Käthe-Leichter-Preis

Der Käthe-Leichter-Staatspreis wird für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verliehen.

Käthe-Leichter-Preise 2020

Käthe-Leichter-Preisverleihung 2020: Gabriele Zuna-Kratky, Susanne Raab
Gabriele Zuna-Kratky, Susanne Raab Foto: BKA/Andy Wenzel

Am 23. Dezember 2020 wurde der Käthe Leichter-Staatspreis von Bundesministerin Susanne Raab verliehen an: Doktorin Gabriele Zuna-Kratky.

Gabriele Zuna-Kratky war die erste weibliche Leiterin in den 7 Bundesmuseen und der Nationalbibliothek. Als Direktorin des Technischen Museums (2000 bis 2019) setzte sie zahlreiche Initiativen, um Mädchen mit Technik vertraut zu machen, bahnbrechende Erfindungen von Frauen zu präsentieren und weibliche Role Models vor den Vorhang zu holen.

5 weitere Käthe-Leichter-Preise wurden gestiftet vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend (BMAFJ), vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW), von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien (AK) und von der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und gingen an:

  • Doktorin Johanna Pirker: Als preisgekrönte Forscherin und Spieleentwicklerin ist sie weibliches Role Model in der Technik und hat das Potential, Frauen für eine MINT-Karriere zu gewinnen. Deshalb erhielt sie den Käthe Leichter-Preis des BMAFJ.
  • Doktorin Helene Schiffbänker: Aufgrund ihrer umfangreichen Forschungs- und Beratungstätigkeit in nationalen wie internationalen Projekten mit ausgewiesener Geschlechterforschungsperspektive sowie ihrer internationalen Publikations- und Vortragstätigkeiten wurde sie mit dem Käthe Leichter-Preis des BMBWF ausgezeichnet.
  • Universitätsprofessorin Doktorin Sabine Köszegi: Für ihre interdisziplinäre Forschung an den Schnittstellen Technologie, Arbeit, Geschlechterforschung und (feministische) Organisationstheorie erhielt sie den Käthe Leichter-Preis des BMDW.
  • Doktorin Doris Allhutter: Aufgrund ihrer Forschungsleistungen zu Geschlechter-Technikverhältnissen sowie zur Einschreibung von sozialen Ungleichheiten in Informationstechnologien wurde ihr der Käthe Leichter-Preis der Arbeiterkammer gestiftet.
  • MMagistra Doktorin Veronika Helfert: Für ihre Forschungsleistungen unter anderem zu Fragen der Geschlechterverhältnisse, der Geschlechterdemokratie, Frauen insbesondere in historischen Bruchzeiten sowie politischen Parteien und Organisationen von Arbeitswelten wurde sie mit dem Käthe Leichter-Preis der OeNB ausgezeichnet.

Die Verleihung des Käthe Leichter-Staatspreises 2020 fand gemeinsam mit der Verleihung des Lebenswerkpreises an ao. Universitätsprofessorin Doktorin Karin Gutiérrez-Lobos statt.

Fotogalerie: Käthe-Leichter-Preisverleihung 2020

Über Käthe Leichter (1895-1942)

Dr. Käthe Leichter
Dr. Käthe Leichter;  Foto: Wien Bibliothek

Käthe Leichter war die erste Frauenreferentin der Arbeiterkammer und sowohl wissenschaftlich als auch politisch im Interesse der Frauen tätig. Sie war eine der interessantesten und bedeutendsten Frauen im politischen Leben der 1. Republik. Im Jahr 1895 als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie geboren, rebellierte Marianne Katharina Pick schon früh gegen die Konventionen ihrer Zeit: Sie schloss sich der bürgerlichen Jugendbewegung an und studierte als eine der ersten Frauen Staatswissenschaften und Nationalökonomie, schloss ihr Studium jedoch nicht in Österreich, wo Frauen noch nicht den Abschluss machen konnten, ab, sondern in Deutschland. Heute gilt sie als erste Sozialwissenschaftlerin weltweit und als eine der wichtigsten Pionierinnen auf dem Feld der Frauenforschung.

Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegsrevolutionen prägten die junge Wissenschaftlerin. Käthe Leichter engagierte sich ab nun aus voller Überzeugung in der Arbeiterbewegung. Sie glaubte fest an den Sozialismus und daran, die Befreiung des Menschen und damit auch die der Frauen selbst noch erleben zu können. Mit ihren umfangreichen Untersuchungen über das Leben von arbeitenden Frauen versuchte Käthe Leichter, die Frauen zu ermutigen, um ihre Gleichstellung in Beruf und Familie zu kämpfen. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen, der Heim- und Industriearbeiterinnen sowie wie das Handbuch der Frauenarbeit in Österreich gehören zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Neu an Käthe Leichters Erhebungen und Analysen war nicht nur, dass sie sich speziell mit der Situation von Frauen beschäftigten, sondern auch, dass sie auf den Erfahrungen von Frauen beruhten, von Frauen verfasst und herausgegeben wurden

Bis zuletzt gab sie die Hoffnung auf den Sieg ihrer Überzeugungen nicht auf. Sie ging nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Otto Leichter, und den beiden Söhnen ins Schweizer Exil, um wenig später zurückzukehren und eine führende Rolle im Widerstand gegen den autoritären Ständestaat einzunehmen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 verkannte Käthe Leichter ihre gefährliche Lage als jüdische Frau, widerständige Sozialdemokratin und Intellektuelle und blieb, um legal auszuwandern. Ende Mai 1938 verhaftete sie die Gestapo. Internationale Interventionen und Visas, die auf dem britischen und amerikanischen Konsulat auf sie warten, nützen nichts: Sie wurde Ende 1939 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und im März 1942 ermordet.

Geschichte des Käthe-Leichter-Preises

Der Käthe-Leichter-Preis wird seit dem Jahr 1991 vergeben, wobei zunächst jährlich

  • jeweils ein Käthe-Leichter-Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Frauenministerin und dem Sozialminister sowie
  • jeweils ein Käthe-Leichter-Preis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Österreichischen Nationalbank und der Arbeiterkammer,

gestiftet wurde. Der Preis wurde zunächst im Rahmen der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung vergeben und geht auf dessen Gründer, Dr. Herbert Steiner, zurück. Er selbst war – wie Käthe Leichter – jüdischer Herkunft, dessen Eltern im Holocaust ermordet wurden. Er überlebte im Exil und war Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Steiner gewann die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal für die Realisierung des Käthe Leichter Preises, der 1991 zum ersten Mal vergeben wurde.

Nach einer Unterbrechung von 4 Jahren wurde die Verleihung des Käthe-Leichter-Staatspreises für Frauen- und Geschlechterforschung 2005 wieder aufgenommen und bis heute fortgesetzt. Über hundert namhafte Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen wurden bisher mit den Käthe-Leichter-Preisen ausgezeichnet.

Informationen zum Käthe-Leichter-Staatspreis und zu den weiteren Käthe-Leichter-Preisen

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt wird für hervorragende Leistungen um die Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften wie auch um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit, verliehen.

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauen-, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom für Frauenangelegenheiten zuständigen Regierungsmitglied verliehen.

Neben dem Käthe-Leichter-Staatspreis werden weitere Käthe-Leichter-Preise in der Höhe von je 2.500 Euro gestiftet

  • von dem für Bildung und Wissenschaft zuständigen Regierungsmitglied,
  • von dem für Arbeit zuständigen Regierungsmitglied,
  • von dem für Wirtschaft zuständigen Regierungsmitglied,
  • von der Arbeiterkammer Wien,
  • von der Österreichischen Nationalbank.

Die Nominierung sowie die Wahl der Preisträgerinnen erfolgt durch eine unabhängige Jury – es ist daher keine Eigenbewerbung möglich.

Die Jury setzt sich aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, die auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung anerkannt sind, universitär und außeruniversitär, aus verschiedenen Disziplinen sowie maßgeblichen Persönlichkeiten der Interessenvertretungen der Arbeitnehmenden und anderer Preisstiftenden zusammen.

Käthe Leichter- und Lebenswerk-Preis-Jury 2020

  • Hon.Prof. Univ.-Doz. Dr. Brigitte Bailer
  • Ao.Univ.-Prof. Dr. Margarete Maria Grandner
  • Univ.-Prof. Dr. Gabriella Hauch
  • Dr. Barbara Hey
  • Bernadett Humer, MSc
  • Mag. Pia Lichtblau
  • Dr. Ingrid Mairhuber
  • Mag. Ingrid Moritz
  • Dr. Helene Schuberth
  • Mag. Anna Steiger
  • Mag. Roswitha Tschenett
  • Mag. Sylvia Vana
  • Univ.Prof. Dr. Doris Weichselbaumer, MA

Weiterführende Informationen

Bisherige Preisträgerinnen

Käthe-Leichter-Preise: Liste der Preisträgerinnen 1991-2020 (PDF, 179 KB)