EU startet "RESourceEU"-Aktionsplan zur Sicherung kritischer Rohstoffe

Aktionsplan zur Stärkung der Versorgungssicherheit durch Investitionen, schnellere Genehmigungen und Schutz vor geopolitischen Risiken – Mehr Recycling und Exportkontrollen sollen Abhängigkeiten reduzieren und Rohstoffkreisläufe in der EU fördern

Ein Computerchip liegt in einer Handfläche

Die Europäische Kommission hat am 3. Dezember 2025 den Aktionsplan "RESourceEU" verabschiedet – ein zentraler Schritt, um die Versorgung der EU mit so genannten "kritischen Rohstoffen" zu sichern, Abhängigkeiten zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken. Ziel ist es, mit konkreten Maßnahmen und finanzieller Unterstützung strategische Rohstoffprojekte in Europa und darüber hinaus voranzutreiben.

Was "RESourceEU" konkret vorsieht

Durch "RESourceEU" sollen Investitionen in kritische Rohstoffprojekte erleichtert werden – durch Risikominderung und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Die Europäische Kommission strebt an, regulatorische Hürden abzubauen und strategische Projekte, mit denen sich die Abhängigkeit der EU bis 2029 deutlich verringern lässt, gezielt zu fördern. In den kommenden 12 Monaten sollen seitens der EU rund 3 Milliarden Euro bereitgestellt werden, so der Plan der Kommission, um Projekte zu unterstützen, die kurzfristig alternative Lieferquellen ermöglichen. Beispiele für solche vorrangigen Vorhaben sind etwa ein Lithiumförderprojekt in Tschechien und ein Molybdän-Projekt im Norden Grönlands.

Errichtung eines "Europäischen Zentrums für kritische Rohstoffe" soll Schutz vor geopolitischen Gefahren und Preisschocks stärken

Die EU-Kommission plant mit Beginn 2026 ein "Europäisches Zentrum für kritische Rohstoffe" zu eröffnen. Dieses Zentrum soll Marktinformationen bereitstellen, strategische Projekte koordinieren und als Portfoliomanager für eine diversifizierte und widerstandsfähige Lieferkette fungieren. So sollen Industrieunternehmen besser vor geopolitischen Schwankungen und Rohstoffpreis-Schocks geschützt werden.

Zusätzlich sieht der Aktionsplan die Errichtung eines "Rohstoffmechanismus'" vor, der Unternehmen durch gemeinsame Nachfrage, Abnahmevereinbarungen und aggregierte Bestellungen den Einkauf strategischer Rohstoffe erleichtern soll. Parallel dazu laufen Vorbereitungen für ein EU-weites Konzept zur Bevorratung kritischer Rohstoffe – mit einem Pilotprojekt, das ab Anfang 2026 starten soll.

Kreislaufwirtschaft, Recycling und Exportbeschränkungen

Ein bedeutender Baustein von "RESourceEU" ist der Ausbau der Recyclingkapazitäten innerhalb der EU. Die EU-Kommission sieht vor, Beschränkungen für die Ausfuhr von Schrott und Abfällen aus Permanentmagneten vorzuschlagen. Im Frühjahr 2026 könnten zusätzlich Exportzölle auf Aluminiumschrott und Kupfer eingeführt werden. So soll Recycling attraktiver und Europa weniger abhängig von Primärrohstoffen werden.

Außerdem sollen die Vorschriften des bestehenden EU-Gesetzes zur Versorgungssicherheit mit wichtigen Rohstoffen ("Critical Raw Materials Act", kurz: CRMA) angepasst werden – etwa durch strengere Produktkennzeichnung und Anreize für das Recycling von Produktionsabfällen (Vorverbraucherabfälle). Gerade für Permanentmagnete, die etwa in Elektromotoren oder Windkraftanlagen verwendet werden, soll der Recyclinganteil steigen.

Internationale Partnerschaften und Lieferketten-Diversifizierung

Zudem setzt die EU auch auf internationale Kooperation. Bestehende strategische Rohstoffpartnerschaften mit ressourcenreichen Ländern sollen vertieft werden – so ist etwa eine neue Partnerschaft mit Brasilien geplant. Darüber hinaus will die EU entsprechende Investitionsrahmen für integrierte Wertschöpfungsketten mit Regionen wie der Ukraine, dem Westbalkan und der Südlichen Nachbarschaft schaffen. Auch multilateral engagiert sich die EU: Sie unterstützt Initiativen wie die von Kanada geführte G7-Allianz für kritische Mineralien und den G20-Rahmen zur Diversifizierung strategischer Rohstoffe.

Hintergrund: "RESourceEU"

Der "RESourceEU"-Plan knüpft an den bereits 2023 verabschiedeten "Critical Raw Materials Act" (CRMA) der EU an, der darauf abzielt, die Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen stärker innerhalb der EU abzuwickeln, inklusive Förderung, Verarbeitung und Recycling.

Hintergrund für den nun präsentierten Vorstoß sind Entwicklungen wie die zunehmende strategische Nutzung von Rohstoffexporten durch rohstoffexportierende Staaten – ein Risiko für Industrien, die stark auf seltene Rohstoffe angewiesen sind. Gerade Bereiche wie der Automobilbau, der Sektor der erneuerbaren Energien, Verteidigung, Elektronik oder Hightech – etwa Künstliche Intelligenz-Chips – hängen von zuverlässigen Lieferketten ab. "RESourceEU" soll die Abhängigkeit von einzelnen Ländern verringern und die Versorgungssicherheit stärken.

Zudem setzt die EU auf Mechanismen der Kreislaufwirtschaft: Durch Recycling und nachhaltige Verarbeitung sollen langfristig ein Teil der Rohstoffe wiederverwendet und die Umweltbelastung reduziert werden.