"Europa-Stammtisch" in Eisenstadt: Dialog auf Augenhöhe über Europas Zukunft
Gemeinden, Jugend und Politik im offenen Austausch: Beim „Europa-Stammtisch“ in Eisenstadt diskutierten Europa-Gemeinderätinnen und -räte sowie Schülerinnen und Schüler aus dem Burgenland mit Europaministerin Claudia Bauer über bisherige Errungenschaften der EU, aktuelle Herausforderungen und die gemeinsame Verantwortung für Europas Zukunft
Nach dem Auftakt in Linz im November 2025 machte das von Europaministerin Claudia Bauer initiierte Dialogformat des "Europa-Stammtischs" am 16. Jänner 2026 im Rathaus Eisenstadt Station. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Europa-Gemeinderätinnen und -Gemeinderäte in allen österreichischen Bundesländern miteinander zu vernetzen und den direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zu ermöglichen. In Eisenstadt stand der offene Dialog von Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäten aus dem Burgenland mit Europaministerin Claudia Bauer im Mittelpunkt. Aktiv mitdiskutiert haben zudem Schülerinnen und Schüler der BHAK/BHAS Eisenstadt sowie die EUROPE DIRECT-Infostelle Burgenland.
Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Steiner: Europa im Alltag der Menschen
Eröffnet wurde der „"Europa-Stammtisch2 von Eisenstadts Bürgermeister, Thomas Steiner, der in seiner Begrüßung die große Bedeutung Europas für den Alltag der Menschen hervorhob. Europa sei "immer wichtig", so Steiner, und müsse den Menschen noch nähergebracht werden. "Wir leben jeden Tag Europa – Europa betrifft jeden Einzelnen", hielt der Bürgermeister – der seit 2025 auch vom Österreichischen Städtebund als dessen Vizepräsident nominiertes Mitglied im Europäischen Ausschuss der Regionen (AdR) ist – fest. Gerade Gemeinden seien besonders von Entscheidungen der Europäischen Union betroffen, etwa wenn es um konkrete gesetzliche Vorgaben oder Projekte gehe, die vor Ort umgesetzt werden. Angesichts aktueller geopolitischer Herausforderungen stehe nicht nur Österreich, sondern auch die Europäische Union als Gemeinschaft vor einer Bewährungsprobe: Umso wichtiger sei es, zusammenzustehen und zu zeigen, "dass die EU etwas ist, auf das man bauen muss".
Europaministerin Claudia Bauer: Europas Zukunftsfragen
Den inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung bildeten die anschließende Diskussionsrunde mit Europaministerin Claudia Bauer. Sie unterstrich gleich zu Beginn in ihren einleitenden Worten, dass es notwendig sei, sich den großen europäischen Zukunftsfragen zu stellen – gemeinsam und im offenen Austausch. Besonders erfreut zeigte sie sich über die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern der BHAK/BHAS Eisenstadt: "Ich freue mich sehr, dass heute junge Menschen dabei sind, denn es geht auch um Euch und Eure Zukunft."
31 Jahre österreichische EU-Mitgliedschaft: Frieden, Freiheit und neue Chancen
Mit Blick auf nunmehr 31 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs zog Bauer eine positive Bilanz. In dieser Zeit seien massive Errungenschaften erreicht worden: An erster Stelle müsse erwähnt werden, dass die europäische Integration nach 2 Weltkriegen auf dem Kontinent den Frieden gesichert habe – "was in heutigen Zeiten alles andere als garantiert ist", so Bauer mit Blick auf geopolitische Herausforderungen. Österreich sei seit 1. Jänner 1995 "im Herzen Europa zu Hause", und der europäische Binnenmarkt habe Barrieren für Österreich und ganz Europa abgebaut. Mobilitätsprogramme wie "Erasmus+" würden dazu beitragen, Grenzen zu überschreiten und neue Perspektiven zu eröffnen. Gerade für junge Menschen seien Erfahrungen in anderen Staaten besonders wertvoll, da sie mit neuen Eindrücken und Ideen nach Hause zurückkehrten. Gleichzeitig betonte Bauer, dass die Europäische Union "work in progress" und kein fertiges Projekt sei:
"Wir müssen ständig daran arbeiten, die EU selbst zu verbessern. Europa muss auch geopolitisch klar Stellung beziehen und seine Rolle selbstbewusst wahrnehmen. Entscheidend ist dabei das Miteinander. Wir müssen aufeinander zugehen und miteinander sprechen. Diskutieren wir wieder miteinander, wie heute beim 'Europa-Stammtisch', denn das macht uns als Europäerinnen und Europäer aus!"
Die EU im Gespräch: Fragen zu Verantwortung, Desinformation und Identität
In der anschließenden Diskussion nutzten die Teilnehmenden – darunter viele Schülerinnen und Schüler – die Gelegenheit, Fragen an Europaministerin Claudia Bauer zu richten. Zur Rolle Österreichs in der EU erklärte Bauer, dass diese nicht nur geografisch eine besonders einzigartige sei: Durch seine Nachbarschaft und Nähe zu 8 Staaten, darunter 6 EU-Mitgliedstaaten, trage Österreich Verantwortung und habe das Potenzial, stark verbindend zu wirken, was besonders bei Meinungsunterschieden bedeutsam sei. Angesprochen auf das Thema Desinformation verwies die Europaministerin auf aktuelle Versuche externer Akteure, die EU durch Falschinformationen zu destabilisieren. Umso wichtiger sei es, sowohl bei jungen Menschen als auch bei Erwachsenen Medienkompetenz zu stärken: Sie sei das "Rüstzeug, um sich wirksam gegen Desinformation abzusichern".
Auch die Frage nach einer Stärkung der europäischen Identität in Österreich spielte eine zentrale Rolle. Europaministerin Bauer strich hervor, dass Initiativen der politischen Bildung, wie etwa die vom Bundeskanzleramt geförderten Schülerinnen- und Schülerreisen nach Brüssel, entscheidend seien, um bereits ab der Ausbildungsphase ein europäisches Bewusstsein zu entwickeln. Bauer erinnerte zudem daran, dass Österreich seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" 1989 und seit seinem EU-Beitritt 1995 "in die Mitte Europas gerückt" sei und heute auf starke Partnerschaften bauen könne. Viele Errungenschaften der EU, wie etwa die Abschaffung der Roaminggebühren, würden man mittlerweile als selbstverständlich wahrnehmen, seien aber das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit.
Die Rolle der EU in der Welt: Erweiterung, Zusammenhalt und gemeinsame Stärken
Einen weiteren thematischen Schwerpunkt der Diskussionsrunde bildeten aktuelle geopolitische Herausforderungen, etwa die transatlantischen Beziehungen oder Entwicklungen im Hinblick auf die Vereinigten Staaten und Grönland, sowie die EU-Erweiterungsperspektiven bezüglich der 6 Länder des Westbalkans. Österreich sei in dieser Region ein starker Partner – historisch, wirtschaftlich, kulturell und politisch. Es gelte, vor vielen Jahren gegebene Versprechen einzuhalten und insbesondere den jungen Menschen vor Ort die Hoffnung auf einen EU-Beitritt nicht zu nehmen, so Bauer, die dabei betonte:
"Wir müssen uns in der Region des Westbalkans einbringen. Trotz mancher Hürden hat die Europäische Union große Stärken, insbesondere in ihren internationalen Beziehungen und im gemeinsamen Einsatz für Recht und Freiheit. Lassen wir daher die Diskussion nicht in diesem Raum enden, sondern setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass sie nach außen getragen wird! Unser Ziel muss lauten, gemeinsam Überzeugungsarbeit für Europa zu leisten."
Hintergrund: Die Europa-Gemeinderätinnen und -Gemeinderäte-Initiative in Österreich
Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte sind in Österreich auf lokaler Ebene die ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, wenn es um die wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung Europas in den Gemeinden geht. Sie vermitteln EU-Themen auf lokaler und regionaler Ebene, unterstützen bei der Umsetzung von EU-Entscheidungen auf Gemeindeebene, informieren Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden über aktuelle Entwicklungen in der Europäischen Union und tragen EU-relevante Anregungen und Ideen aus den Gemeinden an die österreichische Bundesregierung heran.
Aktuell zählt die überparteiliche Initiative "Europa fängt in der Gemeinde an", die 2010 ins Leben gerufen und federführend vom Bundeskanzleramt koordiniert wird, mehr als 1.600 Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte in allen Bundesländern.
Der "Europa-Stammtisch" am 16. Jänner 2026 in Eisenstadt (Burgenland) war nach einem Auftakt in Linz (Oberösterreich) am 25. November 2025 die 2. Veranstaltung des von Europaministerin Claudia Bauer initiierten Dialogformats und wird vom Bundeskanzleramt umgesetzt. Die rege Beteiligung an den Diskussionen zeigt, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik, Gemeinden und den Generationen ist – als ein gelebter Dialog über die Zukunft Europas. Das Format der "Europa-Stammtische" soll 2026 in weiteren Bundesländern fortgeführt werden.