Käthe-Leichter-Preis

Der Käthe-Leichter-Staatspreis wird für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verliehen.

Käthe-Leichter-Preise 2021

Am 15. Dezember 2021 wurde der Käthe-Leichter-Staatspreis von Bundesministerin Susanne Raab verliehen an: Universitätsprofessorin Doktorin Christine Zulehner und 'Levin Professor' (Stanford) Muriel Niederle.

Univ.-Prof.in Dr.in Christine Zulehner versteht es, als eine von wenigen Frauen mit einer Professur im Bereich Ökonomie an einer österreichischen Universität, Studierende für genderrelevante Themen zu begeistern. Ihre umfassende empirische Forschung zum "Gender Wage Gap" wurde in international renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Nicht zuletzt auch für ihr Engagement in der Umsetzung genderspezifischer Projekte und ihrer besonderen Vorbildwirkung in dem nach wie vor stark männlich dominierten Bereich der Ökonomie, wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Staatspreis ausgezeichnet.

'Levin Professor' Muriel Niederle lehrt an der renommierten Stanford-Universität und zählt zu den weltweit führenden Expertinnen in experimenteller Ökonomie und Market Design. Ihre bekanntesten Arbeiten befassen sich mit Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit mit dem zentralen Thema "Geschlechterunterschiede in Wettbewerbssituationen". Mit ihrer Arbeit, die bereits mehrfach in renommierten Fachjournalen aufgegriffen wurde, leistet sie einen wesentlichen Beitrag zum Diskurs zu Geschlechterunterschieden in Bildung und am Arbeitsmarkt.

6 weitere Käthe-Leichter-Preise wurden vom Bundesministerium für Arbeit (BMA), vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW), von der Österreichischen Nationalbank (OeNB), von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien (AK) sowie von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) gestiftet. Diese gingen an:

Ass.-Prof.in Mag.a Dr.in Caroline Berghammer: Aufgrund ihrer beeindruckenden Liste an empirischer Forschung zum Thema Geschlechterungleichheit und ihren Analysen zur Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit, wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis des BMA ausgezeichnet.

Mag.a Mag.a Dr.in Anita Thaler: Durch ihre internationale Tätigkeit in der feministischen Technikforschung gilt sie als Role Model und setzt sich dafür ein, junge Frauen für eine MINT-Karriere zu motivieren. Deshalb wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis des BMBWF ausgezeichnet.

Univ.-Prof.in Dr.in Martina Mara: Für ihre wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Robopsychologie und ihre Analysen unter anderem zu den Themen Gender-Stereotypisierung in der Digitalisierung und dem Digital Gender Divide sowie ihrem Engagement, junge Frauen für Technik zu begeistern, erhielt sie den Käthe-Leichter-Preis des BMDW.

Dr.in Laura Wiesböck, Bakk. MA.: Für ihre Forschungsleistungen unter anderem zu sozialer Ungleichheit und ihren öffentlichkeitswirksamen Einsatz für ein gewaltfreies und ökonomisch unabhängiges Leben von Frauen, wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis der Österreichischen Nationalbank ausgezeichnet.

Ass.-Prof.in Emma Dowling, BA MRes MSc PhD: Aufgrund ihrer Forschungsleistungen in Bereichen Gender und soziale Reproduktion sowie unbezahlte Arbeit und Care-Arbeit wurde wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis der Arbeiterkammer Wien ausgezeichnet.

Mag.a Dr.in iur. Karin Neuwirth: Für ihre interdisziplinäre Forschungstätigkeit zum Thema Gleichstellung der Geschlechter mit dem Fokus auf die Auseinandersetzung mit Geschlechterhierarchien und rechtlichen Schutznormen, wurde ihr der Käthe-Leichter-Preis der Wirtschaftskammer Österreich gestiftet.

Die Verleihung des Käthe-Leichter-Staatspreises 2021 fand gemeinsam mit der Verleihung des Lebenswerkpreises an Univ.Prof.in Dipl.-Ing.in Dr.in Dr.in hc Edeltraud Hanppi-Egger statt.

Über Käthe Leichter (1895 bis 1942)

Dr. Käthe Leichter
Dr.in Käthe Leichter;  Foto: Wien Bibliothek

Käthe Leichter war die erste Frauenreferentin der Arbeiterkammer und sowohl wissenschaftlich als auch politisch im Interesse der Frauen tätig. Sie war eine der interessantesten und bedeutendsten Frauen im politischen Leben der 1. Republik. Im Jahr 1895 als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie geboren, rebellierte Marianne Katharina Pick schon früh gegen die Konventionen ihrer Zeit: Sie schloss sich der bürgerlichen Jugendbewegung an und studierte als eine der ersten Frauen Staatswissenschaften und Nationalökonomie, schloss ihr Studium jedoch nicht in Österreich, wo Frauen noch nicht den Abschluss machen konnten, ab, sondern in Deutschland. Heute gilt sie als erste Sozialwissenschaftlerin weltweit und als eine der wichtigsten Pionierinnen auf dem Feld der Frauenforschung.

Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegsrevolutionen prägten die junge Wissenschaftlerin. Käthe Leichter engagierte sich ab nun aus voller Überzeugung in der Arbeiterbewegung. Sie glaubte fest an den Sozialismus und daran, die Befreiung des Menschen und damit auch die der Frauen selbst noch erleben zu können. Mit ihren umfangreichen Untersuchungen über das Leben von arbeitenden Frauen versuchte Käthe Leichter, die Frauen zu ermutigen, um ihre Gleichstellung in Beruf und Familie zu kämpfen. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen, der Heim- und Industriearbeiterinnen sowie wie das Handbuch der Frauenarbeit in Österreich gehören zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Neu an Käthe Leichters Erhebungen und Analysen war nicht nur, dass sie sich speziell mit der Situation von Frauen beschäftigten, sondern auch, dass sie auf den Erfahrungen von Frauen beruhten, von Frauen verfasst und herausgegeben wurden

Bis zuletzt gab sie die Hoffnung auf den Sieg ihrer Überzeugungen nicht auf. Sie ging nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Otto Leichter, und den beiden Söhnen ins Schweizer Exil, um wenig später zurückzukehren und eine führende Rolle im Widerstand gegen den autoritären Ständestaat einzunehmen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 verkannte Käthe Leichter ihre gefährliche Lage als jüdische Frau, widerständige Sozialdemokratin und Intellektuelle und blieb, um legal auszuwandern. Ende Mai 1938 verhaftete sie die Gestapo. Internationale Interventionen und Visas, die auf dem britischen und amerikanischen Konsulat auf sie warten, nützen nichts: Sie wurde Ende 1939 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und im März 1942 ermordet.

Geschichte des Käthe-Leichter-Preises

Der Käthe-Leichter-Preis wird seit dem Jahr 1991 vergeben, wobei zunächst jährlich

  • jeweils ein Käthe-Leichter-Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Frauenministerin und dem Sozialminister sowie 
  • jeweils ein Käthe-Leichter-Preis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Österreichischen Nationalbank und der Arbeiterkammer 

gestiftet wurde. Der Preis wurde zunächst im Rahmen der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung vergeben und geht auf dessen Gründer, Dr. Herbert Steiner, zurück. Er selbst war – wie Käthe Leichter – jüdischer Herkunft, dessen Eltern im Holocaust ermordet wurden. Er überlebte im Exil und war Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Steiner gewann die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal für die Realisierung des Käthe Leichter Preises, der 1991 zum ersten Mal vergeben wurde.

Nach einer Unterbrechung von 4 Jahren wurde die Verleihung des Käthe-Leichter-Staatspreises für Frauen- und Geschlechterforschung 2005 wieder aufgenommen und bis heute fortgesetzt. Über hundert namhafte Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen wurden bisher mit den Käthe-Leichter-Preisen ausgezeichnet.

Informationen zum Käthe-Leichter-Staatspreis und zu den weiteren Käthe-Leichter-Preisen

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt wird für hervorragende Leistungen um die Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften wie auch um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit, verliehen.

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauen-, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom für Frauenangelegenheiten zuständigen Regierungsmitglied verliehen.

Neben dem Käthe-Leichter-Staatspreis werden weitere Käthe-Leichter-Preise in der Höhe von je 2.500 Euro gestiftet

  • von dem für Bildung und Wissenschaft zuständigen Regierungsmitglied,
  • von dem für Arbeit zuständigen Regierungsmitglied,
  • von dem für Wirtschaft zuständigen Regierungsmitglied,
  • von der Österreichischen Nationalbank,
  • von der Arbeiterkammer Wien,
  • von der Österreichischen Wirtschaftskammer.

Die Nominierung sowie die Wahl der Preisträgerinnen erfolgt durch eine unabhängige Jury – es ist daher keine Eigenbewerbung möglich.

Die Jury setzt sich aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, die auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung anerkannt sind, universitär und außeruniversitär, aus verschiedenen Disziplinen sowie maßgeblichen Persönlichkeiten der Interessenvertretungen der Arbeitnehmenden und anderer Preisstiftenden zusammen.

Käthe Leichter- und Lebenswerk-Preis-Jury 2021

  • Hon.Prof.in Univ.-Doz.in Dr.in Brigitte Bailer
  • Ao.Univ.-Prof.in Dr.in Margarete Maria Grandner
  • Univ.-Prof.in Dr.in Gabriella Hauch
  • Mag.a Bernadette Hawel
  • Dr.in Barbara Hey
  • Mag.a Eva Landrichtinger
  • Mag.a Pia Lichtblau
  • Dr.in Ingrid Mairhuber
  • Mag.a Ingrid Moritz
  • Dr.in Helene Schuberth
  • Mag.a Anna Steiger
  • Mag.a Roswitha Tschenett
  • Mag.a Sylvia Vana
  • Univ.Prof.in Dr.in Doris Weichselbaumer, MA

Weiterführende Informationen

Bisherige Preisträgerinnen

Käthe-Leichter-Preise: Liste der Preisträgerinnen 1991-2021 (PDF, 586 KB)