Jahr 1938

Finis Austriae: der Anschluss an Hitler-Deutschland

Am 11. März 1938 erzwang Adolf Hitler unter Androhung von militärischer Gewalt die Absage der von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg angesetzten Volksbefragung über die österreichische Unabhängigkeit und den Rücktritt der Regierung Schuschnigg.

Ungeachtet der am späten Abend des 11. März erfolgten Ernennung des Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Nachfolger Schuschniggs erteilte Hitler den Einmarschbefehl. Schon am Abend hatten die Nationalsozialisten in zahlreichen Städten auf der Straße die Macht ergriffen. In den frühen Morgenstunden des 12. März 1938 überquerte die Deutsche Wehrmacht, ohne auf Widerstand zu stoßen, die österreichische Grenze. Sofort begann der Terror gegen die jüdische Bevölkerung, Roma, Sinti, Homosexuelle sowie weitere politische, religiöse und weltanschauliche Gegner. Stolz präsentierte die NS-Propaganda menschenverachtende Bilder von den sogenannten "Reibpartien": Jüdinnen und Juden wurden von der SA gezwungen, Parolen für die Volksbefragung Schuschniggs von den Straßen zu waschen, während Nationalsozialisten begeistert die Arme zum Hitler-Gruß hochrissen.

Am 13. März beschloss die Regierung Seyß-Inquart das "Bundesverfassungsgesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich". Zur nachträglichen Legitimation setzten die Nationalsozialisten für den 10. April 1938 eine Volksabstimmung im gesamten Deutschen Reich über den Anschluss an. Offiziell stimmten 99,73 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher für den Anschluss, nachdem die jüdische Bevölkerung gemäß den Nürnberger Rassegesetzen und sämtliche sonstige Gegner des NS-Regimes von der Abstimmung ausgeschlossen worden waren. 

Finis Austriae: der Anschluss an Hitler-Deutschland
- Foto: ÖNB/Bildarchiv und Grafiksammlung, Österreichisches Staatsarchiv / Abt. Archiv der Republik