Tourismus

Die Rückseite der Staatsoper in der Innenstadt von Wien

Der Tourismus ist eine der Branchen, welche am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind.  Etwa 27 Millionen Menschen arbeiten in der Branche, die etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmacht. Der Beschäftigungsanteil beträgt 12 Prozent, das heißt, der Sektor "Tourismus" sichert 27 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze in der EU. 90 Prozent der insgesamt fast 3 Millionen Tourismus-Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMUs).

Laut Welttourismusorganisation (UNWTO) führte die Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 zu einem extremen Rückgang im internationalen Tourismus. Europa, das weltweit beliebteste Reiseziel, begrüßte 2020 in der ersten Jahreshälfte 66 Prozent weniger internationale Touristen, in der zweiten Jahreshälfte waren es sogar 97 Prozent weniger.
Die Europäische Kommission schätzte die Einnahmeverluste auf europäischer Ebene auf 50 Prozent für Hotels und Restaurants, 70 Prozent für Reiseveranstalter und Reisebüros und 90 Prozent für Kreuzfahrten und Fluggesellschaften. Für stark vom Tourismus abhängige Länder wie Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland spitzte sich die Lage dramatisch zu. Die Tourismusbranche hat seit Beginn der Krise einen schnellen und drastischen Nachfragerückgang und gleichzeitig einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. 6 Millionen gefährdete Arbeitsplätze in der europäischen Tourismusbranche zeigen die verheerenden Auswirkungen der Pandemie. Dadurch standen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) vor dem Aus. Die am 19. Juni 2020 erlassene Entschließung des Europäischen Parlaments zu Verkehr und Tourismus im Jahr 2020 stellte die Forderung nach mehr Maßnahmen zu Unterstützung von KMUs sowie die Forderung einer eigenen Haushaltslinie auf. Der Tourismus in der EU solle künftig umweltfreundlicher und sozialverträglicher gestaltet sein.

Die Einführung der Reisebeschränkungen in den EU-Mitgliedstaaten brachte eine starke Reduktion des Flugpassagierverkehrs mit sich. Eine ähnliche Entwicklung des Passagieraufkommens war bei anderen Verkehrsmitteln zu beobachten, so etwa im Fähr-, Bus- und Schienenverkehr.

Am 27. April 2020 berieten die für Tourismus zuständigen Ministerinnen und Minister der EU-Staaten über ein koordiniertes Handeln in ihrem Bereich. Sie beauftragten die Kommission, an einer gemeinsamen europäischen Herangehensweise zu arbeiten.

Neben den EU-Maßnahmen im wirtschaftlichen Bereich, von denen insbesondere die Unternehmen profitieren sollten, setzte die EU-Kommission folgende konkrete Schritte, um den Tourismus-Sektor zu unterstützen:

  • Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hat sich der Luftverkehr in Europa erheblich reduziert. Die EU setzte Maßnahmen, um so genannte "Geisterflüge" zu vermeiden. Details dazu sind im vorliegenden Dossier im Kapitel "Grenzschutzmaßnahmen und Transport"  zu finden.
    Die "use it or lose it"-Regel wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach vorübergehend ausgesetzt: beispielsweise nach den Ereignissen des 11. September 2001, während des Irak-Krieges, während der SARS-Epidemie im Jahr 2003 und 2009 als Reaktion auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die Luftfahrtunternehmen.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher haben gemäß EU-Recht die Wahl,
    • ob sie einen Gutschein für die spätere Nachholung von ausgefallenen Reisen oder Flügen akzeptieren oder
    • eine Rückerstattung des Reisepreises bevorzugen. Um eine kohärente Anwendung der Rechtsvorschriften in der gesamten EU sicherzustellen, hat die Kommission einen Leitfaden dazu erstellt.
  • Seit 1. Juli 2021 soll das digitale Zertifikat der EU Erleichterungen bei Reisen und damit auch für den Tourismus-Sektor bringen. Das Nachweis für Genesene, Geimpfte und Getestete ist EU-weit kostenlos in digitaler Form oder auf Papier verfügbar. Nähere Informationen zum digitalen Zertifikat (in Österreich als "Grüner Pass" bekannt) finden Sie im Kapitel "Grenzschutzmaßnahmen und Transport".
  • Mögliche Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen wurden aufgehoben, sobald die epidemiologische Lage in den Grenzregionen ausreichend vergleichbar war und die Regeln für die soziale Distanzierung weiterhin verantwortungsbewusst befolgt wurden. Benachbarte Mitgliedstaaten sollten in engem Kontakt bleiben, um dies in enger Abstimmung mit der EU-Kommission zu ermöglichen. Lockerungen traten zunächst zwischen Gebieten mit einer vergleichsweise geringen Virus-Zirkulation in Kraft treten. Details dazu finden sich in den Kapiteln "Grenzschutzmaßnahmen und Transport" sowie "Maßnahmen in Mitgliedstaaten" im Dossier.
  • Bei Reisen außerhalb der EU sind nach wie vor die Reisewarnungen der einzelnen Mitgliedstaaten zu beachten.  Details dazu finden sich in den Kapiteln "Grenzschutzmaßnahmen und Transport" sowie "Maßnahmen in Mitgliedstaaten" im Dossier.
Sicherheitssiegel für Tourismuseinrichtungen

Mit den schrittweisen Lockerungen der Covid-19-Beschränkungen in den EU-Mitgliedstaaten wurden auch im Hinblick auf die Tourismussaison im Sommer 2021 angepasste Anforderungen und Empfehlungen an Tourismusunternehmen und –Standorte erforderlich. Das Europäische Komitee für Normung (CEN) in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission hat ein Sicherheitssiegel für Tourismuseinrichtungen entwickelt, um eine rechtzeitige Wiedereröffnung von Tourismusbetrieben wie Hotels oder Kulturstätten zu erleichtern und den Ruf der EU als sicheres Reiseziel zu fördern.

Weitere Informationen:

Leitlinien zur Wiederbelebung des Reiseverkehrs und Tourismus

Da durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie die meisten EU-Mitgliedstaaten auf nationalstaatlicher Ebene Reisebeschränkungen erließen, stellte die EU-Kommission am 13. Mai 2020 Leitlinien für die Wiederbelebung des Reiseverkehrs und Tourismus innerhalb Europas vor. Mit einer guten Koordination zwischen den Mitgliedstaaten sollte es ohne massive negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger möglich sein, die Reisefreiheit innerhalb  Europas wieder herzustellen  und den Tourismus zu fördern.

Grafik: Tourism and Transport in 2020 and beyond

Grundsätzlich gilt, dass Mitgliedstaaten, denen es gelingt, die Verbreitung des Virus einzudämmen, pauschale Einschränkungen in der Reisefreiheit durch gezielte Maßnahmen ersetzen sollen. Sollte eine generelle Aufhebung der Beschränkungen durch die gesundheitliche Situation noch nicht gerechtfertigt sein, schlägt die Kommission ein schrittweises Vorgehen vor. So sollen Beschränkungen zwischen Gebieten oder Mitgliedstaaten mit ähnlicher positiver epidemiologische Situation sollen demzufolge gelockert werden. Folgende Kriterien stehen dabei im Mittelpunkt:

  • epidemiologische Lage basierend auf den offiziellen Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre of Disease Prevention and Control, ECDC),
  • Funktionieren der Maßnahmen zur sozialen Distanzierung und
  • wirtschaftliche und soziale Aspekte.

"Der Tourismus ist für den Binnenmarkt und die 4 Grundfreiheiten unverzichtbar und trägt maßgeblich zum wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben in der EU bei. Durch die zur Eindämmung von Covid-19 notwendigen Maßnahmen wurde er stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Mitgliedstaaten heben nach und nach Beschränkungen auf, und wir schaffen die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der Tourismusstrukturen und des Binnenmarkts", so der EU-Kommissar für die Förderung der europäischen Lebensweise, Margaritis Schinas.

Betont wurde von Seiten der EU-Kommission jedoch auch das Prinzip der "Nicht-Diskriminierung". Demnach soll ein Mitgliedstaat, wenn er Einreisen in sein Land für einen anderen Mitgliedstaat erlaubt, auch zulassen, dass Menschen aus anderen europäischen Regionen mit ähnlichen epidemiologischen Bedingungen einreisen dürfen. In gleicher Weise müssen alle Beschränkungen ohne Diskriminierung für alle EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie alle Einwohnerinnen und Einwohner des betreffenden Mitgliedstaates unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit aufgehoben werden.

Die Richtlinien enthalten auch allgemeine Grundsätze für die schrittweise Wiederherstellung des Personenverkehrs in der Luft, auf der Straße, am Wasser und auf Schienen. Sie umfassen eine Reihe von Empfehlungen, wie der Kontakt zwischen den Passagieren und dem Personal begrenzt werden soll.

Auch wurde von Seiten der EU-Kommission ein gemeinsamer Rahmen mit Kriterien für die sichere Wiederaufnahme des Tourismus festgelegt. Dazu gehören unter anderem Gesundheitsprotokolle in Hotels und anderen Formen der Unterbringung sowie Kontroll- und Testkapazitäten vor Ort.

EU-Kommission und EU-Mitgliedstaaten wurden zudem eingeladen, eine "Europäische Agenda für den Tourismus" 2030/2050 zu entwerfen, um die wichtigsten Herausforderungen des grünen und digitalen Wandel des Ökosystems Tourismus voranzutreiben und Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu adressieren und einen ersten Entwurf der Agenda Ende des Jahres 2021 vorzulegen.

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EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus

Miniaturflugzeup plus Globus

In dem Bericht über die Festlegung einer "EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus" vom 3. März 2021 forderten die Mitglieder des Europäischen Parlaments eine neue europäische Strategie, um den Tourismus in Zukunft sauberer, sicherer und nachhaltiger zu machen, unter anderem mithilfe des gemeinsamen Impfzertifikats. Der Bericht legt die Notwendigkeit einer anhaltenden kurzfristigen finanziellen Unterstützung für das Überleben der Branche dar. Aus dem Bericht geht die Forderung nach öffentlichen und privaten Investitionen in die Digitalisierung und die allgemeine Modernisierung der Branche hervor. Den EU-Mitgliedstaaten wurde empfohlen, eine vorübergehende Reduzierung der Mehrwertsteuersätze auf Reise- und Tourismusdienstleistungen in Erwägung zu ziehen.

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"Re-open EU": Plattform für Reiseinformationen in der Europäischen Union

Passangers waiting for the train

Gesundes und sicheres Reisen: Wie ist das angesichts der Covid-19-Pandemie in der Europäischen Union möglich? Zu diesem Zweck hat die Europäische Kommission bereits mit 15. Juni 2020 die Informations-Plattform "Re-open EU" in Betrieb genommen.

Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger in Echtzeit über die Lage in den 27 EU-Mitgliedstaaten – Grenzen, Verkehrsmittel, Tourismusdienstleistungen – zu informieren. Daher stellt die Plattform auch Informationen über die verschiedenen bestehenden Beschränkungen, einschließlich der jeweils nationalen Quarantäne- und Testanforderungen für Reisende, zur Verfügung. Die Plattform bietet praktische Informationen der Mitgliedstaaten zu Reisebeschränkungen innerhalb des Staatsgebiets sowie zu Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit (Abstandsregeln, Tragen von Gesichtsmasken und so weiter) und eine Liste der mobilen Kontaktnachverfolgungs- und Corona-Warn-Apps. Die Europäerinnen und Europäer konnten und können durch fundierte Informationen bei der Planung ihrer Urlaube und Reisen verantwortungsbewusste und fundierte Entscheidungen darüber treffen, wie sie mit den weiterhin anhaltenden Risiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus umgehen.

Die Plattform "Re-open EU" wurde von der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC; wissenschaftlicher Dienst der Kommission) und der Europäischen Kommission als zentrale Anlaufstelle für alle Reisenden in der EU gemeinsam entwickelt. Die Plattform liefert Echtzeit-Informationen für rund 30 Indikatoren zu den Bereichen Verkehr, öffentliche Gesundheit und Tourismus, welche von den 27 EU-Mitgliedstaaten bereitgestellt und durch Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) laufend ergänzt werden. Über eine interaktive Karte können Interessierte die spezifischen Informationen in den 24 Amtssprachen der EU abrufen.

Seit dem 14. Dezember 2020 gibt es auch eine "Re-open EU" App, welche wie die Website in allen EU-Amtssprachen umfassende und aktuelle Informationen über Gesundheitslage, Sicherheit und Reisemaßnahmen in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz zur Verfügung stellt. Die App steht kostenlos für Android- und iOS-Mobiltelefone zur Verfügung.

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Mögliche Lockerungen für Geimpfte bei Einreisen aus Drittstaaten in die EU

Krankenschwester zieht Spritze auf

Mit dem stetigen Fortschritt der weltweiten Impfkampagne gegen das Covid-19-Virus wurden  auch Lockerungen der Beschränkungen für Reisende aus Drittstaaten in Aussicht gestellt. Die EU-Kommission hat dazu Anfang Mai 2021 mehrere Vorschläge präsentiert, um das Reisen für bereits geimpfte Personen bei nicht unbedingt notwendigen Reisen zu erleichtern. So sollen Personen, die bereits eine von der EU zugelassene Impfdosis erhalten haben, nicht nur ausschließlich aus zwingend notwendigen Gründen in die EU einreisen dürfen. Diese Regelung hat auch für Angehörige aus Drittstaaten Gültigkeit, sofern sie ein von der EU zugelassenes Impfzertifikat vorweisen. Um eine qualifizierte Überprüfung der Zertifikate aus Drittstaaten zu gewährleisten, konnten die Mitgliedstaaten Portale einrichten, welche die Kontrolle bereits ausgestellter Zertifikate aus Drittstaaten oder die Anmeldungen zu EU-Impfzertifikaten, wie das digitale grüne Zertifikat, erleichtern soll. Des Weiteren sah die Kommission die Einführung einer "Notbremse" vor, welche Einreisen aus epidemiologisch kritischen Ländern umgehend aussetzen und dadurch die Einschleppung gefährlicher neuer Virusvarianten in die EU verhindern sollte.

Nach einer Überprüfung im Rahmen der Empfehlung zur schrittweisen Aufhebung der vorübergehenden Beschränkungen für nicht unbedingt notwendige Reisen in die EU aktualisierte der Rat die Liste der Länder, Sonderverwaltungsregionen und anderen Einrichtungen und Gebietskörperschaften, für die Reisebeschränkungen aufgehoben werden sollten. Die Kriterien für die Bestimmung der Drittländer, für die Reisebeschränkungen aufgehoben werden sollten, wurde zuletzt am 1. Juli 2021 vom Rat aktualisiert. Auch Schengen-assoziierte Länder (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) schließen sich der Empfehlung an. Die Liste der Länder, für die die Mitgliedstaaten die Reisebeschränkungen schrittweise aufheben sollten, wird vom Rat der EU alle zwei Wochen überprüft und gegebenenfalls aktualisiert.

Zwingend notwendige Reisen sollen weiterhin für alle Personen, erlaubt sein. Für welche Kategorie von Reisenden dies vorrangig zutrifft, ist im Anhang II der Empfehlung des Rates nachzulesen. Die jeweiligen Bestimmungen der Mitgliedstaaten zu Einreisetests und Quarantäneregelungen, sind zu berücksichtigen.

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