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Erklärung von Bundeskanzler Sebastian Kurz zur aktuellen Lage und ein Ausblick auf den Herbst

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Österreicherinnen und Österreicher!

Das Jahr 2020, das war bisher ein besonders herausforderndes Jahr, in jeglicher Hinsicht. Es war ein noch nie dagewesenes Jahr und es war ein Jahr, das uns schon bisher sehr viel abverlangt hat.

Aber die gute Nachricht ist:
Es gibt schön langsam Licht am Ende des Tunnels. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Coronakrise kürzer andauern wird, als viele Experten ursprünglich zu Beginn der Pandemie vorhergesagt haben.

Ich hatte gemeinsam mit meinem Team über den Sommer die Möglichkeit, mit sehr vielen nationalen und internationalen Gesundheitsexperten zu sprechen, den Austausch zu suchen mit Forschern, mit Wissenschaftlern, mit Pharmaunternehmen und vielen politischen Entscheidungsträgern in aller Welt.

Und ich würde sagen, zusammengefasst kann man durchaus davon ausgehen, dass es aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich ist, dass der nächste Sommer schon wieder ein normaler werden kann, und ich sage dazu, auch werden soll. Die laufende Forschung in der Entwicklung eines Impfstoffes, bei Behandlungsmethoden und Medikamenten, aber auch schnellere Testmethoden, die führen dazu, dass das möglich sein sollte.

Wir wissen auch aus der Forschung heute, dass sich das Virus ständig verändert und schon vielfach mutiert ist. Die Wissenschaft versucht aktuell zu bestätigen, ob diese Mutationen dazu führen, dass das Virus so wie so oft bei Viren dadurch ansteckender, aber andererseits im Verlauf dadurch milder werden.

Und auch, wenn diese und andere Fragen noch nicht restlos geklärt sind, so ist eines auf jeden Fall klar: Wir wissen heute wesentlich mehr über das Virus als zu Beginn der Pandemie.

Wir wissen wesentlich besser Bescheid, wo sich Menschen anstecken, für wen die Erkrankung ganz besonders gefährlich ist und auch, wie man die Erkrankung bestmöglich behandeln kann. Und alleine das ist schon ein wesentlicher Fortschritt. Klar muss uns aber gleichzeitig sein, dass in den nächsten Monaten noch eine herausfordernde Zeit bevorsteht.

Es kommt der Schulbeginn auf uns zu, es kommt die kältere Jahreszeit auf uns zu, und viele Aktivitäten werden sich wieder von draußen nach drinnen verlagern. Vieles wird nicht mehr im Freien, sondern Indoor stattfinden. Dazu kommt die alljährliche Grippewelle, die zusätzlich zur Coronapandemie unser Gesundheitssystem belasten wird und auch da und dort natürlich zu falschen Corona-Verdachtsfällen führen wird, weil es eine gewisse Herausforderung in der Unterscheidbarkeit geben wird.

Dadurch kann sich die Situation weltweit, aber auch in Österreich, schnell zuspitzen und wir werden daher weiterhin als Bundesregierung stetig die aktuelle Corona-Lage evaluieren und wenn notwendig auch weitere Maßnahmen entscheiden. Wir werden als Bundesregierung schon nächste Woche versuchen zu evaluieren, wie die Situation im Moment dasteht und ob es zu einem weiteren Anstieg der Neuinfizierten-Zahlen in Österreich kommt.

Die steigende Anzahl von Neuinfizierten führt natürlich gezwungenermaßen zu einem notwendigen Nachschärfen bei den Maßnahmen, genauso wie eine Verbesserung der Situation dazu führt, dass man Maßnahmen wieder zurückfahren kann. Es wird weiter weltweit – und auch in Österreich – Wellenbewegungen geben, zwischen einem Anstieg und der Reaktion darauf und dadurch dann wieder einem Abflachen und dem Zurücknehmen von Maßnahmen.

Wir werden dabei stets als Bundesregierung dem Zugang folgen, den wir auch bisher gewählt haben. Nämlich so viel Freiheit wie möglich, und so viel Einschränkung wie notwendig.

Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer, sowie allen Landesverantwortlichen – ganz besonders den Landeshauptleuten – dafür bedanken, wie gut die Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Krise bisher funktioniert hat und wir wollen diesen gemeinsamen Weg auch im Herbst und Winter genauso fortsetzen.

Und auch, wenn uns die vergangenen Monate sehr viel abverlangt haben, so kann man zusammenfassend durchaus sagen, dass Österreich im internationalen Vergleich die Krise bisher sehr gut gemeistert hat und gut durch diese Krise gekommen ist. Und aus meiner Sicht hat das einen ganz besonderen Grund: nämlich der Zusammenhalt in unserer Bevölkerung.

Und dafür möchte ich auch Ihnen, sehr geehrte Österreicherinnen und Österreicher, heute noch einmal ganz herzlich danken und ich verbinde es mit einer Bitte, nämlich: Seien wir auch diesen Herbst und Winter so diszipliniert wie möglich. Wenn wir die Grundregeln einhalten, insbesondere das Abstand halten, dann können wir auch diese herausfordernden Monate, die vor uns liegen, gut überstehen.  

Davon sind wir überzeugt!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir haben es mittlerweile natürlich nicht nur mit einer Pandemie, sondern auch mit einer Weltwirtschaftskrise zu tun, die wir in diesem Ausmaß lange nicht erlebt haben.

Wir als kleines Österreich bleiben da nicht verschont:
Dieses Jahr wird unsere Wirtschaft um rund 7 Prozent einbrechen.

Aber, das ist die gute Nachricht, wir können uns sicher sein: Nächstes Jahr kehrt das Wachstum zurück und das Comeback unserer Wirtschaft wird beginnen. Damit das gelingt, müssen wir natürlich neben den bestehenden Rettungspakten, die wir geschnürt haben, alles tun, um die Attraktivität unseres Standorts zu stärken und so zusätzliche Arbeitsplätze, gerade in Zeiten der Krise, schaffen. Ich habe daher den Finanzminister und die Wirtschaftsministerin ersucht, gemeinsam mit allen anderen betroffenen Regierungsmitgliedern unsere Ziele im Regierungsprogramm zur Stärkung des Standorts vorzuziehen und sofort umzusetzen.

Dazu gehört eine aktive Ansiedlungspolitik für Schlüsselindustrien. Dazu gehört ein ambitioniertes Gründerpaket. Denn gerade in einer Zeit, in der es vermehrt Insolvenzen geben wird, ist die beste Antwort darauf, Neugründungen zu erleichtern, den Kapitalmarkt zu stärken und damit möglichst viele neue Jobs entstehen zu lassen. Eine neue Körperschaftsform – die Austrian Limited –, die rasch und unbürokratisch Gründung und Beteiligung ermöglichen soll, ist bereits in Entwicklung.

Und steuerliche Anreize für die Finanzierung von KMUs, Start-Ups sowie Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals in Unternehmen sind ebenso gerade in Planung. Bei all diesen Maßnahmen werden wir, gemeinsam mit dem Koalitionspartner, natürlich stets auch die ökologische Transformation unserer Wirtschaft im Auge behalten. Denn das ist nicht nur gut für Umwelt und Klima, sondern wenn es uns gelingt, auch Exporteur ökologischer Innovation zu werden, dann ist das auch ein Jobmotor für unser Land.

Wir hatten heute vor einem Jahr rund 330.000 arbeitslose Menschen in unserem Land. Am Höhepunkt der Krise waren wir bei 590.000 Arbeitslosen in Österreich. Mittlerweile ist die Zahl wieder auf 420.000 gesunken, aber es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Monaten die Arbeitslosigkeit noch einmal ansteigen wird. Bundesministerin Aschbacher hat daher in den letzten Monaten auf Hochtouren eine Arbeitsstiftung vorbereitet, damit wir in den nächsten Jahren bis zu 100.000 Menschen durch diese Arbeitsstiftung in Zukunftsbranchen vermitteln können.

Wir wissen, dass im Bereich der Pflege, der Gesundheitsberufe, der Digitalisierung rund 100.000 neue Stellen entstehen werden in den nächsten Jahren und es wird wichtig sein, Menschen aus der Arbeitslosigkeit in diese offenen Stellen zu vermitteln. Diese Potenziale wollen und müssen wir nutzen.

Es hat sich nicht nur unser Arbeitsmarkt massiv verändert, sondern auch die Art und Weise wie wir arbeiten, die hat sich für viele von uns während der Pandemie stark verändert.

In den letzten Monaten waren rund 40 Prozent unserer Bevölkerung teilweise oder vollständig im Home-Office. Und ich bin sicher, viele davon werden nach der Pandemie wieder vollständig in ihre Büros zurückkehren, aber in einigen Bereichen wird das Home-Office natürlich bleiben. Die Arbeitswelt und die Art und Weise wie wir arbeiten, hat sich verändert. Und es gibt zahlreiche rechtliche Fragen zu klären, da unser Arbeitsrecht noch aus einer Zeit der Produktion, der Industrialisierung stammt und mit Home-Office und Tele-Working wenig anfangen kann.

Ich habe daher die Sozialpartner gebeten, hier Vorschläge zu erarbeiten, um eine verbesserte gesetzliche Grundlage für das Home-Office zustande zu bringen. Es soll weiterhin so bleiben, dass Betriebe frei entscheiden können, wer von wo arbeitet. Aber die rechtlichen Bedingungen, die Rahmenbedingungen, die müssen für alle klar sein.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die war während des Lockdowns eine ganz besondere Herausforderung. Die Schülerinnen und Schüler waren von heute auf morgen aus ihrem tagtäglichen Umfeld herausgerissen. Viele Eltern wurden über Nacht zu Lehrern zu Hause und für die Lehrkräfte war es eine Herausforderung, auf einmal über die Distanz mit digitalen Kanälen zu unterrichten, und niemand hat sie je zuvor auf das vorbereitet. Die Schulschließungen haben massive Herausforderungen gebracht für berufstätige Eltern, die auf einmal noch stärker als bisher Beruf und Familie auch tagsüber unter einen Hut bringen mussten.

Und wir haben uns daher entschieden, die Möglichkeit der Sonderbetreuungszeit, die wir eingeführt haben im ersten Halbjahr, weiter zu verlängern. Das bedeutet, dass unser Ziel selbstverständlich ist, dass die Schulen offenbleiben, aber wenn es zu temporären, lokal-begrenzten Schließungen von Klassen oder Schulen kommen muss, dann wird es auch im Herbst die Möglichkeit eines 3-wöchigen Sonderurlaubs geben, um der Kinderbetreuung nachzukommen, wenn das notwendig ist.

Darüber hinaus wollen wir in der Schule natürlich sicherstellen, dass das Zusammenspiel aus Lehrern, Schülern und Eltern in diesem Halbjahr bestmöglich funktioniert und werden dafür verstärkt auf digitale Kommunikationskanäle setzen, selbst wenn der Unterricht nicht von zu Hause, sondern wieder physisch präsent in den Klassen stattfindet.

Corona hat uns in den letzten Monaten auch daran erinnert, und wir alle, glaube ich, haben das noch einmal so richtig gespürt, als in den Supermärkten für einige Tage manche Produkte knapp geworden sind, wie wichtig eine stabile, regionale Versorgung ist.

Österreich ist ein exportorientiertes Land und das wird auch nach Corona so sein. Wir sind Teil einer vernetzten Wirtschaft und Teil von globalen Lieferketten. Alleine die Tatsache, dass ein herkömmlicher Verbrennungsmotor in einem Auto aus 1.400 Teilen besteht, viele davon in Österreich hergestellt werden, sichert bei uns im Land 300.000 Arbeitsplätze. Ähnlich ist es bei Mobiltelefonen oder Mikrochips.

Diese Vernetzung der internationalen Wirtschaft die wird bestehen bleiben, da es niemals möglich sein wird, komplexe Produkte an nur einem einzigen Ort, mit Teilen aus einem einzigen Standort, zu produzieren. Und als exportorientiertes Land sind wir Profiteur dieser international vernetzten Wirtschaft. Ohne diese international vernetzte Wirtschaft hätten wir unser Wohlstandslevel in Österreich definitiv nicht.

Gleichzeitig gibt es aber Bereiche, in denen es durchaus möglich und auch wünschenswert ist, österreichische Produkte regional zu kaufen und zu konsumieren. Zum Beispiel bei den Lebensmitteln können wir ganz einfach als Gesellschaft in Österreich auf regionale, österreichische Produkte setzen. Das ist gesund, es schützt das Klima und es sichert Jobs in der heimischen Landwirtschaft. Die öffentliche Hand wird daher mit gutem Beispiel vorangehen und wird künftig in allen öffentlichen Kantinen sicherstellen, dass noch stärker auf regionale Produkte zurückgegriffen wird.

Wenn wir es alle gemeinsam schaffen, dass 20 Prozent regionale Produkte mehr in Österreich gekauft werden, dann schafft das bis zu 50.000 zusätzliche Jobs und bringt eine Wertschöpfung von rund 5 Milliarden Euro. Und auch auf europäischer Ebene muss Ähnliches möglich sein. Es muss uns gelingen, das wirtschaftliche Auferstehen der europäischen Wirtschaft im nächsten Jahr zu Stande zu bringen und gleichzeitig die Krise zu nutzen, um unabhängiger von anderen Teilen der Welt zu werden. Das betrifft die Energieversorgung genauso wie die Produktion von medizinischen Produkten oder neue Technologien.

Die beschlossenen 750 Milliarden aus dem Recovery Fund sind eine gute Möglichkeit, um unsere Wirtschaft wieder auferstehen zu lassen. Es muss aber auch genutzt werden für Investitionen in Zukunftsbereiche wie Ökologisierung und Digitalisierung, dass wir unabhängiger werden und in Bereichen, wo es in Zukunft immer mehr Wachstum und Wertschöpfung geben wird, auch als Europäische Union stärker werden.

Sehr geehrte Damen und Herren!

In Zeiten von Krisen gibt es neben den Verlierern immer auch Gewinner. Und wir wissen, dass gerade diese Pandemie für Tourismus, Gastronomie und Reisebranche, für Dienstleister, den Handel, die Kulturschaffenden und viele andere eine ganz große Herausforderung darstellt.

Und es ist unsere Aufgabe als Bundesregierung alles zu tun, um diese Branchen bestmöglich in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Was wir aber auch sehen müssen ist, dass es vor allem in den USA und Asien Technologieunternehmen gibt, die die großen Krisengewinner sind. Das kann uns gefallen oder auch nicht. Und wir werden auch weiter dafür kämpfen, dass internationale Digital-Giganten faire Steuern bezahlen.

Aber wir müssen uns schon auch bewusstwerden, dass in diesen Bereichen langfristig mehr und mehr Wertschöpfung drinnen sein wird. Und es wird notwendig sein, dass wir mehr und mehr dieser Wertschöpfung im Digitalbereich nach Österreich und nach Europa ziehen.

Allein in der Schule zum Beispiel hat die Pandemie 1 Million Schüler schlagartig ins Home-Schooling verlagert. Das hat uns den Spiegel vorgehalten und gezeigt, wie schlecht ausgerüstet unsere Schulen im Bereich der Digitalisierung sind. Und ich bin froh, dass wir gemeinsam mit dem Bildungsminister vereinbart haben, dass wir diese Investitionen im Bereich der Digitalisierung in der Schule massiv verstärken werden, um hier endlich international auch aufzuholen.

Was das Home-Schooling auch gezeigt hat ist, dass wir knapp 7 Prozent der Schülerinnen und Schüler fast gar nicht mehr erreichen konnten. Es waren vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien, die von heute auf morgen kaum noch an irgendeiner Form des Unterrichts teilgenommen haben und zu Hause auch wenig Unterstützung erlebt haben. Und daher ist es unser erklärtes Ziel, alles zu tun, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert und in unseren Schulen kein einziges Kind zurückbleibt.

Wir haben uns daher auch entschieden, sogenannte "Brennpunktschulen" stärker zu unterstützen mit administrativem und psychologischem Personal, um auch wirklich zu erreichen, dass unsere Schulen alle Kinder bestmöglich unterstützen und wir eine Aufstiegsgesellschaft sein können, ganz gleich aus welchen sozialen Verhältnissen ein Kind stammt.

Um die nötigen Fachkräfte auch auf universitärer Ebene bestmöglich auszubilden, werden wir im Rahmen der Budgetverhandlungen sicherstellen, dass wir weiter in den Hochschulsektor in Österreich investieren. Wir wollen daher nicht nur unsere bestehenden Universitäten und Fachhochschulen stärken, sondern wir wollen auch eine weitere Technische Universität bauen – und zwar in Oberösterreich. Diese neue Universität soll einen klaren Fokus auf die Digitalisierung legen und natürlich gut mit den bestehenden, insbesondere technischen, Hochschulen zusammenarbeiten.

Bildungsminister Heinz Faßmann und der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer sind dazu bereits in Kontakt und ich bin froh, dass wir dieses Projekt bestimmt noch in dieser Legislaturperiode verwirklichen werden können.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Neben all den wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir in den letzten Monaten zu kämpfen hatten, neben all der Notwendigkeit in Bildung und Digitalisierung zu investieren, ist uns allen wieder einmal eins ganz stark bewusst geworden: nämlich wie sehr wir Menschen soziale Wesen sind. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen in unserer Gesellschaft, die vielleicht Menschenansammlungen generell meiden und soziales Distancing als etwas Positives in der Coronazeit empfunden haben, weil sie das ohnehin schon immer gelebt haben.

Abgesehen von diesen wenigen, einigen Ausnahmen, war es eigentlich bei fast allen Menschen so, dass nach wenigen Tagen schon das Abstand halten für viele das schwierigste und größte Problem war. Auf Distanz zu gehen mit anderen Menschen, die man mag, auf Distanz zu gehen mit Menschen, die einem ganz besonders wichtig sind. Die Einschränkung von Großveranstaltungen, gesellschaftlichen Events, all das hat natürlich bei vielen Menschen sehr viel Verzicht bedeutet. Vieles davon ist lautstark diskutiert worden. Auch die Frage: Wie das Leben für junge Menschen ist, wenn die Nachtgastronomie eingeschränkt ist, wenn die Sperrstunden verkürzt sind.

Aber wir sollten uns schon vor Augen führen, dass es eine Gruppe gibt, über die nicht so lautstark diskutiert wurde, die aber unter den notwendigen Maßnahmen ganz besonders gelitten hat. Es sind gerade ältere Menschen und pflegebedürftige Menschen in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen, die über lange Zeit kaum Besuch hatten und teilweise sehr stark vereinsamt sind. Einsamkeit im Alter, das ist kein neues Phänomen, das ist nicht ein Problem der Coronapandemie, aber die Pandemie hat dieses Phänomen noch einmal beschleunigt und verschärft.

Und ich glaube wir sind uns alle einig, dass ein Altern in Würde in unserem Land auch bedeuten muss, dass sich niemand alleine fühlen darf. Und wir werden daher als Bundesregierung uns ganz intensiv in den nächsten Monaten diesem Thema widmen und versuchen, in einem Pakt gegen die Alterseinsamkeit sicherzustellen, dass auch in Zeiten der Pandemie soziale Kontakte gewahrt werden können. Es ist notwendig, ältere Menschen, vor allem in Pflegeeinrichtungen zu schützen, aber es ist gleichzeitig notwendig, dass wir alles Erdenkliche tun, um ein Maximum an sozialen Kontakten zu gewährleisten.

Durch ein sicheres Berufsumfeld, durch Tests und Hygienemaßnahmen, durch ehrenamtliches Engagement, das es in diesem Bereich gibt und das weiter gestärkt werden soll, durch innovative Konzepte, wie Besuche stattfinden können, aber natürlich auch durch die Nutzung neuer digitaler Möglichkeiten. All das müssen wir vorantreiben, um ältere Menschen in unserer Gesellschaft bestmöglich zu schützen, aber gleichzeitig gegen die Einsamkeit anzukämpfen

Sehr geehrte Damen und Herren!

Corona hat natürlich nicht nur unser Land, unsere Gesellschaft, die Bevölkerung gefordert. Corona hat das letzte Jahr, das letzte halbe Jahr uns als Politik sehr stark gefordert und es hat viele öffentliche Institutionen an ihre Grenzen gebracht. In manchen Situationen haben wir gesehen, dass unsere gesetzlichen Grundlagen gut sind für den Normalbetrieb, aber dass sie nicht ausreichen für Krisenzeiten.

Wir werden daher als Bundesregierung ein neues Krisensicherheitsgesetz auf den Weg bringen. Ich bin dem Gesundheitsminister, dem Innenminister, der Verteidigungsministerin und vielen anderen Regierungskollegen dankbar, dass sie hier ihre Expertise einbringen, damit wir in Zukunft die gesetzliche Basis dafür schaffen, ein abgestimmtes Handeln der einzelnen Behörden auch in Krisensituation sicher zu stellen. Dass unbürokratisch Beschaffungsvorgänge stattfinden können, wenn es darauf ankommt und wir gut gerüstet sind, egal ob die nächste Krise eine Pandemie, ein Terroranschlag oder einen Cyberangriff ist.

Zu Beginn der Krise haben wir als Österreich, und das gerät auch manchmal in Vergessenheit, vor allem deshalb schnell und richtig reagiert, nicht, weil wir in Österreich so viel besser vorbereitet waren als andere, sondern weil wir einen intensiven Austausch mit anderen Staaten haben. Es waren viele Staaten, die von der Pandemie früher betroffen waren, die mit uns in Kontakt waren, die uns vorgewarnt haben und die mit uns ihre Erfahrungen geteilt haben.

Gerade als kleines Land sind wir auf diesen internationalen Austausch unglaublich angewiesen. Und die Pandemie hat wieder einmal gezeigt, wie viele Vorteile dieser internationale Austausch bringen kann und dass er in einer kritischen Situation sogar dafür sorgen kann, dass Leben gerettet werden.

Wir haben uns daher dazu entschieden, als Bundesregierung, in den nächsten Jahren uns zu bemühen, diesen internationalen Austausch mit anderen kleinen und mittleren Staaten, die so wie wir innovativ und wirtschaftsstark sind, noch stärker zu forcieren und auch institutionalisieren,

Wir wollen strategische Partnerschaftsabkommen abschließen mit Ländern wie Australien, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz oder Südkorea, um den politischen Austausch mit diesen Ländern zu gewährleisten, aber auch um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern, wissenschaftliche Kooperation einzugehen und mit Jugendaustausch-Programmen auch den Austausch in der Bevölkerung zu unterstützen.

Zuletzt sehr geehrte Damen und Herren, ein Punkt, der mir noch persönlich wichtig ist:

Die letzten Monate haben für viele Menschen das Leben entscheidend verändert. Vieles von dem, was wir erlebt haben, wird Gott sei Dank schon bald wieder Geschichte sein und unser Leben wird sehr schnell in fast allen Bereichen wieder ganz normal sein und für viele Menschen, so wie es vorher war. Manche Trends, die es vorher gab, die sind durch die Krise noch einmal beschleunigt worden und die werden auch nicht verschwinden. Und wir als Regierung hatten einige sehr schwierige demokratiepolitische Entscheidungen zu treffen, die in normalen Zeit undenkbar wären, aber die in Krisenzeiten leider Gottes nun einmal notwendig waren.

All das hat Auswirkungen auf unser Land, auf unsere Gesellschaft. Und es wirft natürlich Fragen auf, die oftmals nicht einfach zu beantworten sind, gerade wenn Grundrechte zum Beispiel miteinander kollidieren. Aber ich glaube, genauso wichtig wie es ist, schnelle Entscheidungen in Krisenzeiten zu treffen, ist es wichtig, diese auch zu diskutieren und zu reflektieren und darüber nachzudenken, was diese Krise mit unserem Land gemacht hat, wo Veränderungen schnell wieder verschwinden und welche Trends und Veränderungen vielleicht Bestand haben werden.

Daher möchten wir diesem Diskurs im Bundeskanzleramt eine Plattform bieten und ich habe Professor Paul Liessmann eingeladen, gemeinsam mit anderen Expertinnen und Experten, in einem "Philosophicum" in den nächsten Monaten kritisch über diese Geschehnisse, aber auch über die damit verbundenen gesellschaftlichen Fragen zu diskutieren.

Unser Fokus als Bundesregierung, der wird in den kommenden Monaten ganz klar natürlich weiterhin darauf liegen, die Coronakrise bestmöglich zu managen, unseren Wirtschaftsstandort zu stärken und dadurch Arbeitsplätze zu sichern, in Bildung und Digitalisierung zu investieren und unseren gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt, der durch die Coronakrise nicht weniger, sondern mehr wurde, noch weiter zu stärken.

Die Herausforderungen durch diese Pandemie, die sind nicht vorbei. Der Herbst, der wird eine gesundheitspolitische Herausforderung und eine schwierige Zeit für uns alle werden.

Aber wir können zuversichtlich sein!

Denn wir können uns sicher sein, dass diese Krise uns zwar zurückgeworfen hat, aber sie wird uns nicht aufhalten. Wir werden in absehbarer Zeit zur gewohnten Normalität zurückkehren können und wir werden gemeinsam sicherstellen, dass unser wunderschönes Österreich auch diese Herausforderung gut übersteht.

Vielen Dank!