Kommission startet mit den EU-Mitgliedstaaten eine kollaborative "Cloud" für das europäische Kulturerbe

Neue digitale Dimension für den Erhalt des europäischen Kulturerbes – Spitzentechnologien für die Digitalisierung von Artefakten, die wissenschaftliche Untersuchung von Kunstwerken und zur Dokumentation – Vor allem kleinere Institutionen oder Einrichtungen in abgelegenen Regionen sollen von der Digitalisierungsoffensive profitieren

Kommissarin für Bildung und Kultur Marija Gabriel

Am 21. Juni 2022 hat die Europäische Kommission einen Dialog mit den EU-Mitgliedstaaten über den gemeinsamen Aufbau einer kollaborativen "Cloud" für das europäische Kulturerbe eingeleitet. Diese digitale Infrastruktur soll dem Erhalt der europäischen Kulturschätze dienen sowie Co-Creation und Zusammenarbeit zwischen dem Kultur- und Kreativsektor und der Technologiebranche fördern.

Kommissarin Gabriel: "Neue digitale Dimension für das reiche kulturelle Erbe Europas"

Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, hatte gemeinsam mit den nationalen Ministerinnen und Minister für Kultur und Wissenschaft sowie hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments die Grundlagen für die europäische kollaborative "Cloud" gelegt. Sie betonte: "Das reiche kulturelle Erbe Europas wird mit der europäischen kollaborativen 'Cloud' für das Kulturerbe eine neue digitale Dimension erhalten. Diese europäische Initiative wird Fachleuten in der Forschung und in den Museen sowie Kuratorinnen und Kuratoren die Zusammenarbeit erleichtern, um unser kulturelles Erbe zu bewahren, den Zugang zu kulturellen Inhalten zu vereinfachen und dafür zu sorgen, dass auch künftige Generationen in den Genuss dieses Kulturerbes kommen. Zudem erhalten kleinere Museen und Kultureinrichtungen neue Möglichkeiten, um die Digitalisierung voranzubringen und in einer sicheren, hoch professionellen Umgebung gemeinsam Projekte umzusetzen."

Bis 2025 110 Millionen Euro für die interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bis 2025 sollen für die kollaborative Cloud 110 Millionen Euro aus dem Programm "Horizon Europe" bereitgestellt werden, um eine Infrastruktur zu schaffen, die eine umfassende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten in den Bereichen Kulturerbe, Kuration, Archivierung und Konservierung ermöglichen soll. In der "Cloud" sollen Spitzentechnologien für die Digitalisierung von Artefakten, für die wissenschaftliche Untersuchung von Kunstwerken und zur Dokumentation bereitgestellt werden, so dass der Erhalt sowie die Konservierung und Restaurierung des Kulturerbes um eine neue digitale Dimension erweitert werden. Ziel ist es, den Zugang zu fortschrittlichen Technologien zu erleichtern und Hindernisse zu beseitigen, mit denen vor allem kleinere Institutionen oder Einrichtungen in abgelegenen Regionen konfrontiert sind.

In einem ersten Schritt haben 8 unabhängige Sachverständige eine "Ex-ante-Folgenabschätzung" zur kollaborativen "Cloud" vorgenommen, deren Ergebnisse seit kurzem vorliegen. Die Entwicklung der "Cloud" erfolgt im Rahmen von "Horizon Europe", dem EU-Programm für Forschung und Innovation (2021-2027). Das Programm umfasst erstmals einen "Cluster", der sich ausschließlich mit Kreativität, Kulturerbe und Inklusion befasst und über ein Gesamtbudget von 2,28 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2021 bis 2027 verfügt. Die Europäische Kommission wird in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten das "Horizon Europe"-Arbeitsprogramm für die Einrichtung der "Cloud"-Infrastruktur und den Aufbau der Dienste und Tools festlegen. Die ersten Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen sollen in den Jahren 2023 und 2024 veröffentlicht werden.

Bislang sind nur 30 bis 50 Prozent der kulturellen Sammlungen in Europa digitalisiert. Zudem sind die meisten angewandten Standards weder einheitlich noch rückverfolgbar oder sicher, was das materielle und immaterielle Kulturgut Europas gefährdet. Noch niedriger ist der Anteil digitalisierter Artefakte bei dreidimensionalen Darstellungen großer Strukturen und Landschaften, die Teil des Kulturerbes sind. Digitalisierte Darstellungen sollen künftig als Grundlage für vertiefte wissenschaftliche Forschung dienen.

Hintergrund: Nachhaltige Gestaltung und Digitalisierung des kulturellen Erbes

Die Aktivitäten im Rahmen des "Horizon Europe"-Clusters "Kultur, Kreativität und inklusive Gesellschaft" sollen dazu beitragen, das kulturelle Erbe Europas nachhaltig zu gestalten und zu digitalisieren. Die EU fördert Innovation und Kreativität im Kunstsektor und in der Kultur- und Kreativwirtschaft im Rahmen verschiedener Programme:

  • Kreatives Europa: Das Programm "Kreatives Europa" umfasst erstmals eine sektorale Komponente zur Förderung des Kulturerbes.
  • "Neues Europäisches Bauhaus" (NEB): Das "Neue Europäische Bauhaus" ist die Leitinitiative der EU in den Bereichen soziale Inklusion, Nachhaltigkeit und Ästhetik. Mit der "Cloud"-Infrastruktur kommt die EU einer dringenden Forderung aus dem Kultursektor nach. Die "Cloud" soll dazu beitragen, einzigartige europäische Artefakte, Kulturlandschaften, historische Stätten und Gebäude im digitalen Zeitalter besser zu erhalten.
  • "Horizon 2020": Im Rahmen von "Horizon 2020" (2014 bis 2020), dem Vorgängerprogramm von "Horizon Europe" für Forschung und Innovation (2021 bis 2027), sind mehr als 60 Millionen Euro in Forschungs- und Innovationsprojekte investiert worden, um Instrumente und Methoden zum Erhalt des materiellen und immateriellen Kulturerbes zu entwickeln, den illegalen Handel mit gefährdetem Kulturerbe zu bekämpfen, den Zugang zum Kulturerbe zu erleichtern und den Kulturtourismus zu fördern.

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