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Rede zur Eröffnung der Auslandskulturtagung 2019 in Wien

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Kunstschaffende, 
Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen!

Es ist mir eine große Freude, dass Sie so zahlreich der Einladung zur diesjährige Auslandskulturtagung gefolgt sind. Und für mich ist es eine besondere Ehre, als Außen- und Kulturminister heuer vor Ihnen zu stehen zu dürfen. 

Das ist auch eine Premiere: Erstmals sind die Agenden für die Auslandskultur im Außenministerium und für Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt unter einem Hut – wenn auch nur im Rahmen dieser Übergangsregierung. 

Ich möchte aber diese Gelegenheit doch nützen für einige grundsätzliche – wenngleich sicher sehr persönliche – Anmerkungen. 

Ich weiß, dass es immer wieder Stimmen gibt, die die Existenz einer Auslandskultur im Rahmen des Außenministeriums kritisch hinterfragen und die die Zusammenführung beider – der innerstaatlichen und der außenpolitischen Kulturpolitik – fordern. Und ich bin mir vielleicht besser als andere bewusst, wie stark das Gefälle zwischen beiden Teilen ist – etwa, wenn man die finanzielle Dotierung und die personelle Ausstattung betrachtet. Dennoch glaube ich, dass es gute Gründe gab und gibt, die Auslandskultur im BMEIA anzusiedeln. Kunst und Kultur sind nämlich nicht nur essenzielle Bestandteile der österreichischen Identität. 

Sie sind auch elementare Bestandteile unserer internationalen Wahrnehmung. Jeder von uns, der einmal im Ausland war, hat selber schon erlebt, wie stark unser Land als Kulturnation wahrgenommen wird. Um es anders zu sagen: Kultur ist zentrales Element der österreichischen Soft Power. Diese Soft Power künstlich von der Außenpolitik zu trennen, wäre eine massive Selbstschwächung unseres Landes! Ganz im Gegenteil: Kulturpolitik muss integraler Bestandteil einer wohlverstandenen außenpolitischen Interessenpolitik sein!

Auslandskultur und die innerstaatliche Kulturpolitik gehorchen auch unterschiedlichen Prämissen. Geht es beim einem darum, einen Rahmen zu schaffen, damit sich die Kunst und Kultur frei entfalten kann und alle Bürgerinnen und Bürger daran teilhaben können, so folgt die Auslandskulturpolitik zuerst außenpolitischen Zielsetzungen. In diesem Sinne ist die Auslandskulturpolitik nicht etwa Beiwerk, sondern unverzichtbarer Eckpfeiler und tragendes Element der österreichischen Außenpolitik.

Und dass dabei die österreichische Diplomatie offenbar keine schlechte Figur macht, könnte man auch daran ablesen, dass sowohl die Kultursektion im Außenministerium als auch die Kunst- und Kultursektion im Bundeskanzleramt jeweils von diplomatischen Kollegen geführt werden. Teresa Indjein und Jürgen Meindl – die ich hiermit herzlich begrüße!

Zweifellos: Die Auslandskulturpolitik ist weder autonom noch freischwebend. Sie braucht und lebt von einer lebendigen, innovativen und öffentlichkeitswirksamen österreichischen Kunst- und Kulturszene. Sie greift auf das reiche kulturelle Schaffen in Österreich zurück, aber sie transportiert sie im Lichte der außenpolitischen inhaltlichen wie geografischen Schwerpunktsetzungen. 

Unser Soft Power brauchen wir derzeit mehr denn je, befinden wir uns doch gerade in turbulenten Zeiten außenpolitischer Umbrüche.

Vertraute Orientierungs- und Stützpunkte wie die transatlantische Verbindung oder die Attraktivität des liberalen westlichen Lebensmodells scheinen in Frage gestellt. Zugleich stehen wir mit dem Klimawandel und der digitalen Revolution vor enormen Herausforderungen, die alle Lebensbereiche und alle Gesellschaften massiv erfassen werden. Genau hier kommt die Kultur, und damit auch die Auslandskultur, ins Spiel. 

Der französische Philosoph Joseph Joubert hat gesagt: "Kultur ist nichts Sichtbares, sondern das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält." In Zeiten, in denen global Vieles im Fluss zu sein scheint, in denen in unseren Gesellschaften Selbstreflexion, ja Selbstzweifel das vorherrschende Gefühl zu sein scheint, bleibt die Kultur unsere verbindende Konstante. Sie ist der physische und ideelle Ort der Begegnung des Austausches und der Selbstvergewisserung. Vor diesem Hintergrund wird die Aufgabe für die Auslandskultur in den nächsten Jahren nicht geringer, sondern eher noch gewichtiger werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich daher umso mehr, Ihnen sagen zu können, dass das vergangene Jahr für die österreichische Auslandskultur besonders intensiv und erfolgreich war! Unsere Vertretungsbehörden haben im vergangenen Jahr die Rekordzahl von fast 7 000 Veranstaltungen durchgeführt! Nicht nur die Zahl der Kooperationen und Veranstaltungen ist beeindruckend. Auch unser kulturelles Auslandsnetzwerk ist für österreichische Verhältnisse durchaus ansehnlich.
Gegenwärtig besteht unser Netzwerk aus 
30 Kulturforen, 
89 Botschaften und Generalkonsulaten,
65 Österreich-Bibliotheken, 
10 Österreich-Instituten für Sprachvermittlung und 
2 Wissenschafts- und Technologiebüros in Peking und Washington D.C. 

Aber Zahlen sind letztlich taub. Denn hinter all den Zahlen steht aber vor allem eines: engagierte Menschen! Den Kolleginnen und Kollegen im Außenministerium und im Bundeskanzleramt und all unseren Partnern im Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsbereich gebührt heute unser ganz besonderer Dank! Ohne sie wäre nichts möglich!

Uns alle eint dabei ein Ziel. Wir wollen mit unserer Arbeit, mit unserem Netzwerk Plattformen für den internationalen Austausch von Kreativen schaffen, kulturelle Brücken bauen, Grenzen überwinden und ein zeitgemäßes, innovatives und kreatives Bild Österreichs in die Welt tragen.

Um es anders – und mit den Worten von Professor Egon Matzner – zu sagen: 

Wir versuchen damit Jahr für Jahr unseren Beitrag zu leisten für ein "weltoffenes Österreich und für eine österreich-offene Welt". 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!