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Rede anlässlich der Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises an Thomas Larcher

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Mitglieder des Kunstsenats!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Aber vor allem: sehr geehrter Herr Thomas Larcher!

Als Kulturminister einen der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs auszeichnen zu dürfen – nämlich Sie, Herr Thomas Larcher – ist per se ein freudiges Ereignis. Es wird aber zu einem besonderen Ereignis, da ich diese Ehrung in gewisser Weise mit meiner Aufgabe als Europa- und Außenminister verbinden darf.

Wir alle wissen, die europäischen Staaten unterscheiden sich in vielem. Und manchmal hat man den Eindruck, sie ergötzen sich an diesen Unterschieden, sind stolz auf sie und werden nicht müde, sie zu feiern.

Dabei übersieht man allzu leicht, dass es auf diesem Kontinent auch etwas Gemeinsames, Verbindendes gibt. Nämlich unser Kunst und Kultur.

Im Prado-Museum in Madrid fand bis vor Kurzem eine wunderbare Ausstellung statt: "Velázquez, Rembrandt, Vermeer. Miradas afines" – verwandte Betrachtungsweisen. Sie zeigt, dass der Blick, den spanische und niederländische Künstler auf Europa hatten, viel mehr Gemeinsames als Trennendes hat. Die wenigsten der dort gezeigten Maler kannten die Werke und das Land der anderen.

Aber wenn man – wie eben jetzt im Prado – einen Niederländer wie Frans Hals oder Vermeer, neben einen Spanier wie Velázquez oder El Greco hängt, merkt man, dass die nationale Brille nichts taugt. All diese Künstler waren vor allem eines: Europäer. Kunst hatte für sie keine Grenzen. Dieses Gemeinsame, Grenzüberschreitende, Europäische gilt insbesondere für die Musik. Ich meine hier nicht einfach nur die Aufführungspraxis, die Kompositionen, die Zusammensetzung der Orchester oder das europäische Liedgut. Das zeigt sich schon am Wort "Musik". Der Begriff "Musik" findet sich – ausgehend von seinem griechischen Ursprung – in nahezu allen modernen europäischen Sprachen und selbst dem Arabischen wieder. Musik ist also bereits in seinem ideengeschichtlichen Ursprung ein verbindendes Element.

Viele, wenn nicht die meisten in diesem Raum werden jetzt auf gut Wienerisch "ja, eh" sagen.

Aber wenn ich vor einer Woche stehe, in der wir in Brüssel im EU-Rat Streitthemen wie dem Brexit, dem Umgang mit unseren südosteuropäischen Nachbarn und der Frage, ob wir Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien eröffnen können, dem Mehrjährigen Finanzrahmen der EU und dem Umgang mit der Migration und der Türkei auf der Tagesordnung haben, und wir bei all diesen schwierigen Punkten tendenziell eher das Trennende in den Mittelpunkt stellen werden, dann tut es als Europa- und Außenminister gut, zu wissen, dass es etwas gibt, wie die Kunst, wie die Musik, das uns alle auf diesem Kontinent wie eine wohltuende Klammer umfasst.

Meine Damen und Herren!

Wenn es darum geht, das Gemeinsame vor dem Trennenden zu stellen, so sind wir alle gefordert. Das kann man nicht einfach der Politik überlassen.

Wir dürfen die Zukunft unserer Gemeinschaft nicht den Kassandra-Rufern oder Schwarzmalern überlassen. Das gilt nicht nur vor dem Hintergrund des heurigen Gedenkjahres zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das gilt besonders, wenn es darum geht, in Europa an einer gemeinsamen friedvollen Zukunft zu arbeiten. Denn wir können, wenn wir nur wollen, wenn wir unsere Neugierde erhalten, uns auf das Spannende und das Neue einlassen.

Und gerade hier kommt Thomas Larcher ins Spiel. Seine Musik ist Teil dieses gemeinsamen europäischen Nenners, dieser kulturellen Klammer, die uns zusammenhält. Sein musikalisches Werk reicht weit über das Musikalische hinaus. Seine Musik inspiriert uns, bewegt uns. Sie setzt Emotionen frei. Aber sie vermag uns auch an die dunkelsten Stunden unserer Geschichte zu erinnern.

Sehr geehrter Thomas Larcher, Ihr Tun unterstreicht die facettenreichen Möglichkeiten künstlerischen Schaffens. Es ist mir daher eine besondere Freude und Ehre, Sie mit dem Großen Österreichischen Staatspreis auszeichnen zu dürfen!