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Rede Österreich-Empfang anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 
sehr geehrte Verlegerinnen und Verleger, 
Autorinnen und Autoren,
liebe Freunde der österreichischen Literatur und – man muss das ja schon fast sagen – liebe Freunde des Buches, 
lieber Benedikt Föger!

2019 ist für die österreichische Literaturszene ein gutes Jahr. Bücher aus Österreich sind auch heuer wieder gut in Frankfurt vertreten. 

Beim Deutschen Buchpreis fanden sich gleich 5 Autorinnen und ein Autor aus Österreich mit ihren neuen Romanen auf der Longlist. Raphaela Edelbauer und Tonio Schachinger haben es mit ihren Romandebüts sogar in die Endauswahl geschafft. 

Und schließlich können wir uns mit dem Literaturnobelpreis an Peter Handke, über die Wertschätzung eines bedeutenden Stücks österreichischer und europäischer Literaturgeschichte freuen. Diese großartigen Leistungen verdienen unsere volle Anerkennung!

Es ist eine Tatsache, dass Bücher österreichischer Schriftsteller in Deutschland beim Lesepublikum wie auch im Feuilleton hoch im Kurs stehen. Das lässt sich gut an den Bestsellerlisten ab- und in den Rezensionen nachlesen. Mitunter erfährt man im deutschen Feuilleton mindestens so viel über österreichische Literatur wie in österreichischen Zeitungen. 

Das ist, meine sehr geehrten Damen und Herren, natürlich Ihr Erfolg! Es ist der Erfolg außergewöhnlicher Autorinnen und Autoren, ambitionierter Unternehmerpersönlichkeiten und risikofreudiger Verleger. Und ich kann Ihnen sagen, dass es einem als österreichischer Minister für Kunst und Kultur leichtfällt, auf unser literarisches Schaffen stolz zu sein. 

Doch trotz all dieser Erfolge dürfen wir aber nicht die Herausforderungen unterschätzen, mit denen die gesamte Branche konfrontiert ist. Hier, im geschäftigen Treiben der Frankfurter Buchmesse sieht es fast so aus, als gäbe es nichts Wichtigeres als Bücher. Wie oft aber haben Kassandrarufer und Schwarzmaler schon das Ende des gedruckten Buches vorausgesagt. Schon mindestens so oft, wie dem Kino ein langsamer Tod vorausgesagt wurde - beim Aufkommen des Fernsehers und der Videokassetten und des Streamings… Doch: Todgesagte leben länger.

Ich bin überzeugt, dass dem Buch noch ein langes und glückliches Leben bevorsteht. Das sage ich nicht nur als Mensch "mit einer leichten Tendenz zum Zweitbuch" wie man in meiner Familie sagt. Allein das haptische Erlebnis eines schönen Buches ist unschlagbar. Oder sein Geruch… Oder das Gefühl, wenn man ganz beseelt mit einem Papiersackerl voller Neuerwerbungen aus der Buchhandlung kommt. Man hat zwar keine Ahnung, wann genau man dazu kommen wird, sie alle zu lesen – aber man hat sie jetzt einmal im Besitz…

Ich habe diese Gewissheit aber auch, wenn ich meine Kinder beobachte. Sie hängen genauso an gewissen Büchern und erzählen mir davon mit leuchtenden Augen. Ich kenne die Autoren zwar meistens nicht mehr – es sind vielleicht nicht mehr Enid Blyton, Frederica de Cesco oder Michael Ende. Aber die Begeisterung ist dieselbe. 

Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade als Außen- und Europaminister bin ich mir sehr bewusst, dass Kunst und Kultur nicht nur essenzielle Bestandteile der österreichischen Identität sind. Sie sind auch elementare Bestandteile unserer internationalen Wahrnehmung. Jeder von uns, der einmal im Ausland war, hat selber schon erlebt, wie stark unser Land als Kulturnation wahrgenommen wird. Um es anders zu sagen: Kultur ist zentrales Element der österreichischen Soft Power. Gerade die österreichischen Autorinnen und Autoren sind ein wesentlicher Teil dieser Soft Power.

Und die Frankfurter Buchmesse ist gewissermaßen eine internationale Show für den Buchhandel, wo österreichische Verlage und AutorInnen quasi ihre "Soft Power" Muskeln spielen lassen… Dass Österreich diese Soft Power hat, verdankt es Ihnen - das heißt den kreativen Autoren, den unabhängigen und mutigen Verlagen, aber auch den Literaturveranstaltern, Literaturhäusern und Büchereien. Es ist wichtig, dass wir die literarische und geistige Vielfalt und die hohe Qualität der Buchproduktion aufrechterhalten, die die österreichische Literatur- und Verlagslandschaft auszeichnen. 

Und auch, wenn die Digitalisierung eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten bietet: Das gedruckte Buch überlebt Jahrhunderte, eine Leistung, die selbst hochmoderne Technik nicht bieten kann. Ich glaube fest daran, dass es immer einen Markt geben wird für literarischer Qualität und intellektuelle Substanz, für unverwechselbare Büchern also, in denen wir die Welt neu entdecken können. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen für die kommenden Tage eine erfolgreiche Frankfurter Buchmesse und jetzt einen entspannten Abend im Städel-Museum.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!