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Rede von Bundeskanzler Sebastian Kurz an die Bevölkerung nach dem Terroranschlag in Wien

 Sehr geehrte Damen und Herren!

Tief betroffen wende ich mich an Sie in dieser dunklen Stunde für unsere Republik. Unsere Republik Österreich und unsere Bevölkerung wurden gestern Ziel eines brutalen Terroranschlages.

4 wehrlose Zivilisten wurden aus nächster Nähe kaltblütig ermordet. Ein älterer Herr, eine ältere Dame, ein junger Passant und eine Kellnerin wurden ganz plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen. Ein Exekutivbeamter, der sich dem Täter mutig in den Weg gestellt hat, wurde angeschossen und verwundet. Insgesamt wurden 14 weitere Menschen zum Teil schwer verletzt und einige von ihnen ringen nach wie vor um ihr Leben. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Opfer, allen Verwundeten und natürlich auch allen Menschen, die durch dieses Attentat gestern schwere körperliche und seelische Wunden davongetragen haben.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Oft sehen wir Österreich als eine Insel der Seligen, in der man Gewalt und Terror nur aus der Berichterstattung über das Ausland kennt. Aber die traurige Wahrheit ist, dass wir zwar das Glück haben, in einem grundsätzlich sehr sicheren Land zu leben, aber unsere Welt, die ist alles andere als sicher.

Es hat sich mittlerweile bestätigt, dass der gestrige Anschlag eindeutig ein islamistischer Terroranschlag war. Es war ein Anschlag aus Hass, aus Hass auf unsere Grundwerte, aus Hass auf unser Lebensmodell, aus Hass auf unsere Demokratie, in der alle Menschen an Rechten und Würde gleich sind.

Die gestrige Nacht wird daher auf tragische Weise in unsere Geschichte eingehen als eine Nacht, in der einige unserer Mitmenschen einem brutalen Anschlag zum Opfer fielen. Einem Anschlag, der in Wahrheit uns allen gegolten hat. Einem Anschlag auf unsere freie Gesellschaft. Aber klar ist: Wir werden uns von den Terroristen nicht einschüchtern lassen. Wir werden unsere Grundwerte, unser Lebensmodell und unsere Demokratie mit aller Kraft verteidigen. Wir werden die Täter, die Hintermänner und deren Gleichgesinnte ausforschen, jagen und sie der gerechten Strafe zuführen. Und wir werden alle, die etwas mit dieser Schandtat zu tun haben, mit allen zu verfügenden Mitteln verfolgen.

Gleichzeitig, sehr geehrte Damen und Herren, werden wir aber eines nicht tun. Wir werden nicht in deren Falle tappen. Wir müssen und werden dem Terrorismus mit allen Mitteln entgegentreten. Aber wir dürfen etwas Wesentliches nicht aus den Augen verlieren. Unser Feind – der islamistische Extremismus – möchte nicht nur Tod und Leid verursachen, er möchte auch unsere Gesellschaft spalten. Und das werden wir nicht zulassen. Wir werden diesem Hass keinen Raum geben. Denn unser Feind, das sind niemals alle Angehörigen einer Religionsgemeinschaft. Unser Feind, das sind niemals alle Menschen, die aus einem bestimmten Land kommen. Nein, unser Feind, das sind die Extremisten und Terroristen. Sie haben in unserer Gesellschaft nichts verloren, denn in unserer freien Gesellschaft darf es keine Toleranz für Intoleranz geben. Es muss uns allen bewusst sein, dass das keine Auseinandersetzung von Christen und Muslimen oder zwischen Österreichern und Migranten ist. Nein, das ist ein Kampf zwischen den vielen Menschen, die an den Frieden glauben und jenen wenigen, die sich den Krieg wünschen. Es ist ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei. Und diesen Kampf, den werden wir mit aller Entschlossenheit führen.

So betroffen uns die Ereignisse der gestrigen Nacht machen, so dankbar dürfen wir auch für die unfassbare Solidarität sein, die in unserem Land herrscht. Unser Dank gilt den Sicherheitskräften, die nach wie vor im Einsatz sind, für die Sicherheit der Bevölkerung in unserem Land. Unser Dank gilt den Rettungskräften, die teilweise ihr Leben riskiert haben, um anderen Menschen zu helfen. Unser Dank gilt aber auch allen Menschen, die gestern durch Mut und Zivilcourage sich ausgezeichnet haben, in dem sie Verwundete versorgt haben oder auch indem sie Videos aufgenommen haben und die sie später auf die Plattform der Polizei hochgeladen haben und so einen wertvollen Beitrag in der Ermittlungsarbeit leisten.

Und unser Dank, das möchte ich auch an dieser Stelle erwähnen, gilt all unseren internationalen Partnern, die noch gestern Nacht ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht haben. Von Emmanuel Macron aus Frankreich bis Jacinda Ardern aus Neuseeland. Unzählige unserer europäischen und internationalen Partner haben mir und somit uns noch gestern Nacht persönlich ihre Solidarität ausgesprochen und uns jegliche Unterstützung zugesagt. Wir werden mit unseren internationalen Partnern den Kampf gegen den Extremismus und den Terrorismus gemeinsam führen. Geeint durch Rechtstaatlichkeit, unsere liberale Demokratie und unsere Grundwerte stehen wir Seite an Seite, um Friede und Sicherheit zu verteidigen und zwar nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa und der ganzen Welt.

Ich habe den Innenminister gebeten, mit allen verfügbaren Kräften an der Aufklärung dieses Anschlags zu arbeiten. Das Österreichische Bundesheer hat in der Zwischenzeit den Objektschutz in Wien vollständig übernommen, damit die Polizei all ihre Kräfte für die Ermittlungsarbeit bündeln kann. Wir haben darüber hinaus den Nationalen Sicherheitsrat einberufen, um mit allen relevanten Stellen der Republik die aktuelle Lage und die nächsten Schritte zu besprechen. Und gemeinsam mit dem Bundespräsidenten, den Vertretern der Parlamentsparteien, dem Bürgermeister und dem Vizekanzler werden wir heute auch den Opfern des Anschlags gemeinsam gedenken und ich lade Sie ein, sehr geehrte Damen und Herren, um 12 Uhr an einer österreichweiten Gedenkminute für die Opfer des gestrigen Anschlags dabei zu sein.

Wir werden die Opfer des gestrigen Abends niemals vergessen und wir werden gemeinsam entschlossen unsere Grundwerte verteidigen.

Vielen Dank.