Kultur

Unterstützungsmaßnahmen für den Kultur- und Kreativsektor

Der Kunst- und Kultursektor war und ist einer der 5 am meisten durch die Covid-19-Krise betroffenen Sektoren. Auch wenn die Europäische Union im Kunst- und Kultursektor grundsätzlich nur ergänzende Kompetenzen hat (siehe dazu auch "EU-Kompetenzen im Gesundheitsbereich"), so versucht die Kommission dennoch, auch diesen Bereich durch verschiedene Maßnahmen zu unterstützen.

Eckpunkte aus dem Bericht "Leitlinien für die sichere Wiederaufnahme von Aktivitäten im Kultur- und Kreativsektor – Covid-19"

World Music Day

In einer Mitteilung der Europäischen Kommission vom Juni 2021 wurden  "Leitlinien für die sichere Wiederaufnahme von Aktivitäten im Kultur- und Kreativsektor – Covid-19" dargelegt sowie einleitend auf den "Jahresbericht 2021 über den Binnenmarkt" Bezug genommen. Dieser bestätigte, "dass das Ökosystem Kultur- und Kreativbranchen und Kultur- und Kreativwirtschaft (CCSI) zu den am stärksten betroffenen industriellen Ökosystemen der EU zähle." Im Bericht wird ausgeführt, "dass dies insbesondere für Aktivitäten, die auf Veranstaltungsorte und Besuche angewiesen sind, gelte, das heißt, die darstellende Kunst und der Kulturerbesektor, wie Live-Musik-Veranstaltungen, Theater, Zirkus, Festivals, Kino, Museen und Kulturerbestätten. So berichteten beispielsweise die Kinobetreiber in der EU von einem Rückgang der Verkäufe von Eintrittskarten um 70 Prozent im Jahr 2020, Musikstätten verzeichneten einen Rückgang der Besucherzahlen um 76 Prozent (64 Prozent bei den Einnahmen, und Museen erlitten Einnahmeverluste von bis zu 75 Prozent bis 80 Prozent (in beliebten touristischen Regionen). Diese Auswirkungen werden außerdem durch einen Rückgang der von Verwertungsgesellschaften für Urheberinnen und Urheber sowie ausübende Künstlerinnen und Künstler erhobenen Nutzungsentgelte um rund 35 Prozent verdeutlicht. Diese Einnahmen werden voraussichtlich auch in den Jahren 2021 und 2022 weiter zurückgehen." 

Vorschläge zur Unterstützung der nachhaltigen Erholung des Kultursektors sollen eine nachhaltige Erholung und Resilienz des gesamten Sektors sicherstellen. Die im Bericht beschriebenen konkreten Ideen reichen von der Bereitstellung eines Siegels, dem europäischen "Covid-19-Sicherheitslabel" für den Tourismus, um eine Wiedereröffnung von Tourismusbetrieben wie Hotels oder Kulturstätten zu erleichtern und den Ruf der EU als sicheres Reiseziel zu fördern, der Ermutigung der Mitgliedstaaten, das digitale Covid-Zertifikat der EU zu verwenden und die Plattformen "Re-Open EU" sowie die Website "Cultural gems" (Kartierungsplattform für Kultur- und Kreativstätten in Europa) zu nutzen. Entscheidend sei zudem auch, dass die EU-Mitgliedstaaten in vollem Umfang Gebrauch von der Aufbau- und Resilienzfazilität machen, um die Erholung von den negativen Auswirkungen der Pandemie zu ermöglichen und den Kultursektor künftig widerstandsfähiger zu machen. 

"Creatives Unite" als Plattform zum Austausch unter Kulturschaffenden 

Screenshot: creativesunite.eu

Insbesondere die als Reaktion auf die Pandemie gegründete Stakeholder Plattform "Creatives Unite" soll auch künftig dabei helfen, durch "Best Practice"-Beispiele konkrete Maßnahmen für Hilfe in diesem Bereich auszuarbeiten. Die Plattform bietet einen virtuellen Raum, in dem Covid-19 bezogene Informationen geteilt werden, die für die Kunst- und Kulturszene wichtig sein können. Damit ergibt sich die Möglichkeit, Informationen über Initiativen auszutauschen, die Hilfe in der Krise bieten. Zudem wird Einzelpersonen damit die Möglichkeit aufgezeigt, wie bestehende Ressourcen aus Netzwerken und Organisationen lukriert werden können. Jeder betroffenen Bürgerin und jedem betroffenen Bürger steht die Möglichkeit offen, sich zu beteiligen und somit an einer gemeinsamen Lösung mitzuarbeiten. Diese Plattform soll zentrale Anlaufstelle für alle sein, die Informationen über Initiativen zur Krisenreaktion in ihrer Branche suchen oder auch teilen wollen.

"Creative Europe"-Programm unterstützt den europäischen Kreativ- und Kultursektor von 2021 bis 2027 mit 2,5 Milliarden Euro
 

#CreativeEurope

Weitere Maßnahmen in diesem Bereich betreffen insbesondere die europäischen Kunst- und Kulturförderungen des "Creative Europe"-Programms. Die EU-Kommission sicherte hier maximale Flexibilität zu: Bei verschobenen Einreichungsterminen für Förderungen im Kultur-, Film- und Kreativbereich wurden die Projektträgerinnen und -träger gebeten, ihre zuständigen Projektbearbeiterinnen und -bearbeiter zu kontaktieren, um im Einzelfall Ausnahmeregelungen zu finden. Das Programm "Creative Europe" dient der Förderung von Projekten, die im Rahmen des Arbeitsplans für Kultur durchgeführt werden. Das im Jahr 2014 etablierte Programm, das die wichtigste EU-Finanzierungsquelle für den Kultursektor darstellt, lief nach der regulären Periode des mehrjährigen Finanzrahmens im Jahr 2020 aus.

Das Nachfolge-Programm für die Laufzeit 2021 bis 2027 stellt der europäischen Kultur- und Kreativszene für die siebenjährige Projektlaufzeit ein Budget von rund 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit einem Gesamtbudget von 2,5 Milliarden Euro gibt es eine beachtliche Erhöhung von über 60% im Vergleich zum Vorgängerprogramm. Die bereits etablierten Förderschienen für die europäische kulturelle Zusammenarbeit (Sub-Programm Kultur) sowie für die Entwicklung, Verbreitung und Bewerbung europäischer Filme (Sub-Programm MEDIA) bleiben bestehen und sollen durch zusätzliche Schwerpunkte ergänzt werden. Im Zentrum stehen weiters die Mobilität von Kulturschaffenden, Musikwirtschaft, Qualitätsjournalismus, Medienkompetenz sowie innovative Ansätze in allen Kultursparten. Die Fördervergabe findet über spezifische Ausschreibungen in den entsprechenden Programmbereichen statt. Auch die kulturpolitische Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Programmbestandteil, welche Gruppen von EU-Experten und EU-Expertinnen, "Peer Learning", Studien und Veranstaltungen umfasst.
Die österreichische Kontaktstelle "Creative Europe Desk Austria" bietet umfassende Informations- und Beratungsangebote. Ein spezielles Online-Beratungsprogramm ermöglicht es Interessierten, das Programm kennen zu lernen. Die Gesamtkoordinierung des Kultur-Programms erfolgt durch die Abteilung für Europäische und internationale Kulturpolitik im Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. Das MEDIA-Programm wird vom Österreichischen Filminstitut betreut. Ebenfalls Unterstützung gab es für Kinos, die zu dem Kinonetzwerk "Europa Cinemas" gehören. Für sie wurde während der Pandemie-bedingten Schließungen und Einschränkungen des Betriebs eine Förderung von 5 Millionen Euro bereitgestellt.

Auswirkungen von Covid-19 auf die Europäischen Kulturhauptstädte

Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024

In Folge der Auswirkungen der Coronavirus-Krise hat die Europäische Kommission am 18. August 2020 vorgeschlagen, Rijeka (Kroatien) und Galway (Irland) die Chance zu geben, ihr Jahr als "Kulturhauptstädte Europas" 2020 bis zum 30. April 2021 fortzusetzen. Gemäß des Vorschlags der Europäischen Kommission soll Novi Sad (Serbien) statt im Jahr 2021 im folgenden Jahr 2022 Kulturhauptstadt Europas sein und die Städte Timișoara (Rumänien) und Elefsina (Griechenland) den Titel dann im Jahr 2023 tragen. Bereits 1985 wurde die Initiative "Kulturhauptstädte Europas" ins Leben gerufen und ist mittlerweile eine der profiliertesten Kulturinitiativen Europas. Das Kulturprogramm der jeweiligen Stadt muss eine deutliche europäische Dimension aufweisen, die aktive Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, Gemeinschaften und verschiedener Akteure der Stadt fördern sowie einen Beitrag zu einer langfristigen Entwicklung der Stadt und ihrer Region beitragen. Mit der "Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl – Salzkammergut 2024" ist Österreich im Jahr 2024 erneut (Graz 2003, Linz 2009) an der Reihe und wird sich gemeinsam mit Tartu in Estland und Bodø in Norwegen den Titel teilen. 

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