Jahr 1955

Freiheit und Souveränität: das Moskauer Memorandum

Vom 11. bis 15. April 1955 fanden in Moskau die entscheidenden Staatsvertragsverhandlungen statt. Der österreichischen Regierungsdelegation – bestehend aus Bundeskanzler Julius Raab, Vizekanzler Adolf Schärf, Außenminister Leopold Figl und Staatssekretär Bruno Kreisky – gelang es, mit der sowjetischen Führung eine Einigung zu erzielen, nachdem die Westmächte schon ein Jahr zuvor bei der Berliner Außenministerkonferenz ihre Karten auf den Tisch gelegt hatten.

Das Moskauer Memorandum bildete die Voraussetzung für den am 15. Mai 1955 unterzeichneten Österreichischen Staatsvertrag. Die Sowjetunion erklärte sich zum vollständigen Abzug ihrer Truppen und zur Räumung des Landes bereit. Österreich erhielt seine volle Souveränität zurück und verpflichtete sich im Gegenzug, "immerwährend eine Neutralität der Art zu üben, wie sie von der Schweiz gehandhabt wird." Bei ihrer Rückkehr aus Moskau wurde die österreichische Delegation am Flugfeld von Bad Vöslau triumphal empfangen. 

Freiheit und Souveränität: das Moskauer Memorandum
- Foto: ÖNB/Cermak, Österreichisches Staatsarchiv / Abt. Archiv der Republik