Sektor und geografischen Gebiet ein Verlust von mehr als 200 Arbeitsplätzen von Beschäftigten oder Selbstständigen erfolgt. Ein EGF-Antrag muss seitens der EU-Mitgliedstaaten innerhalb von 12 Wochen ab dem Referenzzeitraum auftretender Entlassungen gestellt werden. Dieser wird von der Europäischen Kommission geprüft, die im nächsten Schritt der Haushaltsbehörde (Europäisches Parlament und Rat der EU) die Inanspruchnahme des EGF vorschlägt. Für den MFR 2021-2027 beträgt das EGF-Jahresbudget 210 Millionen Euro.
Im April 2025 erging der Vorschlag der Europäischen Kommission, den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und den "Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung zugunsten entlassener Arbeitnehmer" (EGF) hinsichtlich einer Ausweitung des Anwendungsbereichs zu ändern.
Ein im November 2025 gestartetes Pilotprojekt zur Kompetenzgarantie (Englisch: "European Competence Centre for Social Innovation") – mit Fokus auf die Automobilindustrie – soll Arbeitskräfte bei der Aneignung neuer beruflicher Fähigkeiten unterstützen. Die Kompetenzgarantie ist eine Leitinitiative im Rahmen der "Union der Kompetenzen".
Weiterführende Informationen
- Kommission stellt 3,7 Mio. EUR zur Unterstützung von 836 entlassenen Arbeitskräften in Österreich und Belgien bereit, Pressemitteilung der Europäischen Kommission
- Europäischer Fonds für die Anpassung an die Globalisierung (EGF), Website der Europäischen Kommission
- EGF-Verordnung, EUR-Lex
- Vorschlag der Kommission für eine EGF-Unterstützung für entlassene Arbeitskräfte bei Casa, Website der Europäischen Kommission (Englisch)
- Vorschlag der Kommission für eine EGF-Unterstützung für entlassene Arbeitskräfte bei KTM, Website der Europäischen Kommission (Englisch)
- Union der Kompetenzen, Website der Europäischen Kommission (Englisch)
- Pilotprojekt zur Kompetenzgarantie, Website der Europäischen Kommission
- Website des Europäischen Sozialfonds Plus