Das war der Tag der offenen Tür 2017

Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 2017, lud das Bundeskanzleramt wieder alle Bürgerinnen und Bürger zum Tag der offenen Tür ein. Hier finden Sie eine Nachlese zum Programm im Bundeskanzleramt.

300 Jahre BKA

Wenn Sie schon immer wissen wollten, wie das geschichtsträchtige Bundeskanzleramt von innen aussieht und wie darin gearbeitet wird, hatten Sie am Nationalfeiertag Gelegenheit dazu. Neben dem klassischen Rundgang durch die historischen Repräsentationsräume des Hauses, konnten die Besucherinnen und Besuchern anlässlich des 300-jährigen Bestehens des Bundeskanzleramtes ein historisches Programm für Erwachsene und Kinder sowie ein Kunst- und Kulturprogramm erleben.

Besuchen

der historischen Räumlichkeiten im Bundeskanzleramt, wie zum Beispiel

  • den Kongresssaal, in dem in den Jahren 1814 und 1815 der Wiener Kongress tagte,
  • den Marmorecksalon, in dem das Originalgemälde zur Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags hängt,
  • das Haerdtl-Zimmer, benannt nach dem österreichischen Architekten Oswald Haerdtl, nach dessen Plänen der beschädigte Gebäudeflügel nach dem 2. Weltkrieg wiederaufgebaut und eingerichtet wurde,
  • den Großen Ministerratssaal, in dem die Bundesregierung tagt,
  • das ehemalige Kanzlerzimmer, in dem unter anderem Bruno Kreisky und Leopold Figl arbeiteten, 
  • das Büro des Herrn Bundeskanzlers

Historisches Programm, gestaltet von Schloss Hof

Unser Partner Schloss Hof hatte ein besonderes Highlight im Programm: Auf dem Rundgang durch die Repräsentationsräume begegneten unseren Gästen historische Persönlichkeiten aus dem Barock. Unter Kaiserin Maria Theresia, deren Bildnis heute noch im Steinsaal zu bewundern ist, wurde die Staatskanzlei am Ballhausplatz etabliert. Der erste Staatskanzler hieß Wenzel Anton Graf Kaunitz-Rietberg (dessen Enkelin später Clemens Wenzel Lothar Fürst Metternich heiratete). Maria Theresia schrieb übrigens leidenschaftlich gerne Briefe an ihre Kinder, von denen ihre Tochter Maria Karolina, die spätere Königin von Neapel, berichtete. Neben diesen Persönlichkeiten kreuzten auch die Sängerin Vittoria Tesi und 2 Schokoladenmädchen die Wege der Besucherinnen und Besucher.

Plakat der Ausstellung 300 Jahre Maria Theresia © Schloss Hof

Für die kleinen Gäste hieß es: Willkommen in der Prinzen- und Prinzessinnenschule. Im historischen Kinderprogramm schlüpften sie in barocke Kostüme & Perücken, übten Hofknicks und Menuett. Mit einer Sofortbildkamera wurde die Verwandlung festgehalten. Außerdem wurden Fächer und Orden gebastelt sowie Vorlagen des Bundeskanzleramtes und des Bundesadlers bemalt. 

Unsere historischen Persönlichkeiten

Staatskanzler Kaunitz

Wenzel Anton Graf Kaunitz-Rietberg © BKA

Wenzel Anton Graf Kaunitz-Rietberg (1711-1794). Vor dem Hintergrund des aufgeklärten Absolutismus trug er maßgeblich zu Reformen der Verwaltung und zur Entwicklung des Wohlfahrtswesens in den habsburgischen Kernländern bei. Kaunitz war einer der Hauptinitiatoren für die geistige und politische Erneuerung des Staates. Die von ihm organisierte Reform des Beamtenapparats führte zu einer Zentralisierung der bis dahin vielfach zerstreuten Verwaltungsgeschäfte. Dabei waren dem österreichischen Staatsmann sein Organisationstalent und seine Erfahrungen im Verwaltungsbereich behilflich.

Kaunitz war der Gründer des österreichischen Staatsrats und fungierte als Berater und Mitarbeiter von Maria Theresia und ihrem Sohn Josef II. Zu Beginn seiner Laufbahn wurde er von Kaiser Karl VI., dem Vater Maria Theresias, zum Reichshofrat ernannt und mit diplomatischen Aufgaben betraut.

Als Staatskanzler übernahm er 1753 die Leitung der österreichischen Außenpolitik. Er reorganisierte die Verwaltung und machte die Staatskanzlei zu einem modernen Außenministerium. Durch zähe Verhandlungen konnte er große Kompetenzen durchsetzen. Er schuf erstmals ein Bündnis mit Frankreich, das durch die Ehe mit Marie Antoinette besiegelt wurde. Unter Kaiser Franz II. demissionierte er 1792 im Alter von 81 Jahren.

Nach einem Palais in der Herrengasse bewohnte er unter anderem das Staatskanzleigebäude, das heutige Bundeskanzleramt. 1794 verstarb er im Palais Kaunitz in der heutigen Amerlingstraße in Wien.

Maria Karolina

Maria Karolina © BKA

Erzherzogin Maria Karolina von Österreich, geboren 1752 in Wien, gestorben 1814 auf Schloss Hetzendorf bei Wien, war eine von 8 Töchtern von Kaiserin Maria Theresia und ihres Ehemanns Franz I. Stephan von Lothringen. Sie wurde wie ihre Brüder und Schwestern von früher Jugend an streng erzogen und nach einem von Maria Theresia eigens für die jungen Erzherzoginnen und Erzherzöge entwickelten Schulungsprogramm unterrichtet. Maria Karolina wurde, wie die meisten ihrer 13 Geschwister, die die Kindheit überlebten, nach dynastischen Überlegungen verheiratet, nach dem Motto: "Tu, felix Austria nube". Durch ihre Heirat mit Ferdinand I. wurde sie Königin von Neapel-Sizilien. Sie übernahm die Regierungsgeschäfte und erlangte eine gewisse Berühmtheit durch ihren Kampf gegen Napoleon. Mit ihrem eher ungeliebten Mann bekam sie immerhin 18 Kinder, die wiederum mehrheitlich nach dynastischen Gesichtspunkten verheiratet wurden. Ihre erste Tochter, Maria Theresa, wurde mit ihrem Cousin, Franz II./I. von Österreich, verheiratet.

Übrigens: Maria Karolinas Schwester Maria Amalia musste gegen ihren Willen Herzogin von Parma werden, der spätere Kaiser Joseph II. wurde mit Maria Isabella von Bourbon-Parma verheiratet, sein Bruder Leopold, der spätere Kaiser Leopold II., mit Prinzessin Maria Ludovika von Spanien. Der dritte Sohn, Erzherzog Ferdinand Karl, wurde von Maria Theresia mit der Erbin von Modena, Herzogin Beatrix von Modena-Este, vermählt und damit Herzog Ferdinand von Modena-Este. Maria Antonia erlitt als Gemahlin des französischen Königs Ludwig XVI, als Königin Marie Antoinette, das tragischste Schicksal der Geschwisterriege: Sie starb auf dem Schafott im revolutionären Paris im Jahr 1793.

Vittoria Tesi

Vittoria Tesi (geboren 1700 in Florenz; gestorben 1775 in Wien), auch genannt "La Moretta"  oder "La Fiorentina", war die renommierteste italienische Altistin der 1720er bis 1740er Jahre. Sie arbeitete unter anderem mit Leonardo Vinci, Domenico Sarro und Christoph Willibald Gluck zusammen. Tesi debütierte in Norditalien (Parma und Bologna). Zur Hochzeit des sächsischen Kurprinzen August Wilhelm II. war sie in Dresden engagiert, kehrte dann nach Italien zurück und trat in ganz Nord- und Mittelitalien auf, besonders in Neapel, Mailand und Venedig. Der Kastrat Carlo Broschi, genannt Farinelli, organisierte einen Aufenthalt Vittoria Tesis in Spanien (Madrid). In den 1740er Jahren ließ sich Tesi dauerhaft in Wien nieder, wo sie bis zu ihrem Tod 1775 lebte. Nach ihrem Rückzug von der Opernbühne war sie als Leiterin der Kostümabteilung der Wiener Hofoper und Gesangspädagogin tätig. Besonders gerühmt wurde auch ihr schauspielerisches Talent.

Schokoladenmädchen

Gemälde "Das Schokoladenmädchen"

Das Wiener Schokoladenmädchen ("La Belle Chocolatière de Vienne"), eine Pastellmalerei auf Pergament von Jean-Étienne Liotard, entstand zwischen 1743 und 1745. Der Schweizer Künstler reiste im Jahr 1743 an den Hof Königin Maria Theresias, der späteren Kaiserin, um sie und ihre Familie zu porträtieren. Hier schuf er sein berühmtestes Pastellbild, das Porträt einer namenlosen Bediensteten. Er hat es vermutlich im Dezember 1744 gemalt, kurz bevor er Wien verließ und nach Venedig aufbrach.

In Venedig fand Liotard rasch einen Käufer, den Grafen Francesco Algarotti, der Einkäufe für den großen Kunstmäzen August III tätigte, den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen. So gelangte das Schokoladenmädchen in die Dresdner Gemäldesammlungen und wurde dort ab 1855 in der Galerie für Alte Meister ausgestellt. Noch im 19. Jahrhundert entdeckte ein amerikanischer Geschäftsreisende das Bild als Markenzeichen für Kakao. Der Erfolg war so groß, das weitere Firmen das Bild in abgewandelter Form verwendeten.

Kulturprogramm im Steinsaal

Programm im Detail (PDF, 188 KB)

Fotos zum Tag der offenen Türe sind im Fotoservice des Bundeskanzleramtes abrufbar.