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Wissenschaft und Forschung

Eine Frau mit Labor-Ausstattung (Mantel, Handschuhe, Maske, Kopfbedeckung) blickt durch ein Mikroskop

Im Zentrum der Anstrengungen der Europäischen Union in der Bekämpfung der derzeitigen gesundheitspolitischen Krise steht vor allem die Förderung von Forschungsanstrengungen zur Bekämpfung des Covid-19-Erregers SARS-CoV-2. Die Finanzmittel sollen Forschungs- und Innovationsmaßnahmen zur Entwicklung von Impfstoffen, neuen Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und medizinischen Systemen fördern.

Aufstockung des "Horizon 2020"-Programms

Da die Krise nur durch wirkungsvolle Medikamente beziehungsweise einen Impfstoff zur Gänze überwunden werden kann, stellt die Europäische Kommission Gelder aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm "Horizon 2020" exklusiv zur Unterstützung der Forschung über das Coronavirus bereit. Das Gesamtbudget des Programms "Horizon 2020" beläuft sich auf 48,5 Millionen Euro, wobei davon 18 Projekte aus der gesamten EU ausschließlich für diese Zwecke unterstützt werden. An den Projekten sind 151 Forschungsteams aus der ganzen Welt beteiligt.

EU organisiert Spendenmarathon – 7,4 Milliarden Euro für Impfstoff-Entwicklung

Bei einem von der EU initiierten internationalen Spendenmarathon am 4. Mai 2020 kamen insgesamt 7,4 Milliarden Euro für die Entwicklung und weltweite Bereitstellung von Corona-Tests, Behandlungsmethoden und -Impfstoffen zusammen. Die zugesagten Geldmittel stammen von Staaten und Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen.

Bis Ende Mai 2020 können weitere finanzielle Beiträge für den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie online eingereicht werden. Die Spenderinnen und Spender können selbst entscheiden, ob sie eine der Prioritäten – Testen, Behandeln, Vorsorgen – oder allgemein die Gesundheitssysteme in der ganzen Welt bei der Bewältigung von Covid-19 unterstützen möchten.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte im Anschluss an die Konferenz: "Heute hat die Welt zum Wohle aller außerordentliche Einigkeit bewiesen. Damit sind wir auf einem guten Weg, einen Impfstoff für alle zu entwickeln, herzustellen und einzusetzen. Doch das ist erst der Anfang. Wir dürfen jetzt nicht innehalten, sondern müssen noch mehr Einsatz zeigen. Der Spendenmarathon läuft weiter. Nicht nur die Regierungen, auch die Zivilgesellschaft und jeder Einzelne von uns ist jetzt gefragt."

7,5 Milliarden Euro (etwa 8 Milliarden US-Dollar) decken nach Auffassung führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Gesundheitsexpertinnen und -experten des von der WHO und der Weltbank eingerichteten Monitoring-Ausschusses für globale Krisenprävention den ersten unmittelbaren Bedarf für die Entwicklung von Lösungen für Diagnose, Behandlung und Ansteckungsschutz sowie zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19. Mit ihrer Geberinitiative zur weltweiten Corona-Krisenreaktion übernehmen die EU und ihre Partner eine führende Rolle bei den internationalen Bemühungen zur Schließung dieser Finanzierungslücke.

Die Empfänger der zugesagten Geldmittel sind die folgenden Institutionen:

  • CEPI (Koalition für Innovationen in der Epidemievorsorge) – für Impfstoffe
  • GAVI (Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung) – in Bezug auf das Coronavirus
  • Therapeutics Accelerator – für Therapeutika
  • FIND (Stiftung für innovative neue Diagnostika) – für Diagnostika
  • WHO (Weltgesundheitsorganisation) – für die Gesundheitssysteme (in Bezug auf das Coronavirus)

Bundeskanzler Sebastian Kurz hat bei der internationalen Geberkonferenz 31 Millionen Euro als österreichischen Beitrag zugesagt. Zusätzlich sollen von österreichischer Seite 2 Millionen Euro an CEPI und knapp 3 Millionen Euro an die WHO (insbesondere zum Einsatz in Afrika sowie dem Nahen Osten, vor allem in Syrien) gespendet werden. Auf nationaler Ebene investiert die österreichische Bundesregierung 26 Millionen Euro an Geldmitteln in die Corona-Forschung.

Die Europäische Kommission registriert und verbucht die Spenden, erhält jedoch kein Geld auf ihre Konten. Die Mittel fließen direkt an die Empfänger-Institutionen. Diese entscheiden in Absprache mit den Partnern der Initiative, wofür die Spenden eingesetzt werden. Alle neuen Diagnostika und Therapeutika müssen weltweit zu einem erschwinglichen Preis bereitgestellt werden – unabhängig davon, wo sie entwickelt wurden.

Weitere Informationen:

Aktionsplan "ERAvsCorona"

Die Aufstockung der "Horizon 2020"-Mittel und die internationale Geberkonferenz am 4. Mai 2020 sind Teil des Aktionsplans "ERAvsCorona". Mehr als 50 laufende oder abgeschlossene Projekte des Europäischen Forschungsrates tragen zur Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie bei, indem sie Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen (Virologie, Epidemiologie, Immunologie, öffentliche Gesundheit, Medizinprodukte, soziales Verhalten, Krisenmanagement) liefern.

Die EU hat im Rahmen der Initiative "Innovative Arzneimittel" bis zu 90 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Mitteln mobilisiert und dem innovativen Unternehmen "CureVac" bis zu 80 Millionen Euro zur finanziellen Unterstützung der Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus angeboten. Eine weitere Initiative betrifft Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen (KMUs): Deren Innovationen können ebenfalls zur Bewältigung der Pandemie beitragen. Im Rahmen des Förderinstruments "European Innovation Council Accelerator" wurde ein Aufruf zu Interessensbekundungen mit einer Mittelausstattung von 164 Millionen Euro gestartet.

Unter dem Motto "EUvsVirus" organisierte die Kommission von 24. bis 26. April 2020 einen Hackathon. Die Teilnehmenden waren aufgerufen, technische Lösungen für Probleme rund um die Coronavirus-Pandemie zu entwickeln: Wie kann medizinische Schutzausrüstung schnell produziert, wie Wissen zwischen Ländern ausgetauscht werden? Die besten Teams bekommen über den Europäischen Innovationsrat Coaching und Finanzierungsmöglichkeiten.

Datenschutzkonforme Standards für Apps zur Kontaktnachverfolgung

Die Europäische Kommission hat am 16. April 2020 eine Toolbox und Leitlinien für die freiwillige Nutzung datenschutzkonformer Apps zur Kontaktnachverfolgung und Warnung vorgelegt. Die Bluetooth-basierten Apps sollten freiwillig und leicht zu installieren sein, außerdem sicher und anonymisiert, um den Schutz der Privatsphäre uneingeschränkt zu gewährleisten. Zum Schutz und zur Rettung von Menschenleben sollen die anonymisierten aggregierten Daten im Bereich der Epidemiologie tätigen Gesundheitsbehörden zur Verfügung gestellt werden.

Zudem entwickelt die EU-Kommission derzeit einen Datenabgleichsdienst, mit dem nationale Apps in der EU miteinander verknüpft werden können. Damit soll das ganze Potenzial von Kontaktnachverfolgungs- und Warn-Apps ausgeschöpft werden, um Coronavirus-Infektionsketten zu unterbrechen. Die EU-Mitgliedstaaten Tschechien, Dänemark, Deutschland, Irland, Italien und Lettland machen den Anfang und testen diesen Dienst zum ersten Mal.

"Viele Mitgliedstaaten haben nationale Kontaktnachverfolgungs‑ und Warn-Apps eingeführt. Nun ist es Zeit, dass diese auch untereinander kommunizieren. Reisen und persönlicher Austausch sind Kernanliegen des europäischen Projekts und des Binnenmarkts. Der Datenabgleichsdienst wird beides in diesen Zeiten der Pandemie leichter machen und Menschenleben retten", zeigt sich der EU-Kommissar für den Binnenmarkt Thierry Breton erfreut.

Der Datenabgleichsdienst soll den Informationsaustausch zwischen den sogenannten Back-End-Servern den nationalen Apps mithilfe einer digitalen Infrastruktur sicherstellen. Damit sollen alle Apps grenzübergreifend funktionieren. Das bedeutet in der Theorie, dass bei erfolgreicher Entwicklung dieses Datenabgleichsdienstes Nutzerinnen und Nutzer nur noch eine App brauchen und bei Reisen ins Ausland einen positiven Test melden oder eine Warnmeldung empfangen können. 

In Österreich entwickelte das Rote Kreuz in diesem Zusammenhang die "Stopp Corona"-App. Bürgerinnen und Bürger können sich die App kostenlos herunterladen und freiwillig ihre sozialen Kontakte speichern. Damit soll bei einer Covid-19-Erkrankung die Infektionskette leichter nachverfolgbar sein.

Wissensplattform zu Covid-19

Die EU-Kommission und ihre Partner haben im April 2020 eine Covid-19-Plattform eingerichtet, um die Corona-Forschung durch das zügige Sammeln und den Austausch umfassender Forschungsdaten (etwa DNA-Sequenzen, Proteinstrukturen, Daten aus der vorklinischen Forschung und klinischen Studien, epidemiologische Daten) voranzubringen. Im Kampf gegen Corona unterstützt die Kommission die Forschung und Innovationen bei der Entwicklung von Impfstoffen, neuen Behandlungsmethoden, Diagnosetests und medizinischen Systemen. Die Plattform ist wichtig für die Einrichtung der "European Open Science Cloud". Corona-Forschungsergebnisse (von Genom- über Mikroskopie-Daten bis hin zu klinischen Daten) können hier gespeichert, ausgetauscht und analysiert werden.

Die Plattform ist Teil des Aktionsplans "ERAvsCorona" und stellt einen weiteren wichtigen Schritt bei den Anstrengungen dar, die die EU unternimmt, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Europa und weltweit bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie zu unterstützen.

Weitere Informationen: