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Sexualisierte Gewalt

Frauen und Mädchen sind besonders häufig von sexualisierter Gewalt betroffen – dies zeigen nationale und internationale Prävalenzstudien auf:

Entgegen weit verbreiteten Annahmen kommt der Täter sehr häufig aus dem sozialen Umfeld der betroffenen Frau, besonders häufig handelt es sich um den (Ex-) Partner. 

Rechtslage

Strafgesetzbuch (StGB)

Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist im Strafrecht umfassend verankert. Als sogenannte "strafbare Handlungen" gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung sind insbesondere Vergewaltigung – gleichermaßen strafbar, ob in der Ehe oder in nahen Beziehungen oder durch fremde Täter –, geschlechtliche Nötigung und sexueller Missbrauch von unmündigen Kindern zu nennen.

Mit dem am 1. Jänner 2016 in Kraft getretenen Strafrechtsänderungsgesetz 2015 traten zusätzliche Straftatbestände in Kraft, die den Schutz vor sexualisierter Gewalt noch weiter verbessern: vor allem der neue Tatbestand "Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung" und die Neuregelung der sexuellen Belästigung.

Gleichbehandlungsgesetze

Neben dem Strafgesetzbuch enthalten auch die Gleichbehandlungsgesetze Bestimmungen zum Schutz vor sexueller Belästigung in der Arbeitswelt und beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Kostenlose Beratung und weitere Informationen dazu erteilt die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Im Öffentlichen Dienst Beschäftigte beraten die Gleichbehandlungsbeauftragten beziehungsweise Frauenbeauftragten.

Rechte im Strafverfahren

Alle vom Strafgesetzbuch umfassten Sexualdelikte sind sogenannte Offizialdelikte. Das bedeutet, dass diese Taten von den Strafbehörden verfolgt werden müssen, wenn sie davon Kenntnis erlangen.

Einzige Ausnahme ist der Straftatbestand "sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlung", der nur dann strafrechtlich verfolgt wird, wenn das Opfer die zuständigen Strafbehörden dazu ermächtigt.

Ein Strafverfahren stellt immer eine besondere Belastung dar. Besonders groß ist diese Belastung, wenn es um sexualisierte Gewalt geht und vor allem dann, wenn der Täter eine nahestehende Person ist.

Es gibt daher spezielle Opferrechte, um diese emotionale Belastung weitgehend zu vermeiden.

Besonders relevant ist das Recht auf kostenlose Prozessbegleitung, die von spezialisierten Opferschutzeinrichtungen angeboten wird.

Beweissicherung

Die rasche und richtige Beweissicherung erhöht die Chancen den Täter zu überführen erheblich, auch wenn erst später eine Anzeige erstattet wird!

Bei einer Anzeige macht die Polizei auf die notwendig erachteten Schritte zur Beweissicherung aufmerksam. Wenn (noch) keine Anzeige erstattet wird, sollte so rasch wie möglich eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, welche in der Dokumentation von (sexuellen) Verletzungen geschult sind. Die gesicherten Beweise können auch genutzt werden, wenn die Anzeige erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Sie erleichtern die Beweisführung vor Gericht und können den Betroffenen belastende Befragungen ersparen!

Spuren und Verletzungen am Körper werden durch eine sogenannte klinisch-forensische Untersuchung dokumentiert und gesichert. Um keine Spuren zu verlieren, ist es wichtig, diese Untersuchung so rasch wie möglich durchzuführen und vorher nicht zu duschen! Auch eventuell verabreichte K.O.-Mittel können nur wenige Stunden lang im Blut nachgewiesen werden.

Sonstige Spuren und Sachbeschädigungen sollen ebenfalls dokumentiert werden. Kleidungsstücke und ähnliches können durch Aufbewahrung in einem sauberen Behältnis (zum Beispiel Papiersack) gesichert werden.

Hilfe und Unterstützung

Bei unmittelbarer Gefahr soll unbedingt der Polizeinotruf 133 gerufen werden!

Krankenhausambulanzen sind oft die erste Stelle, an die sich Betroffene wenden. Häufig verfügen Krankenhäuser über Ärztinnen und Ärzte, die in der Verletzungsdokumentation geschult sind. In vielen Spitälern gibt es auch spezialisierte Teams, sogenannte Opferschutz- oder Gewaltschutzgruppen, die mit anderen Hilfseinrichtungen vernetzt sind. Zahlreiche Beratungsstellen bieten Betroffenen von sexualisierter Gewalt und auch ihren Bezugspersonen Hilfe und Unterstützung, kostenlos – unabhängig von einer Anzeige – und auf Wunsch auch anonym:

  • Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen bieten spezielle Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen und Mädchen mit sexuellen Gewalterfahrungen und informieren auch über nächstgelegene Opferschutzgruppen.
  • Der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien 0043 1 71 71 9: Dieser ist rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, anonym und kostenlos für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt betroffen sind, erreichbar.
  • Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen gegen Gewalt in der Familie beraten und unterstützen umfassend bei häuslicher und sexualisierter Gewalt; auch sie erteilen Auskunft über bestehende Opferschutzgruppen.
  • Frauenhelpline 0800 222 555: Diese bietet kostenlos, rund um die Uhr und unabhängig vom jeweiligen Wohnort Erst- und Krisenberatung an; bei Bedarf verweist sie an die passende Einrichtung des jeweiligen Bundeslandes weiter.

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