Neue Strategie gegen Waldbrände vorgelegt: Europa setzt auf umfassenden Schutz
Strategie setzt auf "integriertes Waldbrandrisikomanagement": Prävention, Vorbereitung, Reaktion und Wiederherstellung im Kampf gegen Waldbrände – Fokus auf widerstandsfähige Ökosysteme und bessere Frühwarnsysteme – Ausbau von Lösch- und Einsatzkapazitäten und Technologien soll Schutz von Menschen, Umwelt, Infrastruktur und kulturellem Erbe deutlich verbessern.
Die Europäische Kommission hat am 25. März 2026 eine neue Strategie vorgestellt, um der wachsenden Gefahr durch Waldbrände in Europa zu begegnen. Angesichts immer häufiger auftretender, größerer und intensiverer Brände setzt der Ansatz der Kommission auf ein "integriertes Waldbrandrisikomanagement" entlang des gesamten Zyklus: von der Prävention über die Vorbereitung und Reaktion bis hin zur Wiederherstellung. Ziel ist es, Menschen, Umwelt, Infrastruktur und kulturelles Erbe besser zu schützen und die Widerstandsfähigkeit Europas nachhaltig zu stärken.
Exekutiv-Vizepräsidentin Ribera: "Investitionen in gesunde Ökosysteme werden uns helfen"
Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und in der Kommission für einen sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel zuständig, sagte dazu:
"Die Zahl und Intensität der Waldbrände auf dem gesamten Kontinent nimmt besorgniserregend zu und zerstört Ökosysteme und Infrastrukturen, was sich auf die Menschen und die Wirtschaft auswirkt. Die Stärkung unserer Präventions- und Resilienzkapazitäten und Investitionen in gesunde Ökosysteme werden uns helfen, die gefährlichsten Risiken zu reduzieren und die Kosten und Schäden zu minimieren."
Orientierung für EU-Mitgliedstaaten und Regionen
Die Strategie steht im Einklang mit der sogenannten "Strategie der Vorsorgeunion" der Europäischen Kommission und liefert konkrete Leitlinien für nationale und regionale Behörden sowie weitere Akteurinnen und Akteure. Diese Leitlinien sollen aufzeigen, wie sich Maßnahmen zur Brandverhütung, Einsatzplanung und Erholung der Natur systematisch umsetzen lassen. Ergänzend plant die Europäische Kommission aktualisierte Vorgaben zur Risikobewertung, die künftig in nationale Berichte integriert werden und eine bessere langfristige Planung ermöglichen sollen.
Klimawandel verschärft die Lage
Die Dringlichkeit der neuen Strategie wird nach Angaben der Europäischen- Kommission durch aktuelle Entwicklungen unterstrichen: 2025 verzeichnete Europa mit mehr als 1 Million Hektar verbrannter Fläche die schwerste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Als Hauptursache gilt der fortschreitende Klimawandel, der extreme Wetterbedingungen begünstigt. Vor diesem Hintergrund soll die Wiederherstellung gesunder Ökosysteme zu einem zentralen Baustein der Strategie werden, da diese widerstandsfähiger gegenüber Bränden seien.
Fokus auf Prävention und widerstandsfähige Landschaften
Ein Schwerpunkt der Strategie liegt auf vorbeugenden Maßnahmen. Die Kommission will verstärkt auf naturbasierte Lösungen setzen, um sogenannte "feuerresistente" Landschaften zu schaffen. Dazu gehört auch ein neuer Leitfaden für die sogenannten "Natura-2000-Gebiete" der EU, dem größten Netzwerk von Schutzgebieten der Welt. Der Leitfaden soll aufzeigen, wie sich Klimaanpassung und Naturschutz miteinander verbinden lassen. Die Europäische Kommission möchte zudem das Bewusstsein der Europäerinnen und Europäer weiter stärken und Bürgerinnen sowie Bürger aktiv in Vorsorgemaßnahmen einbeziehen. Geplant sind unter anderem Bildungsinitiativen, Programme für junge Menschen sowie Möglichkeiten für Austausch und freiwilliges Engagement. Ein eigens eingerichtetes Europäisches Bürgerinnen- beziehungsweise Bürgerforum soll diesen Dialog unterstützen.
Ausbau von Technologien, Ausbildung und Zusammenarbeit
Zur Verbesserung der Einsatzfähigkeit sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden:
- Der fachliche Austausch von Feuerwehrpersonal sowie Expertinnen und Experten soll intensiviert und die Zusammenarbeit mit besonders betroffenen Regionen weltweit ausgebaut werden.
- Technologisch soll das europäische Waldbrandinformationssystem (Englisch: "European Forest Fire Information System", kurz: EFFIS) weiterentwickelt werden, unter anderem mit besseren Frühwarnsystemen und KI-gestützten Modellen (KI: kurz für künstliche Intelligenz) zur Risikoanalyse. Diese Modelle sollen Entscheidungsträgerinnen und -träger bei Prävention und Einsatzplanung unterstützen.
Verstärkung der europäischen Einsatzkapazitäten
Auch die operativen Mittel sollen ausgebaut werden. Die strategische Reserve europäischer Katastrophenabwehrkapazitäten und -vorräte "rescEU" wird um zusätzliche 12 Löschflugzeuge und 5 Hubschrauber erweitert. Erste neue Einheiten stehen demnach bereits für die kommende Brandsaisonen bereit.
Zudem plant die Europäische Kommission ein europäisches Ausbildungs- und Einsatzzentrum auf Zypern, das sowohl der praktischen Brandbekämpfung als auch dem Kapazitätsaufbau dienen soll. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gesundheit von Feuerwehrleuten. Künftig sollen Daten systematisch erfasst werden, um langfristige Risiken durch gefährliche Einsätze besser zu verstehen und zu reduzieren. Parallel dazu plant die Kommission den Austausch bewährter Methoden für den Wiederaufbau nach Bränden zu fördern, mit dem Ziel, Ökosysteme klimaresilienter zu gestalten.
Hintergrund: Aufbau auf bestehenden EU-Instrumenten
Die neue Strategie baut auf bereits bestehenden Maßnahmen wie dem EU-Katastrophenschutzverfahren und der strategischen Reserve "rescEU" auf, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle bei der grenzüberschreitenden Hilfe gespielt haben. Sie ist Teil einer umfassenderen europäischen Vorsorgepolitik, die 2025 weiterentwickelt wurde. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten, Regionen und weiteren Akteurinnen und Akteuren. Fortschritte sollen regelmäßig überprüft und an die EU-Institutionen berichtet werden.