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Bundeskanzler Kurz erfreut über Realisierung der Namensmauer als Shoah-Gedenkstätte

Nachhaltiges Zeichen der Erinnerung schaffen – Dank an Initiator Kurt Tutter 

"Wir gedenken heuer der Gründung der Ersten Republik vor hundert Jahren, aber auch den dunkelsten Stunden unserer Geschichte. Ich bedanke mich bei allen, die in diesem Jahr ein würdiges Besinnen möglich machen. Die Bundesregierung unterstützt daher den Bau der Namensmauer für die Opfer der Shoah, für die Initiator Kurt Tutter, ein Überlebender der schrecklichen Jahre, schon seit Jahren kämpft", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz am 7. November beim Pressefoyer nach dem Ministerrat. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache bekräftigte: "Der 12. November 1918 steht für den Glauben an eine bessere Zukunft auf Basis der Demokratie. Leider war diese Republik nur von kurzer Dauer und mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann 1938 für die jüdische Bevölkerung ein beispielloser Leidensweg, der uns bis heute beschämt. Wir haben die Verantwortung, an diese Tragödie immer wieder zu erinnern. Mit der Mauer wird den rund 66 000 österreichisch-jüdischen Opfer gedacht."

Historische Verantwortung Österreichs

Der Bundeskanzler betonte auch in seiner Rede am 9. November im Parlament zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938, dass sich Österreich seiner historischen Verantwortung bewusst sei, "und dass wir alle, als Bundesregierung, als Republik, als politisch Verantwortliche wissen, dass wir die Pflicht haben zu gedenken, aber auch dass wir in Gegenwart und Zukunft handeln müssen." Das Ziel des Gedenkjahres sei es auch, ein nachhaltiges Zeichen der Erinnerung zu schaffen: "Bei Kurt Tutter möchte ich mich für die Idee der Namensmauer und für seine Hartnäckigkeit bedanken. Und dafür, dass Sie sich trotz Verzögerungen nicht entmutigen haben lassen, Durchhaltevermögen gezeigt und dieses Projekt mit Unterstützung der Regierung, der Stadt Wien und vielen anderen mitgetragen haben."

Für Österreich und Wien sei es wichtig, einen nachhaltigen Ort des Gedenkens zu haben, der weit über das Gedenkjahr hinausstrahle. "Neben der Pflicht zu gedenken, haben wir als Österreich die Pflicht zu handeln. Für mich ist es fast unvorstellbar, dass es noch immer antisemitisches Gedankengut gibt. Es ist unsere Aufgabe, jüdisches Leben in unserem Land aktiv zu unterstützen und gegen jede Form von Antisemitismus anzukämpfen. In Österreich und in Europa darf es keinen Platz dafür geben", betonte der Bundeskanzler.

Bundeskanzler Sebastian Kurz bei der Visualisierung des Projektes Namensmauer für ermordete Juden © BKA/Andy Wenzel

Namensmauer steht kurz vor Realisierung

Die Erinnerungsmauer, eine Gedenkstätte mit den Namen der in der NS-Zeit ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden, soll im Ostarrichi-Park vor der Österreichischen Nationalbank im 9. Wiener Gemeindebezirk errichtet werden. Ein wesentlicher Teil der Kosten des von Kurt Yakov Tutter initiierten Projekts wird von der Republik Österreich übernommen. Geplant sei, so der Initiator, ein Kreis steinerner Namenstafeln mit nur einem Eingang, in dem Nachkommen ungestört die Namen ihrer Familienmitglieder suchen, die Buchstaben mit der Hand berühren und ein Gebet sagen können. Auf einer "grünen Insel" im Inneren des Kreises sollen Bäume und Sträucher gepflanzt werden.