Jahr 1866

Um die Vorherrschaft in der Mitte Europas: die Schlacht von Königgrätz

Um die Vorherrschaft in der Mitte Europas: die Schlacht von Königgrätz
- Foto: Österreichisches Staatsarchiv / Abt. Kriegsarchiv

Nach dem im Rahmen des Deutschen Bundes 1864 noch gemeinsam mit Preußen geführten Feldzugs gegen Dänemark um Schleswig und Holstein kamen die latenten Spannungen zwischen den beiden Ländern um die Vormacht im Deutschen Bund voll zum Ausbruch. Der preußische Reichskanzler Otto von Bismarck drängte auf eine kriegerische Entscheidung und schloss im Frühjahr 1866 ein zeitlich befristetes Militärbündnis mit Italien ab. Zwar wurde die italienische Streitmacht sowohl auf dem Land bei Custoza als auch auf See vor der Insel Lissa (Vis) besiegt, doch unterlag Österreich mit den mit ihm verbündeten mittel- und süddeutschen Staaten in der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz (Sadová) Preußen.

Österreich musste der Auflösung des Deutschen Bundes und der sogenannten kleindeutschen Lösung unter der Hegemonie Preußens zustimmen; territorial ging nach der Lombardei (1859/60) nun auch Venetien an Italien verloren. Innerstaatlich sah sich Kaiser Franz Joseph zu Zugeständnissen veranlasst. Mit dem ungarischen Ausgleich wurde die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn begründet und in der österreichischen Reichshälfte arrangierte sich der Kaiser mit dem liberalen Bürgertum in der aus fünf Staatsgrundgesetzen bestehenden "Dezemberverfassung 1867".

Mit dem Staatsgrundgesetz über die Reichsvertretung wurde ein auf dem Zensuswahlrecht basierendes Zweikammerparlament konstituiert. Das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger enthielt u. a. Bestimmungen, welche die vollständige rechtliche Gleichstellung der Juden bedeuteten.