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Tourismus

Die Rückseite der Staatsoper in der Innenstadt von Wien

Der Tourismus ist eine der Branchen, welche am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind. 10 bis 11 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU kommen aus diesem Bereich. Der Anteil an der Beschäftigung beträgt 12 Prozent, das heißt, Tourismus sichert 27 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze in der EU. 90 Prozent der insgesamt fast 3 Millionen Tourismus-Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMUs).

Laut Welttourismusorganisation (WTO) wird erwartet, dass die Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 zu einem Rückgang von 20 bis 30 Prozent im internationalen Tourismus führen wird. Die Europäische Kommission schätzt die Einnahmeverluste auf europäischer Ebene auf 50 Prozent für Hotels und Restaurants, 70 Prozent für Reiseveranstalter und Reisebüros und 90 Prozent für Kreuzfahrten und Fluggesellschaften. Die Branche hat einen schnellen und drastischen Nachfragerückgang und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Dadurch stehen viele kleine und mittlere Unternehmen vor dem Aus.

Seit der Einführung der Reisebeschränkungen in den EU-Mitgliedstaaten wurde der Flugpassagierverkehr fast auf null reduziert, wobei sich die verbleibenden Flüge hauptsächlich auf Fracht- und Rückholflüge beschränken. Eine ähnliche Entwicklung des Passagieraufkommens ist bei anderen Verkehrsmitteln zu beobachten, so etwa im Fähr-, Bus- und Schienenverkehr.

Am 27. April 2020 berieten die für Tourismus zuständigen Ministerinnen und Minister der EU-Staaten über ein koordiniertes Handeln in ihrem Bereich. Sie beauftragten die Kommission, an einer gemeinsamen europäischen Herangehensweise zu arbeiten.

Neben den EU-Maßnahmen im wirtschaftlichen Bereich, von denen insbesondere die Unternehmen profitieren sollen, hat die EU-Kommission folgende konkrete Schritte gesetzt, um den Tourismus-Sektor zu unterstützen:

  • Seit Beginn der Coronavirus-Epidemie hat sich der Luftverkehr in Europa erheblich reduziert. Seit 30. März 2020 sind die Regeln für die Zuweisung von Zeitnischen (Slots) auf EU-Flughäfen vorübergehend ausgesetzt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Fluggesellschaften die Slots in der Flugplanperiode des darauffolgenden Jahres nicht an die Konkurrenz verlieren, wenn sie weniger als 80 Prozent der Slots nutzen ("use it or lose it"-Regel nach der EU-Flughafenzeitnischenverordnung (EWG 95/93)). Mit dieser Maßnahme werden zudem die Emissionen gesenkt, indem sogenannte Geisterflüge vermieden werden, bei denen Fluggesellschaften Flüge mit fast leeren Flugzeugen durchführten, um ihre Slots zu behalten. Die Ausnahmeregelung gilt bis einschließlich Oktober 2020. Die "use it or lose it"-Regel wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach vorübergehend ausgesetzt: beispielsweise nach den Ereignissen des 11. September 2001, während des Irak-Krieges, während der SARS-Epidemie im Jahr 2003 und 2009 als Reaktion auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die Luftfahrtunternehmen.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher haben gemäß EU-Recht die Wahl
  • , ob sie einen Gutschein für die spätere Nachholung von ausgefallenen Reisen oder Flügen akzeptieren oder eine Rückerstattung des Reisepreises bevorzugen. Um eine kohärente Anwendung der Rechtsvorschriften in der gesamten EU sicherzustellen, hat die Kommission einen Leitfaden dazu erstellt.
  • Die aktuellen Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen sollen erst dann aufgehoben werden, wenn die epidemiologische Lage in den Grenzregionen ausreichend vergleichbar ist und die Regeln für die soziale Distanzierung weiterhin verantwortungsbewusst befolgt werden. Benachbarte Mitgliedstaaten sollten in engem Kontakt bleiben, um dies in enger Abstimmung mit der EU-Kommission zu ermöglichen. Mögliche Lockerungen sollen zunächst zwischen Gebieten mit einer vergleichsweise geringen Virus-Zirkulation in Kraft treten (Siehe dazu auch "Europäischer Fahrplan ("Roadmap") für die Aufhebung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus" im Kapitel "Gesundheitswesen").
  • Bei Reisen außerhalb der EU sind die Reisewarnungen der einzelnen Mitgliedstaaten zu beachten. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hat die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten im März empfohlen, alle nicht notwendigen Reisen aus Drittländern in die EU vorübergehend zu beschränken (Siehe dazu: "Außengrenzschutz" im Kapitel "Grenzschutzmaßnahmen").

Weitere Informationen:          

Leitlinien zur Wiederbelebung des Reiseverkehrs und Tourismus 

Da durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie die meisten EU-Mitgliedstaaten auf nationalstaatlicher Ebene Reisebeschränkungen eingeführt haben, stellte die EU-Kommission am 13. Mai 2020 Leitlinien für die Wiederbelebung des Reiseverkehrs und Tourismus innerhalb Europas vor. Mit einer guten Koordination zwischen den Mitgliedstaaten soll es ohne negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger möglich sein, die Reisefreiheit innerhalb der Europas wieder zuzulassen und damit Tourismus zu fördern. 

Grafik: Tourism and Transport in 2020 and beyond

Grundsätzlich gilt, dass Mitgliedstaaten, denen es gelingt, die Verbreitung des Virus einzudämmen, pauschale Einschränkungen in der Reisefreiheit durch gezielte Maßnahmen ersetzen sollen. Wenn eine generelle Aufhebung der Beschränkungen durch die gesundheitliche Situation noch nicht gerechtfertigt ist, schlägt die Kommission ein schrittweises Vorgehen vor. So sollen Beschränkungen zwischen Gebieten oder Mitgliedstaaten mit ähnlicher positiver epidemiologische Situation zuerst gelockert werden. Folgende Kriterien stehen dabei im Mittelpunkt:

  • epidemiologische Lage basierend auf den offiziellen Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre of Disease Prevention and Control, ECDC),
  •  Funktionieren der Maßnahmen zur sozialen Distanzierung und
  • wirtschaftliche und soziale Aspekte.

"Der Tourismus ist für den Binnenmarkt und die 4 Grundfreiheiten unverzichtbar und trägt maßgeblich zum wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben in der EU bei. Durch die zur Eindämmung von Covid-19 notwendigen Maßnahmen wurde er stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Mitgliedstaaten heben nach und nach Beschränkungen auf, und wir schaffen die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der Tourismusstrukturen und des Binnenmarkts", so EU-Kommissar für die Förderung der europäischen Lebensweise Margaritis Schinas.

Betont wird von Seiten der EU-Kommission jedoch auch das Prinzip der "Nicht-Diskriminierung". So soll ein Mitgliedstaat, wenn er Einreisen in sein Land für einen anderen Mitgliedstaat erlaubt, auch zulassen, dass Menschen aus anderen europäischen Regionen mit ähnlichen epidemiologischen Bedingungen einreisen dürfen. In gleicher Weise müssen alle Beschränkungen ohne Diskriminierung für alle EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie alle Einwohnerinnen und Einwohner des betreffenden Mitgliedstaates unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit aufgehoben werden.

Die Richtlinien enthalten auch allgemeine Grundsätze für die schrittweise Wiederherstellung des Personenverkehrs in der Luft, auf der Straße, am Wasser und auf Schienen. Sie umfassen eine Reihe von Empfehlungen, wie der Kontakt zwischen den Passagieren und dem Personal begrenzt werden soll. 

Auch wird von Seiten der EU-Kommission ein gemeinsamer Rahmen mit Kriterien für die sichere Wiederaufnahme des Tourismus festgelegt. Dazu gehören unter anderem Gesundheitsprotokolle in Hotels und anderen Formen der Unterbringung sowie Kontroll- und Testkapazitäten vor Ort.

Neben der Förderung von Werbekampagnen für Europa als weltweit beliebtes Reiseziel plant die EU-Kommission auch eine europäische Tourismuskonferenz (sobald es die epidemiologische Lage zulässt). Bei dieser Konferenz sollen die EU-Institutionen, die Industrie und die Regionen und Städte über die künftige Gestaltung nachhaltiger und innovativer Tourismusstrukturen beraten. Ziel ist dabei die Erstellung eines Fahrplans für die "Europäische Tourismusagenda 2050".

Weitere Informationen: